Ausstellung über Folkwang Alumnus Tõnis Käo

Vom 22. Januar bis zum 03. April im Red Dot Design Museum Essen

DesignerInnen prägen mit ihrer Arbeit unseren Alltag wie kaum eine andere Berufsgruppe. Einer von ihnen ist Folkwang Alumnus Tõnis Käo, dessen Leistungen das Red Dot Design Museum und die Folkwang Universität der Künste nun in ihrem ersten gemeinsamen Projekt würdigen: in der Sonderausstellung „Tõnis Käo: ‚Design als Experiment‘, Retrospektive“. Die 2014 vom Estnischen Designmuseum (Estonian Museum of Applied Art and Design) in Tallinn kuratierte Ausstellung zeigt ab dem 22. Januar 2016 einen Überblick über das Lebenswerk des Systemdesign-Pioniers. Bis zum 3. April ist die Sonderausstellung über Tõnis Käo im Red Dot Design Museum auf dem Welterbe Zollverein zu sehen.

Tõnis Käo | Foto: The Estonian Museum of Applied Art and Design
Tastentelefon Deutsche Bundespost Käo Krämer  | Foto: Red Dot Design Musuem
Idee für das Modell eines Haartrockners 1976 | Foto: The Estonian Museum of Applied Art and Design

 

BesucherInnen erhalten einen Einblick in das Schaffen von Tõnis Käo. Mit seiner Arbeit feierte der Industriedesigner große Erfolge und trug zum internationalen zeitgenössischen Design und seiner Vermittlung bei. Er zählt zu einer Generation von DesignerInnen mit Allround-Fähigkeiten. Dabei liegen seine Stärken vor allem in der interdisziplinären Arbeit und seinem Ansatz, Design als Experiment zu verstehen. Davon zeugen seine Entwürfe von Haushaltsprodukten und elektronischen Geräten ebenso wie seine Ausstellungsdesigns und grafischen Arbeiten.

Den langfristigen Erfolg seiner Arbeiten erklärt Prof. Anke Bernotat, die bei Tõnis Käo studierte, heute selbst Industrial Design an der Folkwang Universität der Künste lehrt und das Ausstellungsprojekt leitet: „Prägend sind Käos analytisches Denken kombiniert mit seiner systematischen Vorgehensweise und deutlich künstlerischen Haltung. In seinem Wirken – sei es im Bereich der Produktgestaltung, im Kommunikations- oder Ausstellungsdesign – wird deutlich, dass er Gesamtverantwortung übernimmt.“ Tõnis Käo hat mit seinem vielfach experimentellen und vorausblickenden Schaffen zur Entwicklung unserer Industriekultur beigetragen – und das auf globaler Ebene.

Seine Tätigkeit konzentrierte sich stets auf die Gestaltung der Zukunft.
„Mit seinen zahlreichen innovativen Entwürfen, die Designgeschichte geschrieben haben, hat Tõnis Käo gezeigt, dass es letztlich doch so etwas wie die Avantgarde im Industriedesign gibt.“, erklärt Prof. Dr. Peter Zec, Initiator und CEO von Red Dot. Daher zählt zu den Arbeiten, die in der Ausstellung zu sehen sind, auch das erste Tastentelefon, das Tõnis Käo1970 gemeinsam mit Herbert Krämer für die Deutsche Bundespost entwarf. Der Meilenstein des Industriedesigns wurde 1975 als Schreibtischtelefon eingeführt und löste die bis dahin etablierte Wählscheibe ab. Die Tastatur wurde zum neuen Standard, der noch heute unsere Objektbeziehung zu Telefonen prägt.

Ebenso smart und wegweisend erwies sich seine Lösung für die Gestaltung eines Haartrockners. Das bis dahin röhrenförmig und linear gestaltete Gerät erhielt eine neue Form: Indem Tõnis Käo es auf die grundlegendsten geometrischen Formen reduzierte und den Griff diagonal ansetzte, machte er den Haartrockner für seine Nutzer wesentlich leichter in der Handhabung. Sein Gestaltungsansatz hat bis heute Bestand.

Das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen, das estnische Kulturministerium sowie Cultural Endowment of Estonia unterstützen die Ausstellung. Zu dieser ist ein begleitender Katalog in estnischer und englischer Sprache erschienen.

Über Tõnis Käo:
Tõnis Käo, geboren 1940 in Saaremaa (Estland), studierte von 1962 bis 1967 an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen. Nur zwei Jahre nach seinem Abschluss wurde er 1969 als Industriedesigner für Siemens in München tätig, ab 1983 leitete Tõnis Käo das Designstudio der Siemens AG. Von 1992 bis 2005 lehrte Tõnis Käo als Professor für Industrial Design an der Bergischen Universität Wuppertal. Von 2004 bis 2007 war er wissenschaftlicher Direktor des Bergischen Institutes für Produktentwicklung und Innovationsmanage-ment, von 2005 bis 2007 zudem Direktor des Alu-Scout Innovation Awards. Mit seiner Expertise hat er in den 1990er Jahren mehrfach als Jurymitglied zum Red Dot Design Award beigetragen. Tõnis Käo lebt in München.

Tõnis Käo: „Design als Experiment“, Retrospektive

22. Januar 2016 – 3. April 2016
Ein gemeinsames Projekt von Red Dot Design Museum Essen und Folkwang Universität der Künste

Red Dot Design Museum Essen
Welterbe Zollverein
Areal A [Schacht XII], Kesselhaus [A7]
Gelsenkirchener Straße 181
45309 Essen
Weitere Informationen: www.red-dot-design-museum.de

 

Bömke-Ziganki / 19. Januar 2016