Zwischen Houellebecq und Fassbinder: Folkwang Regie-Studierende präsentieren ihre Abschlussarbeiten

Artist Diploma Regie 2016 von Daniel Kunze und Anne-Kathrine Münnich

Ende Oktober wird die Black Box des Folkwang Theaterzentrum am Campus Bochum zur Premierenbühne für zwei Abschlussinszenierungen von Folkwang Regie-Studierenden.

Szene aus Preparadise Sorry Now - Foto: Mirjam Pajakowski
Szene aus Die Möglichkeit einer Insel - Foto: Svenja Jöres

 

Anne-Kathrine Münnich zeigt dort am 27. Oktober 2016 ihre Inszenierung von „Preparadise Sorry Now“ nach Rainer Werner Fassbinder. Am 28. Oktober 2016 ist erstmals die Abschlussarbeit von Daniel Kunze zu sehen: Er präsentiert „Die Möglichkeit einer Insel“ von Michel Houllebecq. Beide Stücke beginnen jeweils um 19.30 Uhr.

Neben weiteren Terminen in Bochum bringen die Studierenden die Stücke auch in Essen auf die Bühne. Jeweils um 19.30 Uhr sind am 3. November 2016 „Preparadise Sorry Now“ und am 4. November 2016 „Die Möglichkeit einer Insel“ im Pina Bausch Theater am Campus Essen-Werden zu sehen. Es spielen Studierende aus den Studiengängen Schauspiel und Physical Theatre.

Houllebecqs „Die Möglichkeit einer Insel“ thematisiert auf verschiedenen Erzählebenen die Jahrtausendwende und setzt sich mit den Sehnsüchten der Menschen in der Gegenwart und Zukunft auseinander. „Mich hat die Kühnheit interessiert, mit der Houellebecq sich des Science-Fiction-Themas bedient, um von vermeintlich banalen und sehr menschlichen Dingen zu erzählen. Das setzt uns unweigerlich die Brille eines Außenbeobachters auf“, kommentiert Daniel Kunze die Wahl seines Stoffes. „Preparadise Sorry Now“ ist Fassbinders Antwort auf „Paradise Now“, eine der bekanntesten Inszenierungen des Living Theater. Er stellt darin die These, der Mensch könne durch die Kraft seines Bewusstseins die Gesellschaft verändern, auf den Kopf und verbindet die Geschichte eines Serienmörderpaares mit Szenen von alltäglichem Faschismus. So stellt sich dem Zuschauer die Frage, ob Utopien im Hier und Jetzt tatsächlich realisiert werden können.

Daniel Kunze wurde 1988 im österreichischen Linz geboren. Er begann zunächst eine Schauspielausbildung bei Heribert Sasse, ehe er 2013 mit dem Studium an der Folkwang Universität der Künste ins Regiefach wechselte. Daniel Kunze hospitierte unter anderem bei Luk Perceval am Thalia Theater und Antu Romero Nunes am Burgtheater. Während seines Regiestudiums erarbeitete er neben eigenen Stückentwicklungen und Texten von Tschechow, Horváth oder Schwab auch Inszenierungen an verschiedenen Theatern in Bochum, wie etwa Homers „Odyssee“ am Rottstraße 5-Theater.

Anne-Kathrine Münnich wurde 1984 in Ulm geboren und ist in der Nähe von Regensburg aufgewachsen. Sie studierte zunächst Philosophie und Theaterwissenschaft in Leipzig und Wien, später Kulturwissenschaften in Berlin. Dort entstand ihre erste eigene Regiearbeit „25 Sandsäcke und ein Haufen Depression“. Während des anschließenden Regiestudiums an der Folkwang Universität der Künste hat Anne-Kathrine Münnich sowohl eigene Stücke realisiert, als auch Klassiker inszeniert. Hospitiert hat sie unter anderem für Schorsch Kamerun bei den Wiener Festwochen und für Johan Simons bei der Ruhrtriennale.

Karten gibt es zum Preis von 5 Euro (ermäßigt 3 Euro) über die Folkwang Kartenhotline 0201_4903231, per E-Mail an karten(at)folkwang-uni.de oder an der Abendkasse.

Informationen zum Studiengang Regie finden Sie online unter: www.folkwang-uni.de/regie.

„Die Möglichkeit einer Insel“ von Michel Houellebecq:

Daniel25, Neomensch späterer Klongeneration, blickt durch den Lebensbericht seines Originals auf dessen Leben und damit auf unsere Zeit. Es ist eine Gesellschaft, die durch Jugendkult und Konservierungswahn den Tod weitestgehend aus ihrer Mitte verbannt hat. Der Wettbewerb auf jeder nur möglichen Ebene, der diese Lücke schließen soll, führt zur Individuation, in der Geld und Sex die Parameter für persönliches Glück werden. So macht er sich nach der Lektüre seines Vorfahren auf, um dem Zyklus von Tod und Wiederherstellung zu entkommen und draußen, in der zerstörten Welt, nach der Möglichkeit einer Insel zu suchen.

REGIE
Daniel Kunze

BÜHNE
Dorothea Lüttke Wöstmann

KOSTÜM
Leonie Corde

SPIEL
Paulina Alpen, Anja Kunzmann, Thomas Kaschel, Nils Kretschmer, Mats Süthoff

„Preparadise Sorry Now“ von Rainer Werner Fassbinder:


In „Preparadise Sorry Now“ wird die Gesellschaft als ein Vorparadies gezeigt, das einer Hölle mit Diskriminierung, Demütigung und Unterdrückung gleicht. Im Zentrum des Stückes steht die authentische Geschichte der Serienkiller Myra Hindley und Ian Brady. Auf verschiedenen Erzählebenen, zu denen Prosatexte oder fiktive Gespräche des Mörderpaares gehören, thematisiert „Preparadise Sorry Now“ sich wiederholende Mechanismen von Gewalt und Opferbereitschaft, Macht und Abhängigkeit.

REGIE
Anne-Kathrine Münnich

BÜHNE
Mara Henni Klimek

KOSTÜM
Mirjam Pajakowski

CHORLEITUNG
Ropudani Simanjuntak

SPIEL
Amelie Barth, Michael Wischniowski, Lorenz Nolting, David Vormweg, Carl Bruchhäuser

ASSISTENZ
Jacqueline Rausch

 

Laura Collmann / 14. October 2016