Anlässlich des 125. Geburtstags von Kurt Jooss (1901-1979) hat Mateusz Bogdanowicz, Folkwang Absolvent und Mitglied im Ensemble des Folkwang Tanzstudios (FTS), einen persönlichen Text zu dem bedeutenden Tänzer, Choreographen und Tanzpädagogen verfasst. Kurt Jooss wurde am 12. Januar 1901 in Wasseralfingen geboren und prägte maßgeblich die Entwicklung des deutschen Tanztheaters und der Tanzabteilung der heutigen Folkwang Universität der Künste.
Foto: Mateusz Bogdanowicz
Mit seinem Beitrag nähert sich Mateusz Bogdanowicz dem Schaffen und Wirken von Kurt Jooss an und akzentuiert dabei den Einfluss auf seinen eigenen Werdegang wie auch auf die Rolle Jooss' für das Institut für Zeitgenössischen Tanz (IZT), das Folkwang Tanzstudio und die Folkwang Universität der Künste. Dafür verwebt er „ausgewählte Tagebuchnotizen, Erinnerungen, Gedanken und Bilder, die aus Reflexionsprozessen hervorgegangen sind, welche der Annäherung an die Folkwang-Geschichte dienten“.
> Zum 125. Geburtstag von Kurt Jooss von Mateusz Bogdanowicz (PDF)
Biografisches
Am 8. Oktober 1927 zählt Kurt Jooss neben Rudolf Schulz-Dornburg (Operndirektor), Hein Heckroth (Bühnenbildner), Hermann Erpf (Musiktheoretiker und Komponist) und Max Fiedler (Städtischer Musikdirektor Essen) zu den Mitbegründern der Folkwangschule für Musik, Tanz und Sprechen, die zusammen mit den gestalterischen Studiengängen die heutige Folkwang Universität der Künste bildet.
Die Gründung markiert zugleich einen wichtigen Schritt für den modernen Tanz in Deutschland: Von Anfang an leitet Jooss die Tanzabteilung an Folkwang und ab 1928 auch das „Folkwang-Tanztheater-Studio“, das ab 1930 zum ständigen Ensemble des Essener Opernhauses wird, wo Jooss Ballettdirektor ist. Als „Folkwang-Tanzbühne“ geht die Kompagnie auf Gastspielreisen. Mit dieser erhält Kurt Jooss beim Internationalen Choreographie-Wettbewerb in Paris 1932 den 1. Preis für die Choreographie „Der grüne Tisch“. Mit dem Antikriegsstück demonstriert Jooss die Weiterentwicklung des Handlungsballetts in Richtung eines realistischen Tanztheaters und setzt sich unter anderem gegen Oskar Schlemmers „Triadisches Ballett“ durch. Im Herbst des gleichen Jahres löst sich die Kompanie vom Essener Opernhaus und wird unter dem Namen „Ballets Jooss“ weitergeführt.
Nach der ‚Machtergreifung‘ der Nationalsozialisten emigriert Jooss 1934 mit dem größten Teil seiner Kompanie in einer dramatischen Nachtaktion nach England. In Devon richtet er die ‚Jooss-Leeder-School of Dance' in Dartington Hall ein, wohin ihm zahlreiche Studierende und Lehrkräfte folgen.
Er kehrt 1949 nach Deutschland und an die damalige Folkwangschule zurück, wo er bis 1968 Leiter der Tanzabteilung ist. In seiner Zeit gründet er das „Folkwang Tanztheater“ und initiiert die berühmten Europäisch-Amerikanischen Sommerakademien (1959-1966).
Am 22. Mai 1979 stirbt Kurt Joos nach einem Verkehrsunfall in Heilbronn.
Weitere Informationen
> Geschichte des Instituts für Zeitgenössischen Tanz
> Geschiche der Folkwang Universität der Künste
Roenneke / 12. Januar 2026