Folkwang

Mit Folkwang in das neue Jahr

In den vergangenen Wochen haben wir Ihnen mit persönlichen Weihnachts-Geschichten unserer internationalen Studierenden, Lehrenden und MitarbeiterInnen die Wartezeit auf die Festtage verkürzt. Unsere Folkwänglerinnen und Folkwängler erzählten an dieser Stelle stimmungsvoll und appetitlich von ihren eigenen Traditionen, Gebräuchen und Rezepten.

Nun ist es soweit: Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende entgegen, und wir verabschieden uns von Ihnen mit Geschichten zu Silvester und Neujahr. Außerdem finden Sie hier auch alle Weihnachts-Impressionen der vergangenen Wochen wieder.

Fröhliche Festtage und alles Schöne und Gute für Sie in 2016!

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Prof. Mie Miki | Professorin für Akkordeon und Prorektorin für Künstlerische Exzellenz

_Silvester- und Neujahrsbräuche in Japan

Um das Neue Jahr gut zu begrüßen, ist in Japan zum Jahresende großer Hausputz angesagt. Da werden alle Möbel verrückt, die Tatami-Böden rausgenommen und ausgeklopft, manchmal sogar die Vorhänge erneuert. Der Familienvater leitet diese Aktion an, und alle machen mit. Einen ganzen Tag dauert so ein Hausputz, manchmal länger, damit an Silvester dann alles wunderbar sauber und frisch ist.

Anschließend wird das Essen für die ersten Tage des Neuen Jahres vorbereitet: OSECHI nennen wir es. Man könnte es mit Tapas vergleichen. Die Hausfrau soll zum Jahresbeginn keine Arbeit in der Küche haben. Alles wird darum vorgekocht, gebacken, hergerichtet und in kleine und große quadratische Lackschälchen abgefüllt. Die lassen sich so schön übereinander stapeln. Es gibt sehr viele verschiedene OSECHIS, die nach alten Familienrezepten zubereitet werden. Jedes Gericht hat eine bestimmte Bedeutung. Z.B.
„Gobo“: Marinierte Teile der Klettenwurzel-Pflanze, in Sesam gerollt, stehen für Stabilität und Gesundheit. Weil die Kletten-Pflanze lange Wurzeln hat, mit denen sie tief und stabil in der Erde verankert ist.
„Renkon“: In Essig eingelegte Scheiben der Lotusfrucht stehen für den Überblick im Leben. Weil die Lotusfrucht Löcher hat, die wie Fenster auf das Leben schauen.
„Kuromame“: Süß eingekochte, verschrumpelte schwarze Bohnen stehen für ein langes Leben. Weil der Mensch so alt werden soll, dass er viele Falten bekommt.

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Am Silvestertag selbst gibt es SOBA Nudeln (aus dem Mehl der Soba Pflanze), die sind sehr lang. Wir nennen diese Nudeln TOSHIKOSHI: TOSHI für das „Jahr“ und KOSHI für „rübergehen“. Die langen Nudeln stehen dafür, dass man besonders lange lebt.
Die Familie kommt an Silvester zusammen, und man hat eine sehr ruhige, entspannte Zeit miteinander. Vielleicht ist dies der stillste Zeitraum des ganzen Jahres. Feuerwerk gibt es überhaupt nicht, auch lautes Feiern ist tabu. Um 0.00 Uhr beginnen die Gongs/Glocken vom Tempel zu erklingen. Genau 108 Mal. Das nennen wir JOYA NO KANE. Im Tempel schlagen Männer mit großen Klöppeln auf den Gong, ganz langsam geht das, mit viel Nachhall. JOYA NO KANE dauert stundenlang, und man hört es sehr weit. In dieser klingenden Silvesternacht gehen viele Menschen zum Tempel und beten, aber die JOYA NO KANE ist auch für Nichtgläubige eine wichtige Zeremonie. Ab 2. Januar ist es üblich, dass der Chef seine MitarbeiterInnen zu sich nach Hause einlädt. Für diese und weitere BesucherInnen stehen in der ersten Woche des neuen Jahres die vielen OSECHIS bereit.

