Am 06. März 2025 wurde bei einem Netzwerktreffen der Gleichstellungsbeauftragten das Projekt „Chancengleichheit in Berufungsverfahren – Ein Unconscious Bias Training“ präsentiert.
Vorgestellt wurde das Konzept durch seine Initiatorin Olivia Kossobucki.
Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt der TU Berlin und der UdK Berlin, dessen Ziel es ist, Mitglieder in Berufungskommissionen an Hochschulen für ihre eigenen, unbewussten Vorurteile in Stellenbesetzungsverfahren zu sensibilisieren.
Warum ein Training zu Unconscious Bias?
Entscheidungen in Berufungsverfahren haben weitreichende Auswirkungen: für die Berufenen, aber auch für die Entwicklung der Hochschule. Häufig wirken dabei „Unconscious Biases“, also unbewusste Denkmuster, die Wahrnehmung und Bewertungen beeinflussen, ohne dass wir es merken. Solche mentalen Abkürzungen helfen zwar dabei, schnell zu urteilen, führen aber auch oft zu Verzerrungen. Besonders in Berufungsverfahren spielen Mechanismen wie Autoritätsbias (die Meinung hierarchisch höhergestellter Personen wird überproportional gewichtet), Ähnlichkeitsbias, (Kandidat*innen mit ähnlichem Hintergrund, z.B. in Bezug auf Geschlecht, Alter oder Herkunft, werden unbewusst bevorzugt) oder Gruppendenken (eigene Einschätzungen werden für ein Zugehörigkeitsgefühl zugunsten eines gefühlten Gruppenkonsenses angepasst) eine Rolle. Geschlechtsspezifische Verzerrungen, wie stereotype Zuschreibungen über Mütter oder die geringere Sichtbarkeit von Frauen, tragen zur Unterrepräsentanz von Frauen insbesondere bei Professuren bei.
Das Projekt
Um hier gegenzusteuern, haben die Technische Universität Berlin und die Universität der Künste Berlin ein interaktives Unconscious Bias Training entwickelt. Das Projekt wurde durch das Berliner Chancengleichheitsprogramm und die Einstein Stiftung Berlin gefördert. Es basiert auf aktueller Forschung, Expert*innenwissen sowie Workshops mit Gleichstellungsbeauftragten und Berufungskommissionen.
Das Training
Das einstündige Online-Format führt mit animierten Szenen durch neun typische Entscheidungssituationen in Berufungsverfahren. Die Teilnehmenden wählen zwischen verschiedenen Handlungsoptionen, reflektieren ihr eigenes Verhalten und erhalten direktes Feedback. Das Training ist flexibel und ortsunabhängig nutzbar und verbindet realistische Szenarien mit interaktiven Elementen, die Reflexion und Wiedererkennen fördern. Es ist als Open Educational Resource frei zugänglich und legt den Schwerpunkt auf Genderbias, wobei die Inhalte auch auf andere Diversitätsdimensionen übertragbar sind. Eine Einführung in das Thema „Unconscious Bias“ sowie weiterführende Literatur runden das Thema ab.
Zielgruppe und Zielsetzung
Das Training richtet sich an Mitglieder von Berufungskommissionen, aber auch an andere Hochschulgremien und Personen, die an Auswahl- und Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Ziel ist es, ein Bewusstsein für unbewusste Vorurteile zu schaffen, Entscheidungsqualitäten zu verbessern und faire, chancengerechte Verfahren zu fördern.
Ein Beitrag zu mehr Chancengerechtgikeit
Mit dem Unconscious Bias Training wird ein niedrigschwelliges, wissenschaftlich fundiertes Instrument bereitgestellt, das zu einer Kultur der Fairness und Diversität in Hochschulen beitragen kann. Jede Teilnahme trägt dazu bei, Strukturen und Entscheidungsprozesse inklusiver zu gestalten.
Chancengleichheit in Berufungsverfahren - Ein Unconscious Bias Training:
Technische Universität Berlin, Universität der Künste Berlin, Olivia Kossobucki