Folkwang

Eröffnung der Drama Academy Ramallah

Erste Schauspielschule auf palästinensischem Gebiet nimmt heute den Lehrbetrieb auf

Essen/Berlin, 1. Okt. 2009 - In Ramallah wird heute die Drama Academy Ramallah eröffnet, die als erste Schauspielschule eine eigenständige akademische Theaterausbildung in den palästinensischen Gebieten ermöglicht. Insgesamt 13 Studierende, die sich unter 70 Bewerbern durchgesetzt haben, beginnen heute ihre Ausbildung – vier Frauen und neun Männer im Alter von 18 bis 26 Jahren. Realisiert wurde dieses internationale Aufbauprojekt im Rahmen der Initiative „Zukunft für Palästina“ durch die Zusammenarbeit des Auswärtigen Amtes, der Palästinensischen Autonomiebehörde, der Stiftung Mercator, des Al-Kasaba Theatre und der Folkwang Hochschule.

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In den Räumlichkeiten des Al-Kasaba Theatre ist die Schule bei einer künstlerisch profilierten Institution vor Ort untergebracht. Die Ausbildung ist auf drei Jahre angelegt und entspricht den Anforderungen eines Bachelor-Studiengangs, der international anerkannt ist. Die erste Aufnahmeprüfung fand Anfang September statt: Neben drei palästinensischen Lehrkräften waren von Seiten der Folkwang Hochschule Prof. Johannes Klaus (Praktische Theaterarbeit), Adewale Teodoros Adebisi (Darstellung) und Jana Niklaus (Stimmbildung) mit dabei.
Während die Folkwang Hochschule die künstlerisch-pädagogische Konzeption verantwortet und die strukturellen Abläufe betreut, stellt die Stiftung Mercator über den Zeitraum von drei Jahren (2009 bis 2012) 300.000 Euro zur Verfügung. Als Projektmanager wurde Dr. Volkmar Clauß, ehemaliger Theaterintendant und vertraut mit der Theaterszene der Region, verpflichtet.

Ziel der Initiative ist es, die Lebensbedingungen der Menschen in den Palästinensischen Gebieten unmittelbar zu verbessern und insbesondere jungen Menschen eine Perspektive zu geben. Innerhalb der kommenden drei Jahre sollen mit der Drama Academy Ramallah die Grundlagen für einen Ausbau zu einer Palästinensischen Hochschule der Darstellenden Künste
geschaffen werden – in dauerhafter Trägerschaft unter Beteiligung der zukünftig existierenden Verwaltungsstruktur in den Palästinensischen Gebieten.

Die Drama Academy steht unter der Schirmherrschaft von Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier und dem palästinensischen Premierminister Dr. Salam Fayyad, der bei der heutigen Eröffnung anwesend sein wird. Ebenfalls bei der Eröffnung vor Ort sind Klaus Burkhardt, Leiter des Vertretungsbüros der Bundesrepublik Deutschland in Ramallah, Oliver Haack, Projektmanager für Internationale Verständigung der Stiftung Mercator, George Ibrahim, Leiter der Drama Academy Ramallah und des Al-Kasaba Theatre, Folkwang Rektor Prof. Kurt Mehnert und Folkwang Professor Johannes Klaus sowie die Studierenden der Drama Academy, die palästinensischen und einige deutsche Lehrkräfte. Neben den Reden der politischen Vertreter und Projektpartner wird es ein schauspielerisch-musikalische Rahmenprogramm geben, das ergänzt wird durch eine Film-Dokumentation über das künstlerische Auswahlverfahren.

Zitate

„Dieses internationale Kooperationsprojekt zwischen der Folkwang Hochschule, dem Al-Kasaba Theatre in Ramallah und der Stiftung Mercator hat Vorbildfunktion und legt den Grundstein für eine bisher nicht vorhandene Ausbildungsstätte für Theaterkünste. Mit dem Aufbau der
Schauspielschule in Ramallah wollen wir diesen Kulturzweig stärken und junge Menschen dazu motivieren, ihre Zukunft verantwortungsvoll mitzugestalten.“
Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundesaußenminister

„Lange schon träume ich davon, ein Institut oder eine Akademie für Darstellende Künste zu errichten (…). Ohne große Umstände begannen wir eine produktive und enge Zusammenarbeit, während der wir voller Eifer und Hingabe auf die Realisierung dieses Traums hinarbeiteten (…).
Wird es uns gelingen, die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kinder zu erfüllen? Das ist noch die Frage.“
George Ibrahim, Leiter des Al-Kasaba Theatre und der Drama Academy Ramallah

„Mit dem Aufbau der Academy soll die Entwicklung junger TheaterkünstlerInnen durch eine fachgerechte Ausbildung gefördert werden, ihre beruflichen Aussichten sowohl in Palästina als auch in den benachbarten arabischen Ländern verbessert werden und ihrer derzeitigen Isolierung von der internationalen Kulturszene entgegenarbeitet werden.”
Dr. Volkmar Clauß, Projektmanager der Drama Academy Ramallah

„Um das Verständnis der Studierenden für andere Kulturtraditionen zu erweitern und zur Förderung internationaler Kontakte ist uns neben einer fundierten Schauspielausbildung auch der Kontakt zu anderen Kunstformen wie Film, Bildende Kunst, Literatur und Musik wichtig.
Auch den Austausch von Theaterproduktionen der Kooperationspartner wollen wir fördern. Für 2010 ist beabsichtigt, Antigone von Sophokles in beiden Ländern gleichzeitig zu produzieren und mit dieser Aufführung im jeweiligen Partnerland zu gastieren.“
Prof. Johannes Klaus, Folkwang Hochschule

„Mit dem Aufbau einer Schauspielschule in Ramallah möchte die Stiftung Mercator ganz im Sinne einer „soft power“ einer Nation die auswärtige Kulturpolitik unterstützen und konkret in die Organisationsentwicklung und damit nachhaltige Strukturen vor Ort investieren.“
Dr. Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator

Über die Initiative „Zukunft für Palästina“
Die Förderung der kulturellen Zusammenarbeit zählt zu den Prioritäten der Initiative „Zukunft für Palästina“, die Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier und der palästinensische Premierminister Salam Fayyad im Januar 2008 gemeinsam ins Leben gerufen haben. Die Drama Academy Ramallah ist eins von 30 Projekten dieser Initiative.

 

Groß / 01. Oktober 2009