Prof. Miki lebt in Düsseldorf. Hier, fern der Heimat, kann man OSECHI auch fertig in einem der japanischen Geschäfte kaufen.

Aufgeschrieben von Maiken-I. Groß_ Pressesprecherin der Folkwang Universität der Künste

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Maha Taheri | Diplom Musikpädagogik | allgemeine Musikerziehung

_Das iranische Neujahrsfest

Bei uns im Iran gibt es kein Weihnachten oder Silvester, dafür haben wir das persische Neujahrsfest am 20. März, welches den Anfang des Frühlings markiert. Das Neujahrsfest zählt zu den ältesten Festen des iranischen Kulturkreises und wird seit mehr als 2.500 Jahren gefeiert. So auch auf den Balkaninseln, in der Schwarzmeerregion, im Kaukasus, in Zentralasien und im Nahen Osten. Im Iran begreifen wir dieses höchste weltliche Fest als Gleichnis von der Weltneuschöpfung und der Neugeburt des Menschen. Es dauert insgesamt 13 Tage und besteht aus vielen verschiedenen Feierlichkeiten und Vorbereitungen.

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Ein bis zwei Wochen vor Beginn der Festzeit legt man in jedem Hause eine Hand voll Linsen auf einen Teller, der mit Wasser gefüllt ist. Am 1. Tag des neuen Jahres wird aus diesen Linsen etwas gewachsen sein. Das Grün der Pflanzen symbolisiert für uns das Leben. Zudem kommen in jedem iranischen Haushalt sechs weitere Gegenstände, die, wie die Linsen, in der persischen Sprache mit S anfangen, auf den Esstisch. Äpfel beispielsweise werden als Symbol für Gesundheit serviert. Münzen stehen als Zeichen für Reichtum im neuen Jahr.

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Außerdem geht jede Familie, als Vorbereitung auf das Fest, gemeinsam einkaufen. Dabei wird für jeden neue Kleidung ausgesucht, und es werden große Mengen an Nüssen, Obst und anderen Leckereien besorgt. Auch das Haus einer jeden Familie wird bis in die kleinsten Ecken geputzt und für die vielen Gäste hergerichtet. Ähnlich wie die Deutschen zu Weihnachten Plätzchen backen, backen wir im Iran zur Neujahrszeit auch viele traditionelle Plätzchen und Gebäcke.

Am 1. Tag des neuen Jahres ist es bei uns Tradition, dass man die älteren Leute aus dem Familien- und Bekanntenkreis besucht. Von diesen bekommt man dann kleine Geschenke oder auch Geld. Generell findet in diesen 13 Tagen ein reges gegenseitiges Besuchen statt.

Am 13. Tag der Feierlichkeiten, also am 2. April, geht man mit Freunden und der Familie in die Natur und nimmt die Pflanze mit, die aus den Linsen gewachsen ist. Gemeinsam tanzt, isst und spielt man draußen, bis es dunkel wird. Am Ende des Tages legt man die Linsenpflanze in ein Gewässer oder vergräbt sie in der Erde und wünscht sich dabei etwas für das neue Jahr. Menschen, die sich wünschen, bald zu heiraten, nehmen zwei Gräser der Pflanze und knoten diese zusammen. Dies gilt bei uns als Symbol für eine baldige Hochzeit.

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Das Neujahrsfest heißt auf Persisch „Nouruz“, und es beruht auf der Geschichte des Onkel Nouruz, der den Frühling mit sich brachte und die „Oma Kälte“ damit verabschiedete. Der Sinn dieser ganzen Festtage besteht darin, sich im neuen Jahr „neu“ zu begegnen, sich zu vertragen und alte Streitigkeiten untereinander beizulegen. Es ist also ein Neubeginn in vielerlei Hinsicht.

Übrigens: Der Nouruz-Tag wurde von der UNESCO 2009 in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Außerdem wird das persische Neujahr seit 2010 von den vereinten Nationen als internationaler Nouruz-Tag (21. März) anerkannt.

