Folkwang

Nachruf zum Tod von Josef Bucher

Der Organist und ehemalige Folkwang Professor ist im Alter von 91 Jahren verstorben

Die Folkwang Universität der Künste trauert um Josef Bucher, den langjährigen Leiter des ehemaligen Ausbildungsbereichs Katholische Kirchenmusik. Bucher ist am 31. Oktober im Alter von 91 Jahren in Zürich verstorben und prägte über zwei Jahrzehnte die kirchenmusikalische Entwicklung an Folkwang.

Josef Bucher (c) Burkhard Wiggeshoff

Josef Bucher (c) Burkhard Wiggeshoff

 

Im Jahre 1973 folgte Bucher dem Ruf als Professor für Orgel, Literaturspiel und Improvisation nach Essen an die damalige Folkwang Hochschule für Musik, Theater, Tanz, an der er bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte. Im Amt des Dekans stand er von 1992 bis 1994 dem Fachbereich 2 für künstlerische, künstlerisch-wissenschaftliche, künstlerisch-pädagogische und wissenschaftliche Studiengänge vor.


Burkhard Wiggeshoff, Folkwang Absolvent der Kirchenmusik und ehemaliger Student von Prof. Bucher, erinnert sich in einem persönlichen Nachruf an seinen Professor.


Zum Tode von Josef Bucher

Am 31.10.2020 verstarb Prof. em. Josef Bucher. Der Organist und Dirigent wirkte 21 Jahre als Leiter der Abteilung Katholische Kirchenmusik an der Folkwang Hochschule für Musik, Theater und Tanz (heute Folkwang Universität der Künste) in Essen. Unter seiner Führung erlebte dieser Bereich seine Blütezeit. Mehrere Generationen von Kirchenmusiker*innen gehen aus dieser Zeit hervor, besonders für das Bistum Essen.

Josef Bucher wurde am 14. August 1929 in Willisau (Schweiz) geboren. Nach dem Abitur erwarb der Sohn eines Kirchenmusikers sein Konzertdiplom an der Musikhochschule Zürich und studierte weitere zwei Jahre in Paris als einer der letzten Meisterschüler von Marcel Dupré. Sein Weg führte ihn anschließend an die Musik-Akademie Wien, wo er als Schüler von Hans Swarowsky das Kapellmeisterdiplom erhielt.

Er war Dirigent und Organist am Liebfrauenmünster in Zürich, konzertierte praktisch in allen Ländern West- und Osteuropas sowie in Nord- und Südamerika, spielte Tonträger mit Werken von C. Ph. E. Bach, G. Fr. Händel und J.S. Bach ein, war Juror bei renommierten Wettbewerben und hatte Gastprofessuren u. a. an der Universität Oxford und den Musikhochschulen in Glasgow, Nischni Nowgorod, Kazan und Buenos Aires inne.

Als Dozent wirkte er zunächst an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik in Luzern. 1973 folgte er dem Ruf als Professor für Orgel, Literaturspiel und Improvisation an die Folkwang Hochschule in Essen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 blieb. Als Leiter der Abteilung Katholische Kirchenmusik bildete er die Strukturen den zeitgemäßen Anforderungen an das Kirchenmusik-Profil entsprechend um. Sein Verdienst war es auch, den renommierten Gregorianik-Forscher und -Praktiker Godehard Joppich für die Hochschule zu gewinnen, der aufgrund seiner Forschungen hier die weltweit erste Professur für dieses Fach bekleidete.

Im Jahr 2012 kehrte Prof. Bucher noch einmal nach Essen zurück und spielte und lehrte auf Einladung der Bischöflichen Kirchenmusikschule Essen bei einem außerordentlichen Treffen der ehemaligen Kirchenmusikprofessor*innen der Folkwang Hochschule. Im Kreise seiner Kolleg*innen Sieglinde Ahrens, Godehard Joppich und Gerd Zacher sowie seiner ehemaligen Studentinnen und Studenten interpretierte er – bereits 83-jährig – in der Essener Domkirche die Symphonie-Passion seines Lehrers Marcel Dupré und erfuhr eine feierliche Würdigung seiner Verdienste um die Kirchenmusik im Bistum Essen.

Josef Bucher verstarb am Reformationstag in seiner Heimatstadt Zürich im hohen Alter von 91 Jahren.

Burkhard Wiggeshoff / 08.11.2020

 

11. November 2020