Folkwang

Folkwang Komponistin Vici beim Kolleg für Musik und Kunst in Montepulciano

„Jeder Tag war ein Geschenk!”

Eine Reise nach Montepulciano: Warum?
Victoria Stellpflug hat sich für das interdisziplinäre Projekt „Labor der Künste” am Kolleg für Musik und Kunst in Montepulciano beworben. Sie durfte zusammen mit 39 weiteren Kunst- und Musik-Studierenden aus ganz NRW sowie acht Dozierenden im September 2023 für zwei Wochen nach Italien fahren und im Palazzo Ricci von Montepulciano leben, arbeiten und viele neue Menschen kennenlernen. Vici studiert Integrative Komposition mit Schwerpunkt Pop und Visualisierung im vierten Jahr, ihr kennt sie vielleicht schon vom Musical-Eigenarbeits-Beitrag der StudiScouts! Scoutin Annelie hat Vici getroffen und interviewt, einmal vor ihrer Abreise und einmal, als sie wieder zurück war. Nun freut sie sich, mit euch zu teilen, was Vici ihr erzählt hat.

Vici in Montepulciano | Foto: Victoria Stellpflug

Vici in Montepulciano | Foto: Victoria Stellpflug

 

Erstmal wichtige Infos zum Projekt
Jedes Jahr haben Kunst- und Musikstudierende aus NRW die Chance sich auf verschiedene Projekte des  Kollegs für Musik und Kunst Montepulciano zu bewerben: Einmal auf das „Labor der Künste”, auf die Workshopwoche „Summer Lab" und das „students in residence”-Programm, bei dem eigene Projekte, die verwirklicht werden wollen, im Vordergrund stehen.

 

Vor der Arbeitsphase in Montepulciano: Bewerbung und Vorfreude
Auf der Heimreise unseres gemeinsamen Spanien-Urlaubs stelle ich Vici ein paar Fragen zum bevorstehenden „Labor der Künste” und erfahre, dass sie sich einerseits unglaublich auf die Zeit in der Toskana freut, andererseits auch befürchtet, ihr könnte das Ganze zu viel werden: „Ich wünsche mir, dass ich mich gut darauf einlassen und frei von gedanklichen Sperren sein kann. Ich will ganz offen für den Input der anderen sein und dadurch auf neue Impulse treffen, die mich in ganz andere Richtungen, die ich mir noch nicht vorstellen kann, lenken könnten.” Das kann ich gut verstehen. Dann erzählt Vici vom Bewerbungsprozess: Eine Kommilitonin hatte sie auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, woraufhin Vici ein Portfolio mit ihren aktuellen Projekten, ein Motivationsschreiben und ihren Lebenslauf eingereicht hat und schließlich anhand dieser Bewerbung zusammen mit sieben weiteren Folkwang-Studierenden ausgewählt wurde.

 

Wie geht es Vici nach dem Projekt?
Als ich Vici nach ihrer Residency wieder treffe, strahlt sie und beschreibt die Zeit in Montepulciano als wunderschön, bereichernd, inspirierend und augenöffnend: „Alle meine Wünsche und Erwartungen sind in Erfüllung gegangen. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, tolle Freund*innen gefunden, ganz viel Inspiration bekommen, ganz viele Ideen und Herangehensweisen der unterschiedlichen Disziplinen kennengelernt.”

 

Vicis Tagesablauf in Montepulciano
Es war, wie mir scheint, eine richtig kreative und fruchtbare Zusammenarbeit in einer sehr inspirierenden Atmosphäre. „Ja sehr!”, meint Vici und erzählt von ihrem Alltag im Palazzo: „Wenn es ging, sind wir um neun aufgestanden, denn um zehn Uhr gab’s Warmup. Meistens haben wir noch einen Kaffee davor getrunken in der Bar am Piazza, die war wunderschön. Ich habe auch auf jeden Fall eine kleine Kaffeesucht entwickelt, aber es hatte einfach so viel Style! Dann gab es Workshops oder eine Wanderung oder eine freie Arbeitsphase und Zeit, sich mit den anderen zu connecten. Mittagessen gab es in einer Mensa, das war sehr lecker und vegetarisch.
Abends wurde dann zusammen gekocht. Es gab manchmal Konzerte, Jams oder Filmabende im Canvas Hub, ein zweiter Ort des Projektes. Danach hat man sich in der Bar getroffen und Wein getrunken. Alle waren so erfüllt von dieser Sonne und dem Ort und haben sich zu neuen Ideen angestachelt.
Wir waren die komischen Kids vom Palazzo, die in den Straßen Improtheater gemacht haben!”

 

Vicis Projekte, die während der Zeit entstanden sind
Ich muss lachen, das klingt tatsächlich fantastisch und ich bin froh, so viel über das Projekt zu erfahren. Ich frage: „Apropos Sonne: Gab es irgendeine Bademöglichkeit, Vici?” Jetzt muss Vici lachen: „Witzig, dass du fragst! Daraus ist ein Album entstanden! Es gab absolut keine Bademöglichkeit. Zwei haben an der Pforte danach gefragt und die Antwort war: ‚Only if you have a private pool‘ und deswegen ist das Kollektiv Private Pool entstanden und jede*r konnten was zum Album beisteuern. Alle sollten das Sampling-Pack mit Frizzante Sounds verwenden, das eine Person des Kollektivs aufgenommen hat. Ich habe drei Songs zum Album beigesteuert und die Musik zu dem dreiteiligen Film von Studierenden der Hochschule für Kunst und Medien in Köln und Physical Theater Studierenden der Folkwang Universität der Künste gemacht.” Außerdem erstellte Vici eine Gruselkabinett-Installation über drei Räume mit Soundkulisse und Backstory.