Aufgeschrieben von Emily Dilewski _ Folkwang StudiScout FB3


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Filip Erakovic | Studierender Professional Performance – Master of Music Akkordeon

_Das orthodoxe Weihnachtsfest in Serbien

Während die meisten Christen Weihnachten am 24. und 25. Dezember feiern, begehen orthodoxe Christen in Serbien das Fest zu Christi Geburt am 6. und 7. Januar. Also genau dreizehn Tage später. Das liegt daran, dass die serbisch-orthodoxe Kirche am alten Julianischen Kalender festhält; die russisch-orthodoxe Kirche übrigens auch.

Bis zum 16. Jahrhundert richtete sich das gesamte christliche Leben an diesem auf Julius Cäsar zurückgehenden Kalender aus. Danach haben die meisten katholischen und evangelischen Kirchen umgestellt auf den neueren Gregorianischen Kalender, der 1582 von Papst Gregor XIII eingeführt wurde.

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Bei uns in Serbien ist daher der Heilige Abend am 6. Januar. Auf diesen Abend bereiten wir uns etwa vier Wochen mit einer Fastenzeit vor: Ab Ende November essen wir keine tierischen Produkte, Alkohol ist nur in der Messe erlaubt. In dieser Zeit soll man sich beruhigen, im Gebet sammeln und keine bösen Gedanken haben. Der strengste Tag der Fastenzeit ist dann der Heilige Abend. Der Familienvater geht früh morgens in den Wald und holt große Eichenzweige, genannt BADNJAK, die vor der Haustür aufgestellt werden. Die Eiche gilt bei uns als ein heiliger Baum. Unter den Zweigen verstreuen wir Stroh, in dem die Kinder nach kleinen Überraschungen (z. B. Bonbons) suchen dürfen. Später am Abend wird der BADNJAK in den Wohnraum geholt und dort in einer Feuerstelle angezündet. Man geht erst schlafen, wenn die Glut erloschen ist.

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Am 7. Januar feiern wir zuhause Weihnachten mit vielen leckeren Gerichten, die die Hausfrau zubereitet. Unter anderem gibt es ein Brot, in das eine Silbermünze eingebacken ist. Wer die Münze in seinem Stück findet, hat Glück im kommenden Jahr. Der Weihnachtsfeiertag ist ein Tag für die Familie. Traditionell kommt dann ein Kind aus dem Familienumfeld zu Besuch; es symbolisiert den Engel und bekommt ein kleines Geschenk überreicht. Und dann essen wir zusammen: Gebratenes, Gebackenes, alles, was man sich nur wünschen kann. Am zweiten und dritten Weihnachtstag ist es üblich in der orthodoxen Tradition, dass sich Nachbarn und Freunde gegenseitig besuchen.

Filip Erakovic lebt zusammen mit seiner Frau Teodora, Folkwang Alumna (Violine), und seiner anderthalbjährigen Tochter in Essen. Das Weihnachtsfest 2015 plant er, auch fern der Heimat, nach alter serbischer Tradition.

Aufgeschrieben von Maiken-I. Groß _ Pressesprecherin der Folkwang Universität der Künste


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Sebastian Gisi | Physical Theatre Student

_Internationale Vorweihnachten meiner Kindheit

Der Vorteil einer schweizerischen Mutter und eines niederländischen Vaters ist, dass man alle Weihnachtstraditionen des jeweiligen Landes erleben kann.

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Der Morgen des 5. Dezembers begann bei uns immer mit dem Blick unter das Kopfkissen. Hier hatte uns Sinterklaas höchstpersönlich die Initialen unseres Namens aus leckerer belgischer Schokolade hinterlassen. Einen Tag später zum Nikolaustag gab es dann die schweizerische Tradition: Meine Mutter buk immer einen riesigen Grätimann, das ist glaube ich hier der Stutenkerl. Dann haben wir den ganzen Tag in der Küche zusammengesessen, den Grätimann verspeist und literweise Kakao getrunken.

