Lübeckische Blätter, 23. Oktober 2000

Arndt Voß

Gezeigt wurde am 8. und 9. Dezember eine Choreographie der in Hong Kong ausgebildeten Tänzerin Mui-Cheuk Yin, die sie für das Folkwang Tanzstudio erarbeitet hat. Und wieder machte sich das Staunen breit, was dieses Bühnengenre für eine Faszination ausüben kann. Denn Mui Cheuk Yin versteht ihr Handwerk. Vor drei Jahren hatte sie für das Festival der Kulturen in Hong Kong für sich eine Choreographie entwickelt, die die Beziehung einer Frau zu ihrem Schirm zum Thema hat. Aus diesem Kern entwickelte sie für das Folkwang- Tanzstudio nun „Whispering Colour". Wie viel wissen wir über das Fallen von Blüten? Dieser Frage, zugleich geheimnisvoller Untertitel, geht die Choreographie in einer einstündigen Schau voller Poesie, voller Ästhetik nach. Sie hat mit ihren zehn Tänzern, fünf Damen und fünf Herren, Bezauberndes zu zeigen. Feine Stimmungen umfassen die Sinne, wenn der Betrachter sich auf das Spiel der Körper und ihrer gleitenden, leichten Bewegungen, auf das Spiel der Farben, das zarte Rieseln der Blätter aus seidigem Papier einlässt, wenn er der Musik und den Geräuschen nachlauscht, wobei Naturlaute und Klänge sehr unterschiedlicher Lebenskreise vermischt sind. Da ist die Welt Asiens klanglich mit traditioneller japanischer Musik ebenso gegenwärtig wie Irisches in „Cathain" oder Portugiesisches in der Musik von Madredeus. Doch auch die Cellokantilenen David Darlings oder die Stimmakrobatik der Jazzvolkalistin Meridith Monk haben die schwebende Leichtigkeit, die diese Choreographie auszeichnet. Und dazu gehören die Schirme, nicht bloß als Requisite genutzt, sondern als ein Medium des Ausdrucks und der Verzauberung, des Heraufbeschwörens von zarten Emotionen. Diese Schirme setzen spielerische Akzente in Form und Farbe, sie sind Gegenstände der Handlung, werden aktiv z. B. durch geräuschhaftes Abrollen auf dem Boden oder als Blasebalg beim Öffnen und Schließen. Das alles ergibt keine Handlung mit einem geschlossenen Ablauf. Stationen, die Jahreszeiten gleichen, erscheinen vor dem Auge. Da sind sanfte poetische Szenen, von Naturvorgängen wie Atem und Wind, von Rauschen und Gesang begleitet. Darin sind die Menschen eingebunden: eine Betrachtungsweise, die ihre asiatische Herkunft nicht verleugnet, sie aber auch nicht vordergründig dem Zuschauer vorstellt.

NRZ Essen, 13. Mai 2000

Michael-Georg Müller

„Wieviel wissen wir über das Fallen von Blüten?” fragt Mui Cheuk Yin die Zuschauer in der Neuen Aula der Folkwang-Hochschule in Essen. Von betörender Leichtigkeit und voller Poesie ist das Stück der Hongkong-Chinesin, das das Folkwang Tanzstudio aus der Taufe hob.

Die Kompanie, die Henrietta Horn gemeinsam mit Pina Bausch leitet, zeigt sich bei dieser Uraufführung in bester Form. Und so war der Jubel groß, auch unter prominentem Fachpublikum.

WAZ, 22. Mai 2000

Merl

Märchenhaftes bekamen Besucher am Wochenende in den Flottmann-Hallen zu sehen. Nicht ein hochkompliziertes Gedankengerüst, sondern gefühlvolles Spiel mit Farben und Bewegung lag der Choreographie Mui Cheuk Yins aus Hong Kong zugrunde.

Hong Kong, 20 Dec, 2000

From Gung Zheng Bao

The dancers maintained their individuality too. Starting from their own unique cultures they faced the acid test of blending into a harmonious whole, yet they were successful not only in re-creating a new, albeit richly orient-flavored, style, but also in injecting into the dances their own personalities.

The audience can feel the four seasons, and "see" snow, waves and flowers, not only as simulation, but as reality too. Beautiful movements and visual poetry indeed.