Illustration: Louisa Kron

Folkwang

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2022

Zurück in die Zukunft: Archivkunst, soziale Bewegungen und Zeitlichkeiten

In diesem Seminar zum Thema kulturelles Gedächtnis werden wir über künstlerische Strategien sprechen, mit denen Archivmaterialen sozialer Bewegungen in zeitgenössischen (audiovisuellen) Texten Verwendung finden, sei es als Hommage, Re-enactment, durch Zitate oder die Verwendung von archivarischem Bild- und Tonmaterial. Solche Bezüge auf frühere politische Auseinandersetzungen über die Themen Geschlecht, Sexualität, Klasse, Race und Behinderung tragen dazu bei, dass bereits früher erworbenes Wissen vom Speichergedächtnis ins Funktionsgedächtnis (Assmann) überführt wird. Häufig werden lineare Vorstellungen von Zeit durch das erneute Zirkulieren von Archivmaterial in Frage gestellt, so dass in unseren Diskussionen aktuelle kulturwissenschaftliche Theorien über Zeitlichkeiten eine zentrale Rolle einnehmen werden. Nicht zuletzt werden wir uns mit fiktionalen Archiven und deren Bezügen zu sozialen Kämpfen auseinandersetzen. Das Symposium „Kategorisierungen von Geschlecht und kulturelles Gedächtnis von LSBTIQ in Theorie, musealer Praxis und Kunst“, das am 8. und 9. Juni im Quartier Nord stattfinden wird, wird Teil des Seminars sein. Für die Teilnehmenden besteht die Möglichkeit, sich aktiv am Symposium zu beteiligen.

In der ersten Woche der vorlesungsfreien Zeit, am 21. und 22. Juli, werden wir bei einer gemeinsamen Exkursion zur Documenta 15 nach Kassel (mit Übernachtung) erkunden, wie die im Seminar erarbeiteten Theorieansätze auf zeitgenössische Kunst und das kuratorische Konzept der diesjährigen Documenta bezogen werden können.

 

 

Wintersemester 2021/22

"Wir sind hier und wir sind viele!" Feministische und queere Manifeste aus zwei Jahrhunderten

Spätestens seit dem frühen 20. Jahrhundert formulieren Aktivist*innen politischer Emanzipationsbewegungen Manifeste, um ihren politischen Forderungen und Zielen prägnant und kämpferisch Ausdruck zu verleihen. Anhand der zahlreichen Manifeste von feministischen und queeren Bewegungen lassen sich politische und theoretische Entwicklungen in Bezug auf Geschlecht, Sexualität, Ethnizität, Klasse, Körper und Affekt anschaulich nachvollziehen. Beispiele dafür sind die Paradigmenwechsel der vier Wellen der Frauenbewegung sowie die Entwicklung von der ersten Homosexuellenbewegung über die Schwulen- und Lesbenbewegung zu queeren und Transgenderbewegungen. Immer wieder gibt es Querverbindungen zwischen politischen Emanzipationsbewegungen und dem Kunst- und Kulturbetrieb, wie am Women’s Art-Manifest von Valie Export aus dem Jahr 1973, dem 1991er Riot Grrrl Manifest der Band Bikini Kill oder dem diesjährigen #Actout-Manifest von Aktivist*innen aus der deutschen Filmbranche deutlich wird. In den Seminarsitzungen werden ausgewählte Manifeste im Mittelpunkt stehen, die jeweils durch theoretische Texte und künstlerische Arbeiten kontextualisiert werden.

Sommersemester 2021

Intersektionalität

Mit dem Buch Black Feminsim Reimagined: After Intersectionality (2019) hat Jennifer C. Nash eine kritische Bestandsaufnahme der Entwicklung des Konzepts der Intersektionalität vorgelegt. Sie kritisiert darin zum Beispiel, dass Intersektionalität zum zentralen Begriff von Diversity-Programmen geworden ist und dabei die Tradition Schwarzer feministischer Theoriebildung aus dem Blick geraten ist. Der Begriff „Intersektionalität“ wurde im Jahr 1989 von der afroamerikanischen Feministin und Juristin Kimberlé W. Crenshaw geprägt. Sie wählt das Bild der Straßenkreuzung (Intersection), um die Überschneidungen und das Ineinandergreifen verschiedener Differenzlinien zu beschreiben, und unterscheidet dabei drei verschiedene Ebenen, eine strukturelle, eine politische und eine Repräsentationsebene. Seit geraumer Zeit findet der Begriff auch im deutschen Sprachraum vermehrt Verwendung, scheint sich aber häufig verkürzt auf Fragen der Positionierung oder Identitätskonstruktion zu beschränken. In unserem Seminar werden wir – ausgehend von den Ursprüngen des Konzepts der Intersektionalität im Black Feminism der 1980er Jahre – betrachten, in welche Richtungen sich die Diskussion bis heute entwickelt hat und dabei die Kritik von Nash in unsere Diskussionen einbeziehen. Wir werden das Verhältnis von Intersektionalität und Antisemitismus ebenso betrachten wie die Kritik am Konzept der Intersektionalität, die der aktuellen Theorieströmung des Afropessimismus implizit ist.