Die abenteuerlichste Geschichte der Vorweihnachtszeit war aber die alljährliche Fahrt in den Schwarzwald am ersten Adventswochenende, um den besten Weihnachtsbaum zu fällen. In meiner Erinnerung lagen jedes Jahr Unmengen von Schnee, durch die selbst mit dem großen Auto meines Vaters kein Durchkommen war. Einen schönen Tannenbaum haben wir trotzdem immer gefunden.

Aufgeschrieben von Lea Bartel _ Freiwilliges Soziales Jahr Kultur, Dezernat 3_Kommunikation & Medien

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Dr. Maria Winkler | stellvertr. Leitung Folkwang Bibliothek

_Der Christkindlmarkt in Wien

Wenn die Adventzeit beginnt, denke ich sofort an den Christkindlmarkt auf dem Rathausplatz in Wien. Als erstes steigt einem eine ganz typische Mischung verschiedener Gerüche in die Nase: Vanille, Zucker, Mandeln. Und gleich habe ich den Geschmack von „Krachmandeln“ im Mund. Von süß zu deftig geht es auf dem Weihnachtsmarkt in nur zwei Standln. „Langos“, ein ungarischer Teigfladen, bringt den Geruch von Knoblauch und heißem Fett mit sich. Und gerade dieser Gegensatz macht den Besuch auf dem Markt in Wien für mich aus.

Während dieser Zeit sieht der gesamte Park rund um den Rathausplatz immer besonders herzig aus – die Bäume sind weihnachtlich und romantisch geschmückt; es gibt z. B. einen Herzerl-Baum. Und genau diese Kombination aus Gerüchen, der gemütlich-feierlichen Stimmung und einer kleinen Portion Kitsch lassen in mir das Gefühl aufkommen: ich bin daheim.

Die Rezepte zu den erwähnten Schmankerln finden Sie hier:

(Download als pdf-Datei)

Aufgeschrieben von Lea Bartel _ Freiwilliges Soziales Jahr Kultur, Dezernat 3_Kommunikation & Medien

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Emile Cantor | Professor für Viola an Folkwang und Prodekan Fachbereich 1 Musik

_Weihnachtsbräuche und Gerichte quer durch Europa

Die Erinnerungen an Weihnachten sind für mich eigentlich alle verbunden mit Erinnerungen an verschiedene Gerichte und das gemeinsame Essen am Heiligen Abend oder auch in der Vorweihnachtszeit. In den Niederlanden bin ich groß geworden, meine Mutter kommt aus Polen, mein Vater aus Tunis, verheiratet bin ich mit einer Dänin, und die Weihnachtsfeste meiner Kindheit fanden in Holland, Paris und London statt. Immer im Kreise der großen, weit verstreuten Familie.

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Sinterklaas in Holland
Neben dem guten holländischen Weihnachtsessen verbinde ich mit den Niederlanden vor allem „Sinterklaas“. Das ist vielleicht das wichtigste Fest für Kinder. Der heilige Nikolaus feiert seinen Geburtstag, nicht wie in Deutschland am 6. Dezember, sondern einen Tag früher, am 5. Dezember. Da sind alle außer Rand und Band; ein riesiges Volksfest mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken. Früher war das der eigentliche Tag der Bescherung; an Weihnachten wurde dann „nur noch“ der Baum aufgestellt und schön gegessen und getrunken. Heute gibt es Geschenke zu beiden Anlässen. Der heilige Sinterklaas kommt aus Spanien mit dem Schiff angereist und bringt den „Zwarte Piet“ mit. Eine als Mohr verkleidete Person, die ich ausschließlich erinnere als Weißen mit schwarz geschminktem Gesicht. Sicher fragt man sich, ob diese Tradition political correct ist, aber sie hat sich durchgesetzt. Der Zwarte Piet hatte bei uns immer einen riesigen Sack auf dem Rücken, in dem er auf seinem Rückweg nach Spanien alle unartigen Kinder mitnehmen würde – so wurde erzählt. In meiner Generation hatten wir aber keine Angst vor dem Zwarte Piet, und heute hat das auch niemand. Alle verkleiden sich als Sinterklaas oder Zwarte Piet und laufen so wochenlang auf den Straßen herum oder feiern in den Schulen und zuhause.

