Physical Theatre Performance goes Maschinenhaus Essen – Der Probendoku allerletzter Teil

Die Performance war gut besucht – eine Wiederaufnahme ist nicht ausgeschlossen.

Alejandra Jenni Palma und Constantin Hochkeppel haben den ersten Teil ihres Vordiploms im Physical Theatre hinter sich gebracht: Mit der Aufführung ihrer Performance „Wärest du daheim geblieben“ im Maschinenhaus Essen am 26. November ist die zweimonatige Probenzeit zu Ende gegangen. Ein Rückblick.

 

Doch der Wutausbruch blieb aus.

Wenn ich jetzt, wo alles vorbei ist, auf die vergangenen acht Wochen zurückblicke, in denen Alejandra und ich fast jeden Tag zusammenhockten und über dieser Performance brüteten, bin ich überrascht darüber, dass es diesen Punkt, an dem sie und ich uns gegenseitig an die Gurgel gegangen sind, niemals wirklich gab. Wir beide hätten genügend Gründe dazu gehabt. Aber irgendwie haben wir es geschafft, uns am Leben zu lassen.

So eine Probenzeit ist natürlich anstrengend, es gibt viel zutun, da wir für alles verantwortlich zeichnen: Wir müssen uns das Thema ausdenken, die Art, wie wir es vermitteln wollen, das Bühnenbild, die Requisiten, wir müssen quasi alles in einem sein – Autor, Regisseur, Dramaturg, Bühnenbildner, Kostümbildner, Produzent, Spieler. Das ist eben das Studium. Dazu werden wir ausgebildet. Und das ist auch okay, darauf sind wir eingestellt. Und dennoch ist es immer wieder überraschend, wie anstrengend es doch ist, sich alleine in seinem Stübchen den Kopf zu zermatern und all die tollen Ideen, die man so alleine vor sich hinbrodelnd bekommt, vor einer anderen Person, nämlich dann, wenn man in die nächste Probe geht, verteidigen zu müssen. Am schlimmsten ist dann der Punkt, an dem man selbst einsehen muss, dass diese Idee, die aus stundenlangem Überlegen und tausendmaligem Wenden des Problems, an dem man gearbeitet hat, in die vollkommen falsche Richtung zielt und anstelle von Einfachheit, das Gegenteil bringt: viel zu viele Metaebenen, unnötige Kompliziertheit, totales Unverständnis.

Und diese Punkte gab es häufig. Sowohl bei mir als auch bei Alejandra. Doch auch das ist jedem klar, der in so einen Probenprozess involviert ist. Was diesen Probenprozess tatsächlich zum Stillstand bringen kann, ist eine Diskrepanz der Prioritätensetzung. Und das war bei uns der Fall: Alejandra war stets an diesem Thema interessiert, wahnsinnig motiviert, unglaublich engagiert, wohingegen ich, um ehrlich zu sein, dieses Thema recht schnöde fand und immer noch finde – Kapitalismus... Ich gebe zu: es ist ein wichtiges Thema. Aber wo soll man anfangen, sich zurecht zu finden, in diesem Dschungel, wenn man sich neu einfinden muss, in diesem Gebiet? Da habe ich recht schnell kapituliert, muss ich eingestehen.

Erst das Finden eines Themenkomplexes, der mich persönlich interessiert, hat die ganze Situation etwas entschärft. Nun zogen wir beide am selben Strang. Die Probleme mit der Umsetzung blieben, doch letztendlich wurden auch diese, wenn erst recht spät, behoben.

Alles in allem gab es nach der Aufführung sogar recht gute Kritik. Von „es hatte gewisse Längen“, über „es war sehr unterhaltsam“ und „intelligent“ bis zu „geistreich“ war vieles dabei. Im Rückblick bin ich froh, dass es diese Momente von Spannung gab – in denen es Reibungen gab, Frustration, aber eben nicht diesen Wutausbruch, der alles hätte zerstören können. Der blieb aus. So wie vorerst die Wiederaufnahme unserer „Performance in 3 Akten“. Obwohl Alejandra und ich uns einig sind, dass dem nicht so bleiben soll! Doch dann wird mehr beworben. Damit auch der Letzte nicht daheim bleiben wird...

Ein Beitrag im Rahmen des Projekts "Folkwang StudiScouts".

 

Constantin Hochkeppel / 05. Dezember 2013