Einige Vorträge der Reihe Differenz_gestalten, die jeweils um 18 Uhr direkt im Anschluss an unser Seminar stattfinden, werden Gegenstand der Seminardiskussion sein. Bitte halten Sie sich diesen Slot daher frei.

 

 

Wintersemester 2020/21

Differenz und Repräsentation

 

In diesem Seminar fragen wir nach dem Zusammenhang von Differenzkategorien und Repräsentationspolitiken. Auf Grundlage einiger Schlüsseltexte aus den Gender und Queer Studies, Disability Studies und Critical Race Theory setzen wir uns einerseits mit der Herkunft und Wirkmächtigkeit von Stereotypen auseinander. Andererseits diskutieren wir die selbstermächtigen Strategien in künstlerischen Arbeiten zu den Themen Geschlecht und Sexualität, Behinderung, „Rasse“ und Klasse. Ein zweiter Blickwinkel ist die (bild)ethische Frage nach dem Umgang mit potentiell verletzenden Bildern und Wörtern und den Grenzen des Zeigbaren. Die Online-Veranstaltungen im Rahmen der Reihe Differenz_Gestalten mit Jens Kastner („Klasse als Kampfbegriff: Zur Klassenausblendung in der bildenden Kunst“), Jasco Viefhues (Filmgespräch zu seinen Film Rettet das Feuer über den Fotografen Jürgen Baldiga), Natascha Frankenberg („Ehe, Tod und Queer Cinema“) und Alexandra Hartmann („Race, Repräsentation und Popkultur“) sind inhaltlich in das Seminar eingebunden. Alle Texte werden zu Beginn des Semesters über Moodle zugänglich gemacht.

Krankheit, Pandemie, Sorgearbeit

 

Das Jahr 2020 ist von der Corona-Pandemie bestimmt. Zusätzlich zu den Erkrankungen und Todesfällen hat die Pandemie massive und weitreichende Auswirkungen auf unsere Arbeitsverhältnisse, unser Freizeitverhalten, und sie bestimmt die Bedingungen unserer sozialen Beziehungen neu. Die Pandemie macht einmal mehr die Wirkmächtigkeit der Differenzkategorien Geschlecht, Klasse und Race deutlich. Corona ist der Anlass, im Seminar Theorieansätze, gesellschaftliche Diskurse und künstlerische Positionen zum Thema Krankheit und Pandemie zu erarbeiten. Ausgehend von den aktuellen Ausstellungen „Keith Haring“ und „Rettet die Liebe: Internationale Plakate gegen AIDS“ im Museum Folkwang nehmen wir zunächst Verhandlungen von HIV/Aids seit den 1980er Jahren in den Blick. Dabei hinterfragen wir auf Grundlage von Texten von Susan Sontag, Brigitte Weingart und Douglas Crimp das metaphorische Sprechen über diese Pandemie und diskutieren die künstlerischen Positionen von Keith Haring und des Berliner Fotografen Jürgen Baldiga. Danach thematisieren wir die aktuelle Situation und diskutieren ausgewählte Texte aus dem neu erschienen Sammelband Die Corona Gesellschaft und nehmen u.a. die Kategorien Geschlecht und Alter in den Blick. Zuletzt konzentrieren wir uns auf das Thema Sorgearbeit. Die Aids-Krise brachte neue Modelle der Sorgearbeit hervor, und die Situation der Pflegekräfte während der Corona-Pandemie zeigt, dass Sorgearbeit, Geschlecht und Klasse verwoben sind. Die Online-Veranstaltungen im Rahmen der Reihe Differenz_Gestalten mit Jasco Viefhues zu seinem Film Rettet das Feuer über den Fotografen Jürgen Baldiga (01.12. um 18 Uhr) und Francis Seeck über queere Sorgearbeit (12.01. um 18 Uhr) sind inhaltlich in das Seminar eingebunden.