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Weihnachtsessen in Paris
Das waren die 1950er und 60er Jahre, die ich erinnere. Wir besuchten meine Großmutter, Tanten und Cousins. Es war sehr gemütlich, und Geschenke spielten für uns an Weihnachten einfach keine Rolle. Aber das Essen. Von allem wurde das Beste und Feinste serviert, Speisen, auf die man sonst das Jahr über verzichtete. Z. B „Foie-Gras“ (Entenleber) oder geräucherten Lachs – das war etwas Außergewöhnliches damals, Wildgerichte wie Rehrücken mit Steinpilzen… Und zum Nachtisch gab es „Bûche de Noël“, eine auch heute noch typisch französische Spezialität: Gerollter Genoise Teig (Biskuit) wird von außen so mit Schokoladencreme dekoriert, dass er aussieht, wie ein Baumstamm mit Rinde, Ästen und Vögeln sogar. Das haben wir geliebt.

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Christmas dinner in London
Als 6-Jähriger wurde ich von Familienmitgliedern am Londoner Flughafen abgeholt. Ich weiß noch genau, wie ich hinten in einem Morris Minor lag… Das weihnachtlich erleuchtete London flog an mir vorbei, und ich freute mich auf den Christmas Turkey. Ein riesiges Truthahn-Exemplar stand später auf der langen Tafel, von dem sich jeder ein Stück aussuchen durfte. Ehrlich gesagt kam mir der Turkey ein bisschen trocken vor, aber vielleicht war ich einfach anderes Essen gewöhnt… Richtig überzeugt hat mich der Christmas Cake, dieser herrliche Kuchen mit den trockenen Früchten darin, sehr wunderbar. Und in London gab es auch Geschenke: Am ersten Weihnachtstag, 25. Dezember, weckte mich mein Cousin ganz aufgeregt, und wir fanden für jeden von uns einen Strumpf am Kamin festgebunden, in dem kleine Überraschungen steckten.

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Weihnachten in Dänemark
Das Weihnachtsessen in Dänemark ist ganz anders, sehr formell, könnte man sagen. Hier kommt ausschließlich die engste Familie zusammen, und gekocht wird immer noch genau, wie vor hundert Jahren. Damals bestand die Bevölkerung zu 90Prozent aus körperlich hart arbeitenden Menschen; darum wurde Weihnachten fett, süß und mit viel Salz gekocht, damit alle zu Kräften kamen. Diese Tradition ist bis heute so geblieben. Immer gibt es Schweinerücken aus dem Ofen und Ente; beides mit knuspriger Haut, das ist eigentlich das Allerwichtigste. Dazu werden Kartoffeln gereicht - normal gekochte und dazu noch dunkle in Butter und Karamell gebratene Kartoffeln - und Rotkohl. So war das immer und so bleibt es, auch wenn das heutzutage aus ernährungstechnischen Gründen durchaus fragwürdig scheint. Wer keine Familie hat, ist in Dänemark an Weihnachten leider außen vor. Wir haben einen Baum im Wohnzimmer, singen sehr viele Lieder, und die Geschenke liegen am 25. Dezember morgens unter dem Baum.

Prof. Cantor feiert dieses Jahr Weihnachten in Barcelona. Da gibt es auch gutes Essen, wie er erzählt. Alles dreht sich um die „Turrón“, eine Süßigkeit, die zum großen Teil aus den im November frisch geernteten Mandeln hergestellt wird.

