Von Anfang April bis Ende Juni 2025 lädt die Folkwang Universität der Künste erneut internationale Künstler*innen und Designer*innen nach Essen ein, um im Rahmen des Nachhaltigkeitsprojekts „Sustainability by Design“ klimaneutrale und ressourcenschonende Lebens- und Produktionsweisen zu erforschen. Die beiden Japaner*innen Yuri Nakai und Masatoshi Noguchi arbeiten am Campus Welterbe Zollverein an selbst initiierten Projekten zu den Themen „Food“ und „Repair“, für die sie lokale Begebenheiten berücksichtigen.
Grafik: Lena Jean Jäger
Dabei spielt zum einen die Doppelbedeutung von „Essen“ als Stadt und als Nahrungsaufnahme eine Rolle sowie zum anderen die Frage, wie Reparatur in einem bereits historisch geprägten und bewahrten Ort wie dem Ruhrgebiet aussehen kann. Die Ergebnisse werden in Kooperation mit dem Museum Folkwang und der Bonnekamp Stiftung im Rahmen des „Gutes Klima Festivals“ in einem Artist Talk präsentiert. Das Festival findet am 28. Juni auf der Zeche Carl in Essen statt.
Die erste Phase des Stipendienprogramms für Künstler- und Desiger*innen des Space for Sustainability by Design (SBYD.SPACE) fand im Mai 2024 statt und hat sich mit den Themenfeldern „biobasierte Materialien“ sowie „Technologie und Nachhaltigkeit“ beschäftigt.
Die Residents wurden von einer Jury aus SBYD-Teammitgliedern und externen Expert*innen ausgewählt. Neben Prof. Dr. Johanna Schmeer, Prof. Christian Schreckenberger, Prof. Anke Bernotat und Judith Schanz von der Folkwang Universität der Künste waren Dr. Hans-Jürgen Lechtreck (stellvertretender Direktor des Museum Folkwang), Isao Kitabayashi (Geschäftsführer DESIGN KYOTO) sowie Yukako Saito (Politikberaterin für regionale Gastronomieentwicklung), am Auswahlprozess beteiligt.
Ziel des jährlich stattfindenden Residency-Programms ist es, den internationalen Austausch zu fördern sowie das Projekt durch neue Perspektiven und gestalterische Arbeiten zu bereichern. Das aktuelle Residency-Programm wurde in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Kyoto realisiert.
Masatoshi Noguchi und sein Projekt „ESSEN ESSEN“
Masatoshi Noguchi ist bildender Künstler aus Japan, der seit 2021 in Bozen, Italien, arbeitet. In seinen Skulpturen und Installationen arbeitet er häufig mit Reinigungswerkzeugen, Pflanzen und Lebensmitteln. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit Ökosystemen, Arbeitsbedingungen und Ausbeutungsverhältnissen sowie Nachhaltigkeit. In seiner künstlerischen Praxis konzentriert er sich auf die Vitalität und Anpassungsfähigkeit solcher unsichtbaren Themen sowie auf spielerische Darstellungen der Erschöpfung von Mensch und Erde. Gleichzeitig thematisiert seine Arbeit sanfte Formen des Widerstands als Überlebensstrategien.
Sein Residency-Projekt „ESSEN ESSEN“ wird die Verbindung zwischen menschlichen Körperzyklen, ökologischen Kreisläufen und dem Umgang mit natürlichen Ressourcen untersuchen. Aufbauend auf dem vorherigen Projekt „PLOSE ENTLEEREN", das sich mit dem Wasserkreislauf in Brixen beschäftigte, soll während des Aufenthalts in Essen eine neue ortsspezifische Arbeit entstehen. Die Doppelbedeutung von „Essen“ als Stadt und als Nahrungsaufnahme dient als Ausgangspunkt für ein künstlerisches Konzept, das sich mit Nachhaltigkeit, Konsum, Wasser- und Ressourcenmanagement auseinandersetzt. Durch poetische und humorvolle Ansätze soll das Verhältnis zwischen individuellen Körperprozessen und globalen ökologischen Systemen hinterfragt werden, um Bewusstsein für die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt zu schaffen.
Yuri Nakai und ihr Projekt „Repair / Small Festival“
Yuri Nakai ist eine Architektin aus Japan und Mitglied von GROUP (@groupatelier) – einem Kollektiv, das die Verbindungen zwischen Architektur, Kunst, Politik, Arbeit und Stadtgeschichte erforscht. Sie beschäftigt sich mit der Schaffung physischer und zeitlicher Interventionen im Raum.
Ihr Residency-Projekt „Repair / Small Festival“ wird die Idee der Reparatur aus städtebaulicher und architektonischer Perspektive erforschen. Inspiriert vom Gion-Festival in Kyoto, das eine rituelle Reinigung und Erneuerung des Stadtraums symbolisiert, soll während der Residenz im Ruhrgebiet eine Art Festwagen entstehen. Dieser wird aus lokal verfügbaren Materialien gebaut und als Mittelpunkt eines kleinen Festes oder einer Parade dienen. Dabei geht es um die Frage, wie Reparatur in einem bereits historisch geprägten und bewahrten Ort wie dem Ruhrgebiet aussehen kann. Durch gemeinsame handwerkliche und künstlerische Prozesse soll ein Raum für Austausch über Erhaltung, Pflege und den sozialen Aspekt der Stadtgestaltung entstehen.
Weitere Informationen & Updates gibt es auf: sbyd.space und auf Instagram (sbyd.space)
SBYD.SPACE ist Teil der Förderlinie „Innovative Hochschule“ und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) gefördert.
Jäger / 03. April 2025