Sommersemester 2020

Geschlecht, "Rasse" und visuelle Repräsentation

 

Im Seminar "Geschlecht, 'Rasse' und visuelle Repräsentation" setzen wir uns mit der Konstruktion von „Rasse“ und Rassismustheorien auseinander und  fragen danach, wie die Differenzlinien Geschlecht und „Rasse“ ineinandergreifen. Wir werden u.a. auf Texte von Stuart Hall, bell hooks, Audre Lorde, James Baldwin, José Esteban Muñoz und des Combahee River Collectives aufbauen und das Konzept der Intersektionalität diskutieren, um dann visuelle Repräsentationen in unterschiedlichen Medien zu analysieren, insbesondere Film, Fotografie und Graphic Novel. Unter anderem werden wir auf aktuelle Diskussionen um Black Lives Matter eingehen, u.a. auf Grundlage der Filme Get Out (2017) und Queen & Slim (2020).

Retroaktivismus

 

Im diesem Seminar verwenden wir den Begriff "Retroaktivismus", um ästhetische und politische Strategien zu beschreiben, die sich affirmativ auf frühere politische Bewegungen und ihre ästhetischen Formen beziehen, sei es als Reenactment, Remake oder durch die Aktivierung von Archivmaterial. Im Seminar setzen wir uns mit Arbeiten auseinander, in denen Elemente früherer politischer Emanzipationsbewegungen für die Gegenwart aktualisiert werden, u.a. Jeremy Dellers The Battle of Orgreave (2001), Cheryl Dunyes The Watermelon Woman (1996), Isaac Juliens Looking for Langston (1989), Benny Nemerofsky Ramsays The Rosa Song (2011) und Conny Karlsson Lundgrens Y'all Better Quiet Down (2013). Wir diskutieren, wie sich diese Arbeiten über intertextuelle Rückbezüge mit den Kategorien Klasse, „Rasse“, Sexualität und Geschlecht auch in ihren Überschneidungen auseinandersetzen, und inwiefern auf diese Weise neue Politikformen vorstellbar werden. Im Rahmen einer Exkursion ins Duisburger Archiv für Alternatives Schrifttum beschäftigen wir uns dann mit Archivalien politischer Bewegungen und versuchen Wege zu finden, uns ihnen retroaktivistisch anzunähern.

Wintersemester 2019/20

Black Lives Matter: Text, Bild, Kontext

 

Auch in deutschsprachigen Medien wird seit einigen Jahren vermehrt über Polizeigewalt gegen schwarze Bürger_innen der USA und über die Black Lives Matter-Bewegung berichtet. Beides wird im Seminar "Black Lives Matter: Text, Bild, Kontext" thematisiert. Als Ausgangspunkt dient Claudia Rankines Text Citizen, eine lyrische Auseinandersetzung mit Rassismus, in dem autobiografische Erfahrungen und Repräsentationen von Schwarzsein in visueller Kultur miteinander in einen Dialog treten. Ausgehend von Citizen wird sich dieses Seminar mit Rassismus und Critical Race Theory auseinandersetzen.

Die Seminardiskussionen werden u.a. folgende Schwerpunkte haben: W.E.B DuBois' Konzept der Double Consciousness, die Ästhetik und Politik des Black Arts Movements der 1960er Jahre, der schwarze Feminismus im Anschluss an das Combahee River Collective, Paul Gilroys Theorie des Black Atlantic, Post-Blackness sowie aktuelle intersektionelle (Kimberlé W. Crenshaw) und afropessimistische (z.B. Saidiya Hartman) Theorieansätze. Nach Möglichkeit werden theoretische und künstlerische Positionen je zusammen betrachtet.

Begleitend zum Seminar findet im Rahmen der Vortragsreihe "Differenz_gestalten" der Vortrag "'Black Pink Wave' - Rosa Parks und #Black Lives Matter" von Rebecca Brückmann statt (voraussichtlich am 5.11.2019).

Perspektiven der Gender Studies und Queer Theorie

 

Als akademische Disziplinen sind Gender Studies und Queer Theorie in den frühen 1990er Jahren aus zwei Entwicklungslinien hervorgegangen, den feministischen und LGBT-Bewegungen einerseits, und der Rezeption französischer poststrukturalistischer Theorien andererseits. Eine wichtige Basis dafür waren die Women’s Studies- und Gay and Lesbian Studies-Programme, die vor allem an nordamerikanischen Universitäten als Errungenschaften der emanzipatorischen Bewegungen seit den 1970er Jahren gegründet worden waren. Für die Entstehung der Queer Theorie war zudem die AIDS-Krise und die Erfahrung der Möglichkeit einer effektiven politischen Organisierung über identitätspolitische Grenzen hinaus prägend. Im Seminar "Perspektiven der Gender Studies und Queer Theorie" werden zunächst auf die Anfänge der Gender Studies und Queer Theorie und ihre poststrukturalistischen Grundlagen fokussiert. Danach werden aktuelle Strömungen, insbesondere affekttheoretische und materialistische Ansätze und die Frage nach queeren Zeitlichkeiten, in die Diskussion einbezogen. Begleitend zum Seminar finden im Rahmen der Vortragsreihe "Differenz_gestalten" zwei Vorträge statt: "Hipster Porn: Queere Männlichkeiten und Affektive Sexualitäten im Fanzine Butt" von Peter Rehberg (19.11.2019) und "Fortwährende Eingriffe: Vier Jahrzehnte HIV und AIDS" von Martin Dannecker (3.12.2019).