Aufgeschrieben von Maiken-I. Groß_ Pressesprecherin der Folkwang Universität der Künste

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Susanne Skipiol | Polen

Weihnachten in Polen ist mit schönen geselligen Traditionen verbunden. Für das Fest besorgen wir Oblaten, die mit weihnachtlichen Motiven verziert sind. An Heiligabend bekommen dann alle eine Oblate und gehen mit dieser zueinander, um sich jeweils persönliche Wünsche für das nächste Jahr auszusprechen. Die beglückwünschte Person bricht sich anschließend ein Stück der Oblate ab und isst diese. Dieses Ritual machen alle gegenseitig. Ob die Glückwünsche vor oder nach dem Abendessen ausgesprochen werden, ist unterschiedlich. Wir machen das immer nach dem Abendessen.
Das Abendessen ist bei uns übrigens die erste Mahlzeit des Tages, weil wir den Tag über fasten. Gegessen wird traditionell erst, wenn der erste Stern am Himmel steht. Dafür stehen dann aber auch 12 verschiedene Speisen – alle fleischlos – auf dem Tisch. Sie symbolisieren, dass es im folgenden Jahr immer genug zu essen gibt.

Susanne Skipiol | Geschäftsstelle des Rektorats

Prof. Rachel Robins | Großbritannien

Bei uns in Großbritannien bringt der Weihnachtsmann die Geschenke für die Kinder immer in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Weil er durch den Schornstein kommt, haben wir daher abends immer einen „mince pie“ und ein Glas Sherry vor den Kamin gestellt. Wie von Zauberhand waren dann morgens, wenn unsere Kinder wach geworden sind, nur noch die Krümmel vom Pie und ein leeres Glas übrig...
Leider sind unsere Kinder heute zu groß für diese Geschichte, aber die britische Weihnachtstradition wird von Familie zu Familie weitergegeben.

Prof. Rachel Robins | Gesang|Musiktheater | Oper, Operette, Oratorium
 

Paulo de Queiroz dos Santos | Brasilien

Weil Brasilien so groß ist, gibt es viele verschiedene Sitten und Bräuche. Da wo ich herkomme, ist Weihnachten auf jeden Fall bunt und fröhlich. Egal ob die Leute arm oder reich sind – es gibt immer richtig viel zu Essen und zu Trinken. Weihnachtsschmuck, elektrische Kerzen und Feuerwerk sind uns auch enorm wichtig. Leider ist es gerade in den Favelas dabei immer wieder zu schlimmen Unglücken gekommen. Mittlerweile ist das aber besser geworden.
Wenn ich an die Weihnachtszeit in Brasilien denke, denke ich auch immer an Musik! Wir singen, tanzen und musizieren unglaublich viel. Weihnachten ist bei uns nie leise! Wir spielen brasilianische Lieder, aber auch klassische Weihnachtslieder. Und die dann immer auf südamerikanischen Instrumenten. Das Bandoneon und die „Cavaquinho“, eine kleine Gitarre, kann man in der ganzen Adventszeit überall hören.

Paulo de Queiroz dos Santos | Physical Theatre Artist Diploma, 2. Fachsemester

Heidi Luosujärvi  | Finnland

Ich bin in Rovaniemi, Finnland, aufgewachsen; das ist der Ort, aus dem der Weihnachtsmann kommt. Sein Haus ist zehn Minuten von meinem Elternhaus entfernt.
Bei uns kommt der Weihnachtsmann am 24. Dezember. Er weiß immer ganz genau, welches Kind artig war oder auch nicht. Denn er hat Unterstützung durch kleine Wichtel in roten Hosen und Westen, die das ganze Jahr über beobachten, wie sich die Kinder betragen und dem Weihnachtsmann Bericht erstatten.
Früher haben wir den Tannenbaum immer erst am 24. direkt aus dem Wald geholt. Das stammt noch aus den Zeiten, wo die Menschen nicht so schnell zur nächsten Stadt gekommen sind.
Der Weihnachtstag beginnt für uns in jedem Fall mit einem Besuch in der Sauna. Danach ziehen wir uns alle schön an, essen gemeinsam und warten auf den Weihnachtsmann.

