Wissenschaft

Dissertationen in Theorie und Geschichte der Fotografie

Erstbetreuungen

Matthias Gründig
Fotografische Porträts als Ware und Währung

Bearbeitungsbeginn: 2015

Mit der ersten Veröffentlichung fotografischer Techniken im Jahr 1839 ging deren sofortige Einbindung in kapitalistische Verwertungslogiken einher. Durch technischen Neuerungen avancierte in der Folgezeit speziell das menschliche Porträt zu einer Ware, um die sich ein ganzer Markt fotografischer Studios, Zulieferer und Abnehmer bildete. Der moderne, fotografierte Mensch markiert damit als Bild seit Anbeginn der Fotogeschichte ein prekäres Verhältnis von Individualität und Dinghaftigkeit, von (Selbst-)Produktion und (Selbst-)Konsumtion. Das Dissertationsprojekt versucht, dieses schwerwiegende Verhältnis aus heutiger Sicht genealogisch zu befragen und dem Waren- und Währungscharakter nachzugehen, der durch spezifische dispositive Ordnungen, beispielsweise das Portraitstudio im 19. Jahrhundert oder die digital-apparative Umgebung sozialer Netzwerke heute, gleichermaßen, wenn auch auf unterschiedliche Weise geprägt ist.

Kontakt: matthias.gruendig(at)folkwang-uni.de

Roland Tacke
Ordnungen von Schärfe und Unschärfe
Zu einem Begriffspaar bei László Moholy-Nagy

Bearbeitungsbeginn: 2015

Die Arbeit versucht Schärfegradationen im Werk László Moholy-Nagys herauszuarbeiten, auch und besonders solche, die der Künstler selbst nicht thematisiert hat. Als Quellen dienen seine in unterschiedlichen Medien erschienenen Schriften, in denen er sich differenziert zum Thema Schärfe äußerte. Ein weiterer Quellenfundus sind seine auf fototechnischer Basis erzeugten Bilder, die schnell erkennen lassen, dass Fotografie nicht gleich Fotografie ist und dass auch Trennlinien, die zwischen fotografischen Gattungen wie Fotografie, Skiagrafie, Fotogramm, Chemigramm, Luminogramm, Lichtmalerei und anderen gezogen werden, zuweilen so unscharf werden, dass sie sich auflösen.

Kontakt: roland.tacke(at)folkwang-uni.de

Sophia Greiff
Perspektivenwechsel: Alternative Erzähl- und Darstellungsformen im aktuellen Fotojournalismus

Bearbeitungsbeginn: 2016

Angesichts der zunehmenden Informationsflut und Komplexität in einer schnelllebigen und medialisierten Welt lässt sich im Fotojournalismus eine Tendenz zu alternativen Strategien des Erzählens beobachten, die die Grenzen des journalistischen Berichterstattens hinterfragen, reflektieren und herausfordern. Das Dissertationsprojekt untersucht anhand von Fotobüchern und multimedialen Webformaten, inwiefern durch die Verschränkung unterschiedlicher Perspektiven und paralleler Erzählungen, durch bewusste Subjektivität und Betonung oder Erweiterung der Autorschaft, durch Kollaborationen oder die Einbeziehung fiktionaler Elemente vielschichtigere Zugänge und Möglichkeiten der Rezeption geschaffen werden können. Dabei soll insbesondere der Frage nachgegangen werden, ob und wie sich der Fotojournalismus konzeptionelle Methoden aus dem Bereich der Kunst und Literatur nutzbar machen kann, um einer Vielfalt der Betrachtungsmöglichkeiten gerecht zu werden und eine tiefere Ebenen des Wissens und Verständnisses zu erlangen, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Zweitbetreuerin: Prof. Dr. Karen Fromm (Hochschule Hannover)

Kontakt: mail(at)sophiagreiff.de

Anna Chiesorin
Von der Fläche zum Raum und zurück. Interdependenzen von Architektur und Fotografie

