Vom 30. August bis zum 02. September findet in Duisburg Europas größte Konferenzserie zum Themenbereich Mensch-Computer-Interaktion statt. In diesem Jahr eröffnet Folkwang Professor Kim Albrecht als Keynote-Speaker die international renommierte Fachkonferenz „Mensch und Computer“. Er forscht im Fachbereich Gestaltung dazu, wie Daten unser Denken, unsere Gesellschaft und unsere Wahrnehmung beeinflussen. An der Schnittstelle von Technologie, Kultur und Wissenschaft untersucht er, wie Daten und Algorithmen funktionieren und welche Auswirkungen sie auf unser Leben haben.
Prof. Dr. Kim Albrecht | Foto: Lena Zülch
Das Thema der Konferenz ist „Transforming Interactions“ und Kim Albrecht geht in seinem Vortrag „designing design“ der Frage nach, wie Informationsdesign dabei helfen kann, die digitalen Systeme, mit denen wir täglich leben, besser zu verstehen und bewusst zu gestalten. Die Prämisse ist einfach und beunruhigend: Wir gestalten die Welt, und diese Welt gestaltet uns im Gegenzug.
„Nirgendwo wird der Einfluss von Datenstrukturen so deutlich, wie in unseren digitalen Lebensrealitäten. Dort bestimmen Schnittstellen und Datenstrukturen still und leise schon jetzt unsere Alltagserfahrung. Was und wie wir sind, wird von den Systemen geprägt, in die wir uns einbetten: wie wir arbeiten, wie wir uns durch Städte bewegen, wie wir kommunizieren, wie wir Liebe finden.“, so Prof. Dr. Albrecht. Gestaltung bedeutet deshalb weit mehr, als nur Produkte oder Anwendungen zu entwerfen. Sie beeinflusst auch unser Denken, unser Handeln und unser Zusammenleben. Dieses Verständnis wird als ontologisches Design bezeichnet: Was wir gestalten, wirkt auf uns zurück und verändert, wer wir sind.
In seiner Keynote zeigt Albrecht anhand verschiedener Projekte, wie Informationsdesign diese oft verborgenen Zusammenhänge sichtbar machen kann. Abschließend richtet er den Blick auf eine wichtige Frage: Wie können wir Systeme so gestalten, dass sie nicht nur das sichtbar machen, was sie erfassen, sondern auch das berücksichtigen, was bisher übersehen bzw. verdrängt wurde oder unsichtbar bleibt?
Kongress „Mensch und Computer“
Der Kongress „Mensch und Computer" (MuC) ist die größte Fachtagung für Mensch-Computer-Interaktion (HCI) in Europa. Die Tagungsreihe wird seit 2001 jährlich von wechselnden Universitäten im deutschsprachigen Raum ausgerichtet. Weitere Informationen unter: muc2026.mensch-und-computer.de
Kim Albrecht
Kim Albrecht erforscht die ästhetischen, gesellschaftlichen und epistemologischen Dimensionen von Daten an der Schnittstelle von Technologie, Kultur und Wissenschaft. Seine Arbeit verbindet visuelle Forschung mit theoretischer Reflexion, um Datenstrukturen, algorithmische Systeme und deren kulturelle Wirkung sichtbar zu machen.
Albrecht studierte Grafik- und Interface-Design und promovierte in Philosophie mit Schwerpunkt Medienwissenschaften. Seit 2025 ist er Professor für Informationsdesign an der Folkwang Universität der Künste. Dort unterrichtet er Informationsdesign, Computational Design und Datenvisualisierung mit einem Fokus auf kritische und künstlerische Auseinandersetzungen mit Technologie. Zuvor lehrte und forschte er an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, der Harvard University, der Northeastern University und der Freien Universität Berlin.
Er ist leitender Forscher am metaLAB (at) Harvard, Mitgründer des metaLAB (at) Berlin und Faculty Associate am Berkman Klein Center for Internet & Society. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt und sind in den Sammlungen des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, des Ars Electronica Centers Linz und des Cooper Hewitt Smithsonian Design Museums New York vertreten. 2025 erschien sein erstes Buch Insight by de–sign. Medien wie Nature, Science, Wired, Scientific American, FastCompany und The Economist haben über seine Arbeiten berichtet.
Ziganki / 14. Juli 2026