Heidi Luosujärvi | Instrumentalausbildung | Akkordeon
 

Danilo Valpassos Cardoso | Brasilien

Weihnachten findet bei uns in Brasilien immer am 24. und 25. Dezember statt. Dann ist die ganze Familie da, Freunde und Nachbarn kommen zu Besuch – das ist immer ein großes Fest. Mit jeder Menge Essen!
Unsere Tannenbäume sind „pinheiros“ – Pinienbäume. Wir schmücken den Baum nicht nur mit vielen Sternen und Kerzen, sondern - weil wir uns vorstellen, dass zu einem richtigen Weihnachtsbaum auch Schnee gehört - auch mit Wattebäuschen.

Danilo Valpassos Cardoso | Tanz B.A., 5. Fachsemester
 
 

Mercè Mayor | Spanien

In Spanien steht traditionell die Krippe im Vordergrund, nicht so sehr ein Tannenbaum. Das Aufbauen der Krippe wird in den Familien ähnlich festlich zelebriert, wie das Zeremoniell des Baumschmückens in Deutschland. Der Karton mit der Krippe wird vorsichtig ausgepackt, der Boden wird mit Moos, Sand und Sägespänen ausgelegt, der Stall mit Maria, Josef und der Krippe, Ochse und Esel – alles wird nach und nach aufgebaut. Wichtig ist, dass die Heiligen Drei Könige mit etwas Abstand von der Krippe aufgestellt werden. Sie rücken vom Heiligen Abend an jeden Tag ein Stück weiter zur Krippe heran, bis sie am 06. Januar wirklich angekommen sind.

Mercè Mayor | Institut für Lebenslanges Lernen

 
_3. Advent

Peter Alexander van Dijk | Südafrika

Mein Weihnachten in Südafrika ist eigentlich ziemlich europäisch, weil ich eine niederländische und eine schweizerische Großmutter habe. Der Schmuck an unserem Tannenbaum kommt auch immer noch aus den alten Kisten – das einzige was modern ist: Wir haben seit Jahren einen Tannenbaum aus Plastik. Das ist gut für die entspannte Atmosphäre an Weihnachten und hat natürlich für uns auf der südlichen Halbkugel ganz praktische Gründe: Während hier in Deutschland zu Weihnachten die Leute eher frieren, feiern wir die Heilige Nacht in kurzer Hose und am Grill. Die Weihnachtstage sind immer eine große Party mit der ganzen Familie und vielen Freunden, die alle Zeit haben, weil Sommerferien sind.

Peter Alexander van Dijk | Instrumentalausbildung M.A. Barockbratsche,
1. Fachsemester

 
_2. Advent

Prof. Michael Mills | New Mexico (USA)

Mit Weihnachten in New Mexiko verbinde ich immer die „Luminarias“. Das sind braune Papiertüten, in die wir etwas Sand füllen und eine Kerze hineinstellen.
Mit diesen Lichtertüten schmücken wir dann unsere Häuser, stellen sie auf die Dächer und in den Garten, platzieren sie auf Mauern und dem Gehweg. In den Tagen vor Weihnachten und am Heiligen Abend selbst leuchtet dann die ganze Umgebung in dem warmen Licht der Luminarias.

Prof. Michael Mills | Musical | Partienstudium

 
_1. Advent

Iris Pairet Garcia | Katalonien

Die Adventszeit schmeckt für mich nach „Panellets“. Die Panellets gibt es traditionell zum Kastanienfest, "la castanyada“, ein katalanisches Volksfest, das an Allerheiligen gefeiert wird. Da das Gebäck aber so köstlich ist, wird es auch in der ganzen Adventszeit gebacken. Zu den Zutaten gehören: Süßkartoffeln, gemahlene Mandeln, Zucker, Zitrone, Eier und jede Menge Pinienkerne.
Das Rezept zum Nachbacken können Sie gleich hier downloaden.

Iris Pairet Garcia | Dezernat 3: Kommunikation & Medien

Die nächsten Folkwang Weihnachtsgeschichten gibt es am kommenden Freitag, den 19. Dezember, hier zu lesen.

Die nächsten Folkwang Weihnachtsgeschichten gibt es am kommenden Freitag, den 12. Dezember, hier zu lesen.