Bearbeitungsbeginn: 2017

Wie vermittelt man Architektur im Bild? Dass Architektur ortsfest ist, liegt auf der Hand. Dennoch suchen auch Architekten ein größtmögliches Publikum für ihre Arbeiten. Ganz wie bei der Skulptur erfordert die Reproduktion von Architektur eine angemessene Übersetzung von der Drei- in die Zweidimensionalität. In den klassischen Bildmedien der Zeichnung, der Druckgrafik und sogar im Gemälde wurden hierfür vielfältige Strategien ausgebildet; seit ihren historischen Anfängen hat diese Aufgabe aber auch die Fotografie übernommen. Vor allem in jüngerer Zeit haben sogenannte Renderings eine besondere Bedeutung für Entwurf wie Dokumentation von Architektur erlangt. Ihre Bildsprache ist eine fotografische, ohne dass es sich im strengen Sinn um Fotografien handelt. Das Dissertationsprojekt soll die sich hierbei ergebenden Interdependenzen in den Blick nehmen und kritisch befragen.

Kontakt: anna.chiesorin(at)folkwang-uni.de

Christopher Haaf
Selbstbild versus Fremdbild?
Zur Sichtbarkeit der Hochschule für Gestaltung Ulm

Bearbeitungsbeginn: 2017

Die Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG) bestand nur von 1953 bis 1968, das Berufsbild des Industriedesigners und die Designausbildung prägte die Hochschule aber maßgeblich. Das in Ulm entwickelte pädagogische Konzept, das sogenannte „ulmer modell“, ist bis heute national wie international einflussreich geblieben. Ein wesentliches Medium zur Vermittlung der Ulmer Designpraxis und -theorie stellten die Ausstellungen der HfG dar: Sie ließen die Hochschule und ihre Ideen öffentlich sichtbar und erfahrbar werden. Das Promotionsvorhaben setzt es sich zum Ziel, sowohl die Bedeutung der Ausstellungen für Selbstverständnis wie Selbstdarstellung der HfG im nationalen wie internationalen Rahmen als auch deren Rezeption zu untersuchen. Die Ausstellungen werden hierbei als ein kommunikatives Ereignis und als Teil der Öffentlichkeitsarbeit verstanden. Weitere Instrumente der Selbstreflexion und Selbstinszenierung – etwa die von der Hochschule herausgegebene Zeitschrift „ulm“ – sollen ebenfalls in den Blick genommen werden. Die Einbindung der HfG in die internationale Designlandschaft sowie die Wechselbeziehungen zwischen Politik, Wirtschaft und Design werden dabei mitgedacht.

Promotionsvorhaben innerhalb des durch die VolkswagenStiftung geförderten und gemeinsam von Museum Ulm, der Hochschule Pforzheim und der Folkwang Universität der Künste getragenen Forschungsprojekts „Gestaltung ausstellen. Die Sichtbarkeit der HfG Ulm: Von Ulm nach Montréal“.

Zweitbetreuer: Prof. Dr. Thomas Hensel (Hochschule Pforzheim)

Kontakt: hfg.ulm(at)gmail.de

Melinda Matern
Weibliche Subjektivität im ästhetischen Akt
Fotografinnen im Selbstporträt am Anfang des 21.Jahrhunderts

Bearbeitungsbeginn: 2017

Die Dissertation beschäftigt sich mit zeitgenössischen künstlerischen Selbstporträts verschiedener Fotografinnen, die in den Jahren zwischen 1980 und 1999 geboren worden sind und aus dem westlichen Kulturkreis stammen. In der Auseinandersetzung mit ihren Fotografien gehe ich der Frage nach, ob und inwiefern diese Bildquellen Aufschluss über gegenwärtige weibliche Subjektkonzeptionen geben können und inwieweit dies Rückschlüsse auf aktuelle Formen weiblicher Subjektivität am Beginn des 21. Jahrhunderts erlaubt. Die Behauptung, dass sich in den Selbstbildern der Künstlerinnen gegenwartsbezogene Weiblichkeitsentwürfe abzeichnen, erkennen und beschreiben lassen, beruht auf der Annahme, dass jede historische Epoche und die damit einhergehenden politischen, kulturellen wie auch gesellschaftlichen Verhältnisse eigene künstlerische Ausdrucksformen erzeugt und somit rückwirkend auch den individuellen Charakter der jeweiligen Zeit und die damit verbundenen Subjekttypen widerspiegelt. Da letztere immer auch geschlechtsspezifischen Individuationsprozessen unterworfen sind, verdichten bzw. materialisieren sich im Selbstporträt von Fotografinnen immer auch (epochen-)typische Selbst(bewusstseins)darstellungen sowie gegenwärtig vorhandene Geschlechterverhältnisse.