 

Wie entstand die Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen?
Mich interessiert nun, wie die Projektgruppen sich gefunden und gebildet haben. Wurde man eingeteilt, hat man selbst Vorhaben initiiert? Vici beschreibt, dass alle an dem Einführungstreffen am ersten Abend bereits Ideen vorstellen konnten, aber nicht mussten. Dann haben sich automatisch Grüppchen gebildet und die einzigen Vorgaben, die einzuhalten waren: Es sollten mindestens fünf Leute von mindestens zwei verschiedenen Hochschulen, aus mindestens zwei unterschiedlichen Disziplinen in jeder Arbeitsgruppe sein. Dann sollten alle einen Plan abgeben, der das Vorhaben beschreibt und sie durften Wünsche äußern, welche zwei Dozierende die Gruppe am besten betreuen sollten. Vici schwärmt von der Ausstattung des Palazzos als Arbeitsort: Große Räume, viele mit Flügel, ein kleines Studio und eine Equipment-Ausleihe, in der man Mikrofone, Aufnahmegeräte, Interfaces und vieles mehr finden konnte.

 

Wie hat die Zeit dein eigenes Schaffen beeinflusst, Vici?
Nachdenklich reflektiert Vici nun über den Einfluss der Arbeitsphase auf ihre eigene Kunst: „Filmprojekte sind, glaube ich, mein Ding. Ich kann mir richtig gut vorstellen, sowas nochmal zu machen. Das gemeinsame Arbeiten mit Leuten liebe ich so sehr, ich habe wirklich gedacht: Ich muss in eine Kommune, ich will das immer machen, ich möchte jeden Morgen mit Leuten aufwachen und im Alltag zusammen Projekte machen! Ich fand es genial, es hat so gut für mich funktioniert. Da habe ich viel über mich selbst gelernt und meine Art, Kunst zu machen, und mit dem Privileg umzugehen, dass ich das jeden Tag machen darf. Im Großen und Ganzen bin ich auch einfach noch sicherer geworden in dem, was ich mache und was ich kann.”

 

Vicis Lieblingsmomente und Tipps für neue Bewerber*innen
„Was war das Allerbeste für dich, Vici?”, möchte ich wissen. „Das Allerbeste”, strahlt Vici, „war das Tanzen mitten in der Nacht mit Vino Rosso intus auf der Piazza Grande, mega abzugehen mit den tollen Menschen, die ich da kennengelernt habe. Ich habe richtig gute Freund*innen gefunden, wir haben auch Pläne, uns gemeinsam direkt für die nächste Residenz zu bewerben, zum Beispiel nächsten Juli in Montepulciano. Ich fand, es war eine sehr schöne Gruppe.”

 

Am Schluss interessiert mich natürlich noch, was Vici Studierenden mit auf den Weg geben will, die vorhaben, sich auf das Projekt zu bewerben. „Mir wurde davor auch gesagt, dass man nicht so viele Projekte machen soll, sondern auch die Zeit einfach genießen soll. Ich würde sagen: Habt Mut zu nur einem oder zwei Projekten und die dafür richtig gut und konzentriert und dann auch einfach die Zeit genießen. Unbedingt bewerben! Abendessen zum Sonnenuntergang im Innenhof des Palazzos. So oft es geht den Sonnenuntergang sehen, der ist jedes Mal anders und jedes Mal schön!”
Danke Vici für dein offenes Erzählen!

 

Ihr wollt euch bewerben? Hier findet ihr alle Infos: https://kolleg-musik-kunst.de/

Arbeitsort: Palazzo. Die Aussicht: Meravigiosa! | Foto: Victoria Stellpflug
Vici arbeitet an mehreren Projekten gleichzeitig. Würde sie es wieder so machen? Ja! | Foto: Victoria Stellpflug
Interdisziplinäre Zusammenarbeit: „Voll mein Ding!”, sagt Vici. | Foto: Victoria Stellpflug
Brainstorming im Innenhof: Es formen sich kleine Arbeitsgruppen. | Foto: Victoria Stellpflug
Pause muss sein: Zwischen Sonnenuntergängen und schönen Gesprächen blüht die Kreativität | Foto: Victoria Stellpflug
Mangiare und Vino Rosso dürfen nicht fehlen und sind wichtiger Bestandteil der Arbeitsphase ;) | Foto: Victoria Stellpflug
Eine wunderschöne Zeit mit neuen Freund*innen - bewerbt euch fürs nächste Jahr! | Foto: Victoria Stellpflug

Ein Beitrag im Rahmen des Projekts „Folkwang StudiScouts“.

 

Annelie Schrötter / 14. Dezember 2023