Sommersemester 2019

Behinderung, Körper, Kultur

 

Im angloamerikanischen Raum hat sich in den letzten Jahrzehnten die eigenständige akademische Disziplin der Disability Studies herausgebildet, eine Entwicklung, die zugleich ein Erfolg der Behindertenbewegung ist. Im Seminar werden wir grundlegende Entwicklungen der Disziplin nachvollziehen. Ein Beispiel ist der Übergang vom medizinischen zum sozialen Modell von Behinderung, das Behinderung als soziale Konstruktion versteht: Ort der Behinderung ist somit nicht länger der Körper, sondern die Umwelt, die in der Regel in Erwartung normierter Körper gestaltet ist. Dieser Paradigmenwechsel macht die Disability Studies anschlussfähig an poststrukturalistische Theorien, die sich z.B. mit dem Verhältnis von Körper, Macht und Wissen beschäftigen, und öffnet sie so für kulturwissenschaftliche Fragestellungen. Im Seminar werden diese Ansätze mit aktuellen phänomenologischen und materialistischen Ansätzen erweitert, die mit der Thematisierung körperlicher Schmerzerfahrung auf die Grenzen des sozialen Modells verweisen. Anhand von Beispielen aus Fotografie, Film, Comic und Literatur setzen wir uns mit hegemonialen und widerständigen Repräsentationen von Behinderung auseinander. Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Blindheit, Gehörlosenkultur und dem normativen Blick auf behinderte Menschen.

Didier Eribon in theoretischem Kontext

 

Mit der Veröffentlichung der deutschen Übersetzung von Rückkehr nach Reims im Jahr 2016 wurde der Franzose Didier Eribon auch im deutschen Sprachraum zu einem der einflussreichsten lebenden Intellektuellen. In dieser Autobiografie reflektiert er, wie seine Klassenherkunft, seine akademische Laufbahn und seine Identität als Schwuler zusammenhängen und analysiert am Beispiel seiner Herkunftsfamilie den vielerorts zu beobachtenden Rechtsruck der Arbeiter_innenklasse.

Eribons Denken baut auf verschiedenen Theorieansätzen auf: Als Schüler von Pierre Bourdieu ist er stark von dessen Habitustheorie beeinflusst, als Biograph von Michel Foucault reflektiert er dessen Machttheorie und denkt Foucaults Idee der gesellschaftsverändernden Wirkung neuer Freundschaftsverhältnisse weiter, als begeisterter Leser von Simone de Beauvoir und Annie Ernaux setzt er sich mit deren feministischen Ansätzen auseinander, als Queer Theoretiker übt er konstruktive Kritik an Eve Kosofsky Sedgwick und Judith Butler und als scharfer Kritiker der Psychoanalyse schlägt er eine am historischen Materialismus orientierte Gesellschaftstheorie vor.

Im Seminar werden wir ausgewählte Texte von Eribon diskutiert und zum umfassenderen Verständnis jeweils die oben genannten Positionen hinzugezogen.

Archive sozialer Bewegungen und künstlerische Praxis

 

In traditionellen Archiven hat das Sammeln von Beständen, die an die Fortschritte emanzipatorischer Bewegungen erinnern, in der Regel keine hohe Priorität. Aus diesem Grund kümmern sich politische Aktivist_innen oftmals selbst um die Erinnerungskultur der eigenen Bewegungsgeschichte. Mit Entstehen der neuen sozialen Bewegungen seit den 1960er und 70er Jahren, beispielsweise der Frauen- und Lesbenbewegung, der Schwulenbewegung, oder Bewegungen migrantischer Selbstorganisation, sind auch in geografischer Nähe zu Essen einige Archive gegründet worden. Im Seminar werden zunächst theoretische Ansätze zu den Themenbereichen Archivieren und Erinnerungskultur diskutiert. Dann beschäftigen wir uns mit Formen künstlerischer Auseinandersetzung mit Archivbeständen und stehen dabei mit dem Bochumer Kunst- und Archivprojekt Emanzenexpress im Dialog. Ein weiterer Teil des Seminars besteht in der konkreten Auseinandersetzung mit je einem Bestand eines Archivs. Im Seminar werden wir die Sammlungen der folgenden vier Archive theoretisch rahmen: AusZeiten Frauenarchiv (Bochum), Archiv für alternatives Schrifttum (Duisburg), Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V. (Köln) sowie Centrum Schwule Geschichte (Köln). Auf dieser Grundlage sollen die Seminarteilnehmer_innen eine Frage an einen Bestand formulieren und dann bei einem Besuch eines der vier Archive eine erste Idee für eine theoretische und/oder künstlerische Position formulieren, die dann in einer Hausarbeit ausgearbeitet werden kann.

