Welche Eigenschaften des Raums sind hörbar, und was geschieht, wenn Architektur nicht nur gebaut, sondern auch akustisch gestaltet und inszeniert wird? Das internationale Symposium Sonic Building bringt vom 19. bis zum 21. Mai Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Ländern und Disziplinen im SANAA-Gebäude am Campus Welterbe Zollverein zusammen, um Architektur und Klang als eng miteinander verflochtene Praktiken zu erforschen und zu diskutieren.
Gestaltung: Patricia Reed
Alle interessierten Folkwängler*innen sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos. Es wird um vorherige Anmeldung gebeten: soundpracticeresearch(at)folkwang-uni.de
Im Mittelpunkt des Symposiums steht ein Materialitätsbegriff, der sich nicht auf konventionelle strukturelle oder technische Anwendungen beschränkt, sondern auf Resonanz, Schwingung, Impuls, Leitfähigkeit, Absorption und Transduktion basiert. Raum erscheint nicht als statisches Konstrukt, sondern als wandelbare, sensorisch erzeugte Einheit, die durch akustische Prozesse geformt, beeinflusst und verständlich gemacht wird. Architektur wird hier zu einer Art Instrument, zu einem Körper, der Schwingungen empfängt, moduliert und zurückgibt.
Das Symposium nähert sich diesen Ideen aus zwei Richtungen:
1. Klang als Werkzeug der Raumanalyse, durch klangliche Kartierungen, die materielle Zustände und strukturelle Eigenschaften hörbar machen, oder durch experimentelle Verfahren, bei denen der Raum selbst zur Informationsquelle wird.
2. Klang als Medium des Entwurfs – durch Praktiken der „räumlichen Synthese“, bei denen Klang nicht bloß nachhallt, sondern aktiv architektonische Erfahrungen erzeugt: Räume als klangliche Figuren; Oberflächen als Reflektoren und Verstärker von Schwingungen; Struktur aus klanglichen Impulsen; Klang als aus Struktur geborene Kraft.
Sonic Building verwebt somit Theorie, Forschung und Praxis miteinander. Das Programm umfasst Vorträge und Beiträge zu den Themen Klangarchitektur, Schwingungsphänomene, Übungen zur auditiven Raumwahrnehmung, experimentelle Konzepte der Materialität sowie aktuelle Methoden der akustischen Forschung.
Live-Interventionen machen Architektur als akustisches Medium greifbar – durch schwingende Materialien, sich wandelnde Klangfelder oder -strahlen, die den Raum performativ aktivieren.
Interdisziplinäre Teams entwickeln kleine räumlich-akustische Studien: klangliche Materialporträts, mikroarchitektonische Aufnahmen und spekulative Entwürfe, in denen Bauelemente als Klangerzeuger fungieren.
Ziel ist es, einen offenen Diskursraum zu schaffen, in dem Studierende und Lehrende aus Architektur, Klangkunst, Medienkunst, Musik, Design und verwandten Bereichen gemeinsam eine akustisch informierte Architekturpraxis erforschen. Das Symposium behandelt Klang als Wissensform, als Gestaltungsparameter und als ästhetisches Erlebnis und lädt die Teilnehmenden dazu ein, mit neuen Formen des Hörens, des Bauens und des Gedankenaustauschs zu experimentieren.
Sonic Building versteht Architektur als eine Disziplin, die durch Klang ebenso tiefgreifend gestaltet und erlebt werden kann wie durch Masse, Form und Licht.
19. - 21.05.2026
SANAA-Gebäude – 1.OG
Campus Welterbe Zollverein
Gelsenkirchener Str. 209
45309 Essen
Hosts:
Prof. Jan St. Werner (Folkwang Universität der Künste)
Patricia Reed (Folkwang Universität der Künste / Design Academy Eindhoven)
Dr. Brett Mommersteeg (Humboldt Universität Berlin)
Gäste:
Dr. Mark Campbell (Royal College of Art London)
Prof. Dr. Norbert Palz (Universität der Künste Berlin)
Prof. Alfredo Thiermann (EPFL Lausanne)
Ines Weizman (Royal College of Art London)
Nicola Bojic (Institute of Art Zagreb)
Varoujan Chetirian (Nopa Festival Jerevan & Stellar Listening Project)
Victoria Keddie (University of Pennsylvania)
Genoël von Lilienstern (HfMT Hamburg)
Performances:
● Spatiale Klangwiedergabe im Außenraum - Michael Akstaller (Folkwang Universität der Künste) & Jan St. Werner (Folkwang Universität der Künste)
● Dynamische Akustische Forschung (DAF)
● Mike Sekine
● Sound Practice Research Kollektiv
*Sound Practice Research ist die zentrale Lehreinheit des künstlerischen Leiters des Folkwang Instituts für Pop-Musik Prof. Jan St. Werner. Sie widmet sich der theoretischen und praktischen Erforschung von Klang und Musik in all ihren Dimensionen und bietet einen einzigartigen interdisziplinären Rahmen, der Kulturwissenschaften, Musikwissenschaft, Klangkunst, Performance, Ästhetik, künstlerische Forschung, Medienproduktion sowie populäre und experimentelle Komposition umfasst. Die Studierenden setzen sich kritisch und kreativ mit Klang und Hören auseinander und entwickeln individuelle und kollaborative Ansätze zur klanglichen Konzeption, Gestaltung und Untersuchung.
Anlässlich des Symposiums präsentiert Sound Practice Research erstmals öffentlich die Spatiale Klangwiedergabe im Außenraum (SKIA) auf dem Areal des Quartier Nord auf dem Weltkulturerbe Zollverein. SKIA wurde mit Mitteln aus dem Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken der Folkwang Universität der Künste mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen entwickelt und realisiert.
Programm: https://soundpracticeresearch.folkwang-uni.de/sonic-building/
Die Veranstaltung ist offen für alle interessierten Hochschulmitglieder, Studierenden und Lehrenden. Es wird um vorherige Anmeldung gebeten: soundpracticeresearch(at)folkwang-uni.de
Die Teilnahme ist kostenlos.
Cigdem Göymen / 06. Mai 2026