Interview mit Folkwang Alumnus Jordan Gigout

„Ich bin wirklich nicht jemand, der nach Projekten sucht, für mich ist es am wichtigsten, mit Menschen zusammenzuarbeiten, denen ich künstlerisch vertraue und die mir vertrauen.“


Der französische Tänzer und Choreograf Jordan Gigout (*1993) hat 2016 sein B.A.-Studium Tanz an der Folkwang Universität der Künste abgeschlossen. Seit August 2019 ist der Folkwang Alumnus festes Mitglied des Tanzensembles des Staatstheaters Kassel. Magdalena Voß hat sich mit Ihm über seine derzeitige Tätigkeit und seine weiteren Pläne unterhalten.

 

 

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Foto: Nils Klinger | Staatstheater Kassel

 

Jordan, in welchem Stück bist du zurzeit zu sehen?

Seit August 2019 bin ich festes Ensemblemitglied des Tanztheaters unter der Leitung von Johannes Wieland am Staatstheater Kassel. Die Spielzeit hat gerade begonnen und unsere nächste Premiere ist am 2. November: mit zwei Stücken, eines von Johannes Wieland und das andere von der Gastchoreografin Lenka Vagnerová. „fin de siècle“ ist lose von Themen wie Dekadenz, Ende einer Ära oder Erneuerung inspiriert. Im März 2020 werden wir im Opernhaus mit „die entfaltung“ ein Stück von Johannes Wieland präsentieren. Wir beschließen die Spielzeit mit der „Choreografischen Werkstatt“. Sie bietet den Tänzer*innen unseres Ensembles eine experimentelle Plattform, auf der wir uns mit selbst entwickelten Arbeiten präsentieren können. Ich freue mich sehr darauf, unsere unterschiedlichen Ideen und Tanzstile gemeinschaftlich zeigen zu können.

 

Wie gefällt es dir in Kassel?

Ich mag Kassel sehr gerne. Auch wenn Kassel keine Großstadt ist, gibt es immer etwas zu tun und zu sehen. Das Ensemble ist äußerst inspirierend und kreativ. Die Stücke sind oft sehr intensiv und körperlich, Johannes [Johannes Wieland] lässt uns viel Raum im kreativen Prozess. Es ist wie eine zweite Ausbildung für mich. Ich kann mir keinen besseren Arbeitszustand vorstellen.

 

Bist du demnächst für ein Projekt wieder in der Nähe?

Ich fühle mich immer noch sehr verbunden mit Essen. Einerseits wegen der Folkwang Universität, andererseits weil viele meiner ehemaligen Kommiliton*innen und Freunde mittlerweile meine Kollegen geworden sind. Essen hat eine expandierende freiberufliche Tanzszene. Was mich besonders freut: viele Folkwang-Studenten sind heute Akteure und Motoren dieser Szene. Ich hatte die Möglichkeit, mit Marie-Lena Kaiser an ihrer ersten Produktion „Ariodante“ zu arbeiten. Sie ist jemand, die sehr engagiert in der Essener Szene ist und mit der ich gerne wieder zusammenarbeiten würde.

 

Was sind deine weiteren Pläne?

Ich hatte das Glück, zeitnah nach meinem Abschluss einen Job gefunden zu haben. Meine Pläne? Ob an Staatstheatern oder freiberuflich, ehrlich gesagt habe ich keinen Plan. Im Moment bin ich in Kassel und möchte vielleicht nach Frankreich zurückkehren. Ich bin wirklich nicht jemand, der nach Projekten sucht, für mich ist es am wichtigsten, mit Menschen zusammenzuarbeiten, denen ich künstlerisch vertraue und die mir vertrauen. Ich würde lieber sechs Monate in einem Café arbeiten, als ein Projekt zu machen, das mir nicht gefällt. Natürlich hört sich das alles sehr idyllisch an, aber die Realität dieses Berufs hat auch viel mit Glück zu tun, welches definitiv zu meiner derzeitigen Situation beigetragen hat.

 

Magdalena Voß / 22. November 2019