Illustration: Louisa Kron

Folkwang

It's Bloody Brilliant – Menstruieren an der Folkwang Universität der Künste

Gemeinsam mit dem Gender Referat des AStA setzt sich das Gleichstellungsbüro für eine Enttabuisierung der Menstruation im Folkwang Hochschulalltag ein und unterstützt eine kostenfreie Verfügbarkeit von Periodenprodukten. Die Kampagne setzt ein Zeichen für einen offenen Umgang mit Menstruation und für mehr Sichtbarkeit, Aufklärung und Unterstützung menstruierender Menschen an der Folkwang Universität der Künste.
 


Menstruation ist an der Folkwang Universität – wie auch im Alltag – oft unsichtbar. Im öffentlichen Raum wird sie selten mitgedacht und noch immer tabuisiert. Dabei betrifft sie viele Studierende und Beschäftigte und beeinflusst häufig den Hochschulalltag. Menstruationsbeschwerden sind weit verbreitet und wirken sich spürbar auf den Alltag aus.

Gerade an einer Kunst- und Musikhochschule ist der Körper unmittelbarer Teil der Arbeit: als Instrument, Ausdrucksmittel und Grundlage von Leistung. Körperliche Zustände wirken sich hier direkt auf Proben, Auftritte und das eigene Schaffen aus. Deshalb wird auch Menstruation im Hochschulalltag besonders spürbar: Konzerte spielen, während die Blutung einsetzt; an Proben oder Meetings teilnehmen, obwohl die Konzentration nachlässt; tanzen, performen oder lange sitzen mit starken Unterleibsschmerzen. Für viele Menschen gehören solche Situationen zum Studien- und Arbeitsalltag.

Viele Menstruierende erleben während ihrer Periode Schmerzen, Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme. Manche sind in dieser Zeit weniger belastbar oder können sich schlechter fokussieren. Doch auch ohne körperliche Beschwerden kann das ‚Periodenmanagement‘ mental anstrengend sein: Habe ich genug Hygieneprodukte dabei? Brauche ich Schmerzmittel? Wo ist die nächste Toilette? Welche Kleidung ist passend? Kann ich bei den Übungen durchbluten? Diese und ähnliche Gedanken begleiten viele Menstruierende im Alltag, führen zu Stress und Scham und gehören zu einem Menstruationsstigma, das verbunden ist mit gesellschaftlichen Erwartungen an eine jederzeit perfekt diskrete Handhabung der Blutung.

Trotzdem nehmen viele FLINTA* weiterhin an Lehrveranstaltungen, Proben oder Auftritten teil. Ihre Erfahrungen bleiben dabei oft unsichtbar. Menstruation wird meist als private Angelegenheit behandelt, über die kaum gesprochen wird.
Dadurch entstehen Unsicherheiten: Wann ist es legitim, eine Pause zu brauchen? Werden meine Beschwerden ernst genommen? Kann offen darüber gesprochen werden?
Die Hochschule ist nicht frei von diesen Dynamiken. Auch hier prägen Erwartungen an Leistung, Präsenz und Verlässlichkeit den Alltag.

Umso wichtiger ist es, Räume zu schaffen, in denen körperliche Realitäten mitgedacht werden. Menstruationsbeschwerden sind kein Randthema und keine individuelle Ausnahme. Sie gehören zur Lebensrealität vieler Menschen – und damit auch zum Hochschulalltag. Diese Realität sichtbar zu machen, anzuerkennen und ernst zu nehmen, ist ein wichtiger Schritt.
 

Tampons für alle: kostenfreie Periodenprodukte auf den Campus

Gerade für Studierende mit geringem Einkommen können Periodenprodukte eine finanzielle Belastung sein und bestehende Ungleichheiten verstärken. Um ein kostenfreies und niedrigschwelliges Angebot für Menstruierende anzubieten, werden an Folkwang ab sofort Periodenproduktspender bereitgestellt, die an den verschiedenen Campus auf den Toiletten installiert werden. So wird der Zugang zu Menstruationsprodukten unkompliziert und verlässlich möglich sein. Gleichzeitig können Stresssituationen vermieden und Menstruierende im Alltag entlastet werden. Mit der Bereitstellung der Spender reagiert die Hochschule auf einen natürlichen Bedarf und stärkt eine Infrastruktur, die unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt.

Wo finde ich die Periodenproduktspender?

An den verschiedenen Folkwang-Standorten werden zunächst 15 Periodenproduktspender installiert.
Sie stellen Tampons und Binden in Bioqualität kostenlos zur Verfügung und können von allen Personen genutzt werden, die sie benötigen.
 

Achtung: Zum Weltmenstruationstag am 28. Mai werden die ersten zwei Periodenproduktspender am Campus Werden in der Bibliothek sowie auf den Toiletten an der Mensa installiert sein. Die weitere Installation an den anderen Standorten erfolgt im Juni und sind hier zu finden:
 

       

Campus Werden

_Bibliothek (genderneutrale Toilette)
_Meierei/Mensa (Damen WC KG)
_Torbogen
_Preussenflügel (Behinderten WC, OG1)
_Ballettflügel
_Südflügel (Damen WC EG)
_Neue Aula/KMS (Künstler*innengarderobe)
_Tanzhaus
_Weiße Mühle

       

Campus Duisburg
Theaterzentrum Bochum
Quartier Nord

_Schüler*innenlabor (SANAA-Gebäude)
_Institut für Popmusik

 

 

 

 

Gut zu wissen!

Die Menstruation ist an sich ein Zeichen eines gesunden Körpers. Übermäßige Schmerzen und Beschwerden sind dabei nicht normal und können ein Anzeichen für eine Erkrankung, wie Endometriose, Adenomyose oder PMDD sein. Grade gynäkologische Erkrankungen werden erst sehr spät diagnostiziert und ziehen einen langen Leidensweg für Betroffene mit sich.

 

Im Rahmen des Pilotprojektes übernimmt das Gleichstellungsbüro in 2026 die Bestellung der Spender sowie die Kosten für das Material zur Befüllung.  Nach einem Jahr wird das Projekt evaluiert. An der Umsetzung des Projektes hat ein interdisziplinäres Flinta*-Team mitgewirkt und kollaborativ gearbeitet. Wir danken Louisa Kron, Pascale Ruhrmann, Luzie Micha, Lea Kroll, Annie Kuhnert, Bianca Menezes sowie Lara Sariaydin und Nina Kaiser für die Umsetzung des Projektes. Zudem danken wir dem Gebäudemanagement und dem Rektorat, dass die Kampagne unterstützt.

Fragen und Anregungen zur Kampagne gerne an gleichstellungsbuero(at)folkwang-uni.de
 

Hilfreiche Informationen zum Thema Menstruation und Gesundheit

 

„Das große Gyn Buch“ von Mandy Mangler

„Don‘t miss the Clitoris“ von Mandy Mangler und Esther Kogelboom

 Artikel: Der aktuelle Forschungsstand zur Menstruationsgesundheit: Überblick über 20 bio-psycho-soziale Aspekte

Artikel: Period Power: Queerfeministische und dekoloniale Perspektiven auf Menstruation

Wash United: internationale Non-Profit-Organisation, die sich weltweit für Aufklärung, Enttabuisierung und bessere Rahmenbedingungen rund um Menstruation und Hygiene einsetzt. Die Organisation initiiert unter anderem den jährlich stattfindenden Weltmenstruationstag am 28. Mai.