Physical Theatre Performance goes Maschinenhaus Essen

„Wärest du daheim geblieben“ 26.11. um 19.30 h – Eintritt frei!

Alejandra Jenni Palma und Constantin Hochkeppel sind Physical Theatre Studierende im vierten Semester und proben seit fünf Wochen an ihrer „Performance in 3 Akten“. Und das nicht ganz ohne Probleme. Was da alles schief laufen kann, was da alles aber auch richtig laufen kann, beschreibt Constantin begleitend bis zur Aufführung.

Arbeit in der Sonne
Veranstaltungsort Maschinenhaus
Requisiten
Plakat

 

Wärest du lieber mal daheim geblieben...

oder
Verstehen ist Liebe

  • auf der Suche nach dem perfekten Titel
  • eine Probendokumentation
  • skizziert

Nun liege ich seit einer Woche flach, dabei hätten wir so viel machen müssen. Dabei hätte doch schon die ganze Performance stehen können. Dabei hätten wir am vergangenen Samstag unser work-in-progress-Showing gehabt. Aber nein, die Krankheit machte uns einen Strich durch die Rechnung.

Short Facts:
UNS = Alejandra (Physical Theatre Studentin, 4. Semester), Constantin (ebenfalls), Anne Krönker (Freie Kunst Studentin an der KA Münster, Meisterjahr)

KRANKHEIT = Constantin hatte die Grippe

PERFORMANCE = die drei arbeiten an einer Performance zum Thema

Okay, an der Frage kommt man wohl nicht vorbei. Worum geht es hier? Was für eine Performance? Was für ein Themä Wer sind die drei? Und warum in Gottes Namen hat dieser Artikel so viele Überschriften?

Deeper Facts – von vorne das Ganze:
Ich, Constantin, studiere Physical Theatre und befinde mich im Vierten Semester. Das vierte Semester ist das Vordiploms-Semester (nach Bologna auch Zwischenprüfung o.ä. genannt). Ein Teil des Vordiploms ist es, ein Duo zu erarbeiten. Alejandra, in meinem Jahrgang, und ich haben uns gefunden und stürzten uns voller Tatendrang in die Arbeit. Themenfindung, Konzeption, Entwicklung, Probe, Aufführung. Das ist der Ablauf, der uns bevorstand und zum Teil, 5 Wochen nach Beginn, immer noch bevorsteht.

Zuallererst ging es um das Thema. Was wollen wir behandeln? Wieso wollen wir das behandeln? Was wollen wir aussagen?
Ausgehend von Bonnie und Clyde sind wir relativ schnell bei Systemen und dem Menschen im System gelandet. Und da sich unser Mensch, der Moderne, der Westliche, der Konsumierende im kapitalistischen Marktwirtschaftssystem befindet, haben wir uns entschlossen: Unser Thema soll der Kapitalismus sein. Vielleicht eine Kritik. Vielleicht aber auch eine Kritik an der Kritik, denn „Kapitalismus ist scheiße!“ kann ja jeder schreien, aber eine Alternative kann keiner so recht vorzeigen. Vielleicht aber auch zuerst einmal der Schritt des Verstehens des Kapitalismus.

Nun... Ob so oder so: dafür mussten wir recherchieren. Viel recherchieren, denn eine wirkliche Ahnung hatte keiner von uns beiden. Weder von dem Thema, noch von der Kritik, noch von Alternativen. Doch wo anfangen? In dem Gewirr an Begriffen, die alle irgendwie miteinander zusammenhängen und jeder für sich allein stehend nicht so wirklich Sinn ergeben, mussten wir uns erst einmal zurecht finden.

Wir fanden dann doch ein kleines Stückchen, wo wir anfangen konnten und bekamen relativ schnell eine Idee zur Umsetzung: Eine Performance soll es sein. Kein Theaterstück, kein Tanzstück. Eine Performance. Und am liebsten eine Mehrstündige. Inspiriert waren wir von La Ribots 6-stündiger Performance „Laughing Hole“, die wir im Rahmen der Ruhrtriennale gesehen haben. Ihr wollten wir es gleich tun. Oder zumindest ähnlich. Wir einigten uns vorerst auf eine 3 Stunden dauernde Performance. Und was wollten wir während dieser 3 Stunden tun?

