Habilitationsprojekte
Das Projekt untersucht den musikalischen Orientalismus im Deutschland des 19. Jahrhunderts als ein Kulturphänomen, in dem sich religiöse, wissenschaftliche und nationale Aushandlungsprozesse überlagern. Im Zentrum steht die Frage, was »Orient« im Deutschland des 19. Jahrhunderts bedeutete und in welchem Maße seine musikalischen Imaginationen durch den zeitgenössischen Protestantismus geprägt waren.
Musikalischer Orientalismus wird dabei als ein Netzwerk von Übersetzungsprozessen zwischen Orientalistik, Theologie, Bibelwissenschaft, Literatur und Musik rekonstruiert. Die Sinneinheit Orient erscheint in diesem Zusammenhang nicht lediglich als Gegenstand exotisierender Imagination, sondern als ein kultureller Verhandlungsraum, in dem zentrale Fragen der konfessionellen Ordnung des entstehenden Nationalstaats verhandelt wurden – allen voran das Verhältnis von Christentum und Judentum. Das Spektrum reicht von alttestamentlichen Oratorien und der musikalischen Auseinandersetzung mit Judentum und Diaspora bis zur Indienbegeisterung des Wagner-Kreises und dessen Suche nach neuen, zunehmend vom Christentum gelösten Konzepten von Erlösung.
Die interdisziplinär ausgerichtete Untersuchung widmet sich künstlerischen Arbeitsprozessen im speziellen Bezugsfeld von moderner Komposition und Choreographie, wobei sich praxeologische und »choreomusikalische« Perspektiven verschränken.
Habilitationsschrift an der Folkwang Universität der Künste, Essen 2024
Bielefeld: transcript, 2020 (Musik und Klangkultur, Bd. 49)
Kumulative Habilitationsschrift an der Folkwang Universität der Künste Essen, teilw. unveröffentlicht. Essen 2013