Das Promotionsvorhaben wird von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert.

Kontakt: melinda.matern(at)folkwang-uni.de

Linus Rapp
Gestaltung ausstellen
Zur Ausstellungsgestaltung an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm 1953–1968

Bearbeitungsbeginn: 2017

Das Licht, das von dem Ulmer „Designkloster“ auf dem Kuhberg in die Welt ausging, hat auch bald fünfzig Jahre nach der Schließung der Hochschule für Gestaltung (HfG) wenig von seiner Strahlkraft eingebüßt. Im Prisma der Ausstellungen, mit denen sich die HfG und ihre Kunden vertrat, bricht sich ein buntes Spektrum von praktischen und theoretischen Grundlagen moderner Gestaltung. Im Brennpunkt der Forschung stehen die Ausstellungstafeln der Hochschule, die unter anderem mit ihrer Architektur, Fotografie und Typografie als Kommunikationsmedium verstanden werden. Ziel des Projekts ist es, das Ausstellungs- und Designwesen in seinen kulturell-historischen Kontexten zu beleuchten und Methoden der Imagebildung im Sinne einer von der HfG angestrebten Corporate Identity sichtbar zu machen. Schließlich sollen Einblicke in die veränderte visuelle Kultur der fünfziger und sechziger Jahre auch Rückschlüsse auf die Gegenwart erlauben.

Promotionsvorhaben innerhalb des durch die VolkswagenStiftung geförderten und gemeinsam von Museum Ulm, der Hochschule Pforzheim und der Folkwang Universität der Künste getragenen Forschungsprojekts „Gestaltung ausstellen. Die Sichtbarkeit der HfG Ulm: Von Ulm nach Montréal“.

Zweitbetreuer: Prof. Dr. Thomas Hensel (Hochschule Pforzheim)

Kontakt: hfg.ulm(at)gmail.de

Hannes Wietschel
Die photographische Werkstatt der Geographie
Photographien und die Spuren ihrer wissenschaftlichen Bearbeitung um 1900

Bearbeitungsbeginn: 2017

Was konnten und was sollten Photographien in der Geographie um 1900? Nachdem sie zu einer akademischen Disziplin geworden war, stieg nicht nur der wissenschaftliche Legitimationsdruck auf ihre Methoden und Interessen. Zugleich veränderten sich auch die technischen Möglichkeiten photographischer Bildproduktion erheblich. Eine spannungsreiche Wechselwirkung zwischen diesen Entwicklungen legen Abzüge nahe, die in den Nachlässen von geographisch interessierten Forschungsreisenden aufbewahrt werden. Dieses Projekt widmet sich solchen Beständen im Archiv für Geographie des Leibniz-Instituts für Länderkunde, indem es das Verhältnis zwischen den photographischen Darstellungen und ihren Gebrauchsspuren analysiert. Ziel ist es, zu untersuchen, auf welche Weisen sich das Photographische im geographischen Forschen etablierte und welche Bearbeitungsstrategien Geographen entwickelten, um ihre Photographien zu disziplinieren.

Zweitbetreuerin: Prof. Ute Wardenga (Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig)

Das Promotionsvorhaben wird von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert.

