Folkwang

Interdisziplinarität

Die Idee, verschiedene Kunstformen miteinander zu verbinden, gehört seit den reformpädagogischen Impulsen durch Karl Ernst Osthaus Anfang des 20. Jahrhunderts zum Kern des Folkwang-Selbstverständnisses. Dabei ist Interdisziplinarität Ausdruck eines umfassenden Bildungsideals, das seit der Gründung der „Folkwangschule für Musik, Tanz und Sprechen“ im Jahr 1927 aktiv weitergelebt wird. Neugier auf andere Disziplinen weitet eigene Horizonte, Interesse an fremden Inhalten fördert gegenseitiges Verständnis, und Respekt vor dem Unbekannten schult Vielfalt und Toleranz.

Kunst entsteht nicht im beziehungslosen Raum: Instrumentalmusik ohne Instrumentenbauer*innen ist ebenso wenig denkbar wie eine Bühne ohne Bühnenbildner*innen. Wissen gibt es nicht ohne Vermittlung, Diskurs nicht ohne Kommunikation.

Dabei verstehe ich Interdisziplinarität als Ausdruck gegenseitiger Kollaboration, die Grenzen vertrauter Schaffensbereiche überwindet und aus der im Idealfall etwas vollkommen Neues entsteht.
Studien belegen, dass das Interesse an anderen Disziplinen beide Seiten verändert: Es erweitert sowohl den Horizont der Interessierten als auch das Gegenüber – in Selbstbild, Handeln und Perspektive. Die Erfahrung an Folkwang zeigt, dass diese Dynamik – wenn sie von Respekt und sachlichem Interesse getragen ist – gleichermaßen erfreuliche Effekte auf die künstlerische oder wissenschaftliche Arbeit und auf die daran beteiligten Personen hat.

Viele große Aufbrüche der Geschichte – von der Renaissance über die Aufklärung bis zur Moderne – sind aus der Begegnung unterschiedlicher Denk- und Ausdrucksformen hervorgegangen und auch die grundlegenden Fragen der Gegenwart lassen sich nur interdisziplinär beantworten. Genau in diesem Potenzial liegt die besondere Stärke unseres Hauses als Universität der Künste.

Prof. Wolfgang Kostujak
Prorektor für Interdisziplinarität

Dezember 2025