Wintersemester 2018/19

 

Im Wintersemester 2018/19 fanden keine Lehrveranstaltungen zum Themenbereich Gender & Diversity statt.

 

 

Sommersemester 2018

Identität und Differenz in Comics und Graphic Novels

 

Anhand von Alison Bechdels Comicstrip *Dykes to Watch Out For* (1983-2008) lassen sich die wichtigsten theoretischen und politischen Debatten der zweiten und dritten Welle der Frauenbewegung, der Lesben- und Schwulenbewegung und queerer Politiken in den USA nachverfolgen. In ihren autobiografischen Graphic Novels *Fun Home* (2006) und *Are You My Mother?* (2012) gelingt Bechdel eine komplexe Auseinandersetzung mit Theorien zu den Kategorien Geschlecht und sexuelle Orientierung, in die poststrukturalistische und psychoanalytische Theorien verwoben sind. Comics und Graphic Novels bieten viele weitere Texte, die sich mit Identitätskonstruktionen, Differenzkategorien und Unterdrückungsverhältnissen wie Rassismus, Antisemitismus und Behindertenfeindlichkeit auseinandersetzen.

In dem Seminar werden Theorien aus den Bereichen Gender und Queer Studies, Rassismus- und Antisemitismusforschung und Disability Studies mit Bezug auf ausgewählte Comics und Graphic Novels diskutiert. Neben den Texten von Alison Bechdel sind dies u.a. Charles Burns‘ *Black Hole* (1995-2005), Samuel R. Delany und Mia Wolffs *Bread and Wine* (1999/2013), Howard Cruses *Stuck Rubber Baby* (1995) und Art Spiegelmans *Maus* (1991). Die Erzählweisen des Mediums werden u.a. auf Grundlage von Auszügen aus Scott McClouds *Comics Richtig Lesen* (1993) erarbeitet.

(Un)sichtbarkeit und Anerkennung

 

Das Sehen spielt eine entscheidende Rolle bei der Frage danach, ob wir eine Person als weiß oder schwarz, weiblich oder männlich wahrnehmen. In seinem Buch *Schwarze Haut, Weiße Masken* (frz. Erstausgabe 1952) analysiert der französische Psychiater und antikoloniale Theoretiker Frantz Fanon die Folgen dieser Verknüpfung von Sichtbarkeit und „Rasse“ mit dem Begriff „Epidermisierung“. In *Unsichtbarkeit: Stationen einer Theorie der Intersubjektivität* (2003) hingegen untersucht der Philosoph Axel Honneth die Strategie, soziale Überlegenheit dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass durch bestimmte Personen hindurchgeschaut wird – ganz so als seien sie unsichtbar. Darüber hinaus gibt es Kategorien, die nicht als sichtbare Markierungen in Körper eingeschrieben sind. So wird beispielsweise die politische Strategie des Coming-out in der Lesben- und Schwulenbewegung gerade deshalb propagiert, weil dadurch eine vorher unsichtbare Differenz sichtbar gemacht wird. Unsichtbarkeit begünstigt in diesem Fall Diskriminierung. So beschreibt der Soziologe Didier Eribon Scham oder Unbeholfenheit als körperliche Auswirkungen homonegativer Beleidigung vor dem Coming-out.

In dem Seminar werden diese unterschiedlichen Bedeutungen und Zusammenhänge von Sichtbarkeit, Differenz, Diskriminierung und Anerkennung diskutiert. Dabei setzen wir uns auch kritisch mit dem gesellschaftlichen Primat des Sehens, dem Okularzentrismus, auseinander. Die theoretischen Ansätze werden auf Positionen aus Literatur, Kunst und Fotografie bezogen, z.B. anhand der Arbeiten von Adrian Piper, Ralph Ellison, James Baldwin oder Jeff Wall.