Kontakt: h.wietschel(at)gmx.de

Projektbezogene Publikationen:
_Hannes Wietschel: Schwarzer Ruß und Rote Kreide. Zu privaten und wissenschaftlichen Facetten des photographischen Nachlasses von Walther Judeich. In: Babett Forster (Hg.): Wertvoll. Objekte der Kunstvermittlung. Gipsabgüsse, Fotografien, Postkarten, Diapositive, Weimar 2015, S. 44–49.
_Hannes Wietschel: Der photographische Nachlass von Walther Judeich. Ausbildung und Bildfindung in den Photographien eines Gelehrten. In: Angelika Geyer, Mareike Rind (Hg.): Unterwegs ins Altertum. Jenaer Reisende am Mittelmeer – Das Mittelmeer in Reisebildern. Historische Photographien aus der Sammlung des Lehrstuhls für Klassische Archäologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Berlin 2016, S. 52–56.
_Hannes Wietschel: Alphons Stübels Kritik am photographischen Paradox. Bildbeschreibung und Kontextrecherche in der bildzentrierten Photoanalyse, In: Irene Ziehe, Ulrich Hägele (Hg.): Eine Fotografie. Über die transdisziplinären Möglichkeiten der Bildforschung, Münster 2017, S. 289–310.
_Hannes Wietschel: Skeptische Faszination. Spuren in die fotografische Werkstatt des Vulkanologen Alphons Stübel. In: Rundbrief Fotografie 25.1 (2018), S. 10-23.

Matthias Pfaller
Historiography of the History of Photography in Chile
Writing a National History of Photography Today

Bearbeitungsbeginn: 2018

Since the first publication of a history of photography in 1942, Chilean scholars have been reflecting on the medium and its use from different angles. From the arrival  of the camera in 1840 to identity politics in the 1960s to current artistic trends, the proposed angle of the project is to investigate how Chilean scholars look at photography as an expression of their own visuality. Who has been writing which version of history, and from which perspective? Drawing on the outcomes of this investigation, I will further discuss the implications of writing a nation-based history and suggest possible directions of future scholarship. Whether the country-specific approach is limiting and exclusive, or a still valid framework for the sake of coherence, will be the focus of this second part. Why and to what end do we study a national history of photography today?

Kontakt: matthiaspfaller(at)msn.com

Projektbezogene Publikationen:
_Rezension von José Pablo Concha Lagos: „La Extensión Fotográfica“. In: History of Photography 41.2 (2017), S. 208–209.

Zweitbetreuungen

  • Heide Barrenechea (Universität der Künste Berlin): Praktiken der Reaktivierung. Die Arab Image Foundation zwischen dokumentarischer Archivierung, diskursiver Verhandlung und künstlerischer Produktion
  • Kristina Lemke (Philipps-Universität Marburg): Dr. Paul Wolff: Eine Fotografenkarriere im Nationalsozialismus
  • Kerstin Meincke (Universität Duisburg-Essen): Politik am Objekt. Mediale Verhandlungen von Kulturerbe im Prozess der Dekolonisation
  • Michael Ponstingl (Photoinstitut Bonartes Wien/Bauhaus-Universität Weimar): „Das bekannt gute Wiener Actmaterial …“. Zur Akt- und Nacktfotografie-Kultur des „Photographischen Kunstverlags Otto Schmidt“, Wien, 1874 – ca. 1930
  • Katharina Täschner (Johannes Gutenberg-Universität Mainz): Die Metropole im Print. Fotografie und Bildpublizistik im Paris der Zwischenkriegsjahre
  • Sarah Kreiseler (Leuphana Universität Lüneburg): Gebrauchte Fotografien. Die Glasplattennegative von Wilhelm Weimar im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • Linda Conze (Humboldt Universität zu Berlin): Das Fest in der Fotografie. Zur medialen Herstellung von Gemeinschaft zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Abgeschlossene Dissertationen

  • Verena Titze: Der Einfluss bio-medizinischer Bilder auf die zeitgenössische Porträtkunst (2014)
  • Christian Haring: Wir machen kein Theater! Passagen der Performance Art der 60er Jahre bis heute, mit Hinblick auf die Einschreibung, Aufzeichnung und Neubewertung von ephemerer Kunst (2016)
  • Stefanie Dufhues (Ludwig-Maximilians-Universität München): Bildpraxis der Mikrofotografie zwischen 1880 und 1920 (2017; als Zweitbetreuer)
  • Franziska Kunze: Opak. Die Sichtbarmachung fotografischer Materialität als künstlerische Strategie (2018)