Wir könnten Geld ausgeben. Wir könnten Aktien kaufen. Wir könnten aussteigen und als Recherche einen Monat als Selbstversorger leben, um dann davon zu erzählen. Wir könnten in die linke Szene gehen und uns von den Kapitalismusgegnern ohne Alternative indoktrinieren lassen. Wir könnten. Wir könnten. Wir könnten.

Wir könnten aber auch einfach spielen.
Jenga könnten wir spielen. Jenga... In überdimensionierter Größe. 2 m x 2 m x 7 m ! Jawoll! Und wenn das Jenga umfällt, dann bauen wir es noch mal auf und von irgendwoher kommen neue Steine und in den Steinen ist auch was drin und dazu gibt es Sound von überall her und Licht und Feuer und... Unsere Ideen sprudelten. Nur: wie nennen wir unsere Performance? Die Frage haben wir erst einmal aufgeschoben.

Wir wollten allerdings nicht in den kleinen Studios der Meierei spielen, sondern in die große Welt hinausgehen. Uns kam das Maschinenhaus Essen in den Sinn. Kontakte dorthin, unter anderem durch die letzten beiden Folkwang Physical Theatre Festivals, die dort stattfanden entstanden, ermöglichten es uns, dort einen freien Slot zu bekommen.

Eine weitere Idee kam uns: Gerade aus Montepulciano heimgekehrt haben, wo wir viele Künstler verschiedener Sparten kennen gelernt haben, lebte in uns der neu erweckte Geist nach Interdisziplinarität weiter. Wir wollten mit einer Freien Künstlerin aus Münster zusammen arbeiten – Anne Krönker. Sie befindet sich im Meisterjahr an der Kunstakademie und hat mit uns in der Toskana schon einige Projekte realisiert. Wir wussten also, dass wir mit ihr sehr gut arbeiten können. Wie gut, dass sie genauso begeistert von der Idee war, mit uns an diesem Hammerthema zu arbeiten. Sie also eingeladen. Ihr also unsere Idee vorgestellt. Sie also gesagt dass das so nicht geht, wegen Statik und so. Wir also... Och nee...

Vielleicht doch lieber viele viele kleine Jengas? Die auf Sockeln stehen. Angesprüht. Im Look des Kapitalismus. Das hat sich nach einem vernünftigen Plan angehört.
Aber ein Titel ward immer noch nicht gefunden. Aber diese Frage haben wir nach hinten geschoben...

Nach dem ersten Konzeptionsgespräch mit Anne musste es weitergehen mit der Entwicklung, aber irgendwie liefen wir gegen Wände. Die Recherche ergab nichts weiter außer neuer unbekannter Begriffe und Zusammenhänge, die Welt des Kapitalismus wurde immer verworrener, unsere Gehirne arbeiteten ob der Überfülle an Informationen immer langsamer. Unsere Arbeit stagnierte.

Was wir hatten waren das Bühnenbild, der Aufführungsort, die Grundidee, Anne und die Deadline: der 26. November 2013.  Unsere Premiere.

An diesem Punkt sind wir, 5 Wochen nach Beginn der Probenphase, mehr oder weniger immer noch. Natürlich sind uns Ideen gekommen. Mittlerweile haben wir auch die Jengaspiele auf den Sockeln. Die Performance ist gegliedert und ausgebaut. Was jetzt noch fehlt ist das work-in-progress-Showing vor Dozenten und unserem Studiengang, was letzten Samstag wegen meiner Krankheit nicht hat stattfinden können. Ein neuer Termin steht allerdings schon fest. Ende der kommenden Woche.

Wir erwarten harte Kritik. Harte Kritik, die uns hoffentlich weiterbringen wird. Auf unserem Weg der Performance-Entwicklung. Auf unserem Weg der Probenarbeit. Auf unserem Weg ins Maschinenhaus am 26. November 2013 um 19 Uhr.
Auf unserem Weg, den Kapitalismus zu verstehen, ihn zu hinterfragen, ihn zu demontieren oder auch nicht.
Ein schwieriger Weg, wie Alejandra, Anne und ich herausgefunden haben. Aber ein Machbarer. Nur der Titel... der Titel, der Titel, der Titel.... der fehlt noch!

Ein Beitrag im Rahmen des Projekts "Folkwang StudiScouts".

 

Constantin Hochkeppel / 15. November 2013