Menstruation ist an der Folkwang Universität – wie auch im Alltag – oft unsichtbar. Im öffentlichen Raum wird sie selten mitgedacht und noch immer tabuisiert. Dabei betrifft sie viele Studierende und Beschäftigte und beeinflusst häufig den Hochschulalltag. Menstruationsbeschwerden sind weit verbreitet und wirken sich spürbar auf den Alltag aus.
Gerade an einer Kunst- und Musikhochschule ist der Körper unmittelbarer Teil der Arbeit: als Instrument, Ausdrucksmittel und Grundlage von Leistung. Körperliche Zustände wirken sich hier direkt auf Proben, Auftritte und das eigene Schaffen aus. Deshalb wird auch Menstruation im Hochschulalltag besonders spürbar: Konzerte spielen, während die Blutung einsetzt; an Proben oder Meetings teilnehmen, obwohl die Konzentration nachlässt; tanzen, performen oder lange sitzen mit starken Unterleibsschmerzen. Für viele Menschen gehören solche Situationen zum Studien- und Arbeitsalltag.
Viele Menstruierende erleben während ihrer Periode Schmerzen, Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme. Manche sind in dieser Zeit weniger belastbar oder können sich schlechter fokussieren. Doch auch ohne körperliche Beschwerden kann das ‚Periodenmanagement‘ mental anstrengend sein: Habe ich genug Hygieneprodukte dabei? Brauche ich Schmerzmittel? Wo ist die nächste Toilette? Welche Kleidung ist passend? Kann ich bei den Übungen durchbluten? Diese und ähnliche Gedanken begleiten viele Menstruierende im Alltag, führen zu Stress und Scham und gehören zu einem Menstruationsstigma, das verbunden ist mit gesellschaftlichen Erwartungen an eine jederzeit perfekt diskrete Handhabung der Blutung.
Trotzdem nehmen viele FLINTA* weiterhin an Lehrveranstaltungen, Proben oder Auftritten teil. Ihre Erfahrungen bleiben dabei oft unsichtbar. Menstruation wird meist als private Angelegenheit behandelt, über die kaum gesprochen wird.
Dadurch entstehen Unsicherheiten: Wann ist es legitim, eine Pause zu brauchen? Werden meine Beschwerden ernst genommen? Kann offen darüber gesprochen werden?
Die Hochschule ist nicht frei von diesen Dynamiken. Auch hier prägen Erwartungen an Leistung, Präsenz und Verlässlichkeit den Alltag.
Umso wichtiger ist es, Räume zu schaffen, in denen körperliche Realitäten mitgedacht werden. Menstruationsbeschwerden sind kein Randthema und keine individuelle Ausnahme. Sie gehören zur Lebensrealität vieler Menschen – und damit auch zum Hochschulalltag. Diese Realität sichtbar zu machen, anzuerkennen und ernst zu nehmen, ist ein wichtiger Schritt.