Pola Jane O`Mara (& Fares Abo Saleh) - Folkwang Preisträgerin 2016

Sparte Darstellende Kunst (Schauspiel)

Am Sonntag, 26. Juni 2016, werden die diesjährigen Folkwang Preise verliehen. StudiScout Emily Dilewski hat sich mit Pola Jane O`Mara unterhalten, die mit dem Folkwang Preis in der Sparte Darstellende Kunst (Schauspiel) ausgezeichnet wird.

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Studienfach | Semester:

Schauspiel Absolventin 2016

Art des Abschlusses:

Artist Diploma

Name der ausgezeichneten Arbeit:

Shoeman Beings - ein deutsch-palästinensisches Stück/Video- und Live-Performance

Was inspiriert Dich?

„Menschen."

Wie bist Du mit den Momenten des Scheiterns im Studium umgegangen?

„Ich würde nicht von "Scheitern" sprechen, weil ich glaube, dass man im Schauspiel vor allem dann scheitern kann, wenn man etwas Neues ausprobiert und das ist ja gut. Wenn ich unzufrieden mit mir war, habe ich mir Feedback geholt und herauszufinden versucht, was ich wie lernen kann.
Öfter als "Momente des  Scheiterns" kann ich mich an Momente der Überforderung erinnern. Das Unterrichtspensum ist, vor allem in den ersten Jahren des Studiums, immens. Manchmal habe ich den Unterricht kurz verlassen, mich ausgeheult und dann weitergemacht. Ich glaube, dass Zielstrebigkeit wichtig ist, wenn man etwas erreichen will, aber genauso wichtig ist Gelassenheit.“

Was sind Deine zukünftigen Arbeitsziele?

„In einem Monat fange ich an, am Münchner Volkstheater zu arbeiten. Ich freue mich darauf, weiter zu lernen.“

Mit welchem Thema hast Du Dich bei der Deiner mit dem Folkwang Preis ausgezeichneten Arbeit auseinandergesetzt?

„Meine Schauspielklasse hatte das große Glück, 2014 nach Palästina reisen zu dürfen. Dort haben wir gespielt und die Studenten der "Drama Academy" in Ramallah kennengelernt. Ich glaube diese Reise hat uns alle nachhaltig geprägt und bereichert. Es sah dort nicht so aus, wie wir es, die das Land bisher nur aus den Medien kannten, erwartet hatten. Die Palästinenser leben schon so lange im besetzten Land. Fares, mit dem das Stück entstanden ist, ist dort aufgewachsen und hat sich an die Umstände gewöhnt- er hat keine Angst, wenn Bomben einschlagen. Auch der Beruf des Schauspielers steht unter völlig anderen Vorzeichen als hier. Ich hatte das Bedürfnis, diese Erfahrung künstlerisch zu verarbeiten. Was bedeutet es dort zu leben, dort Schauspieler zu sein und was bedeutet es hier? Der Konflikt im Nahen Osten ist so kompliziert und unübersichtlich, dass es schwer ist, ihn zu verstehen und objektiv zu bewerten, aber das war auch nicht unser Anspruch. Wir sind keine Wissenschaftler. Letztlich wollten wir nicht mit dem Kopf arbeiten, sondern mit unseren Körpern und Herzen. Und auf diese Weise vom Leben eines Menschen erzählen, der in dem lebt, was sich hinter dem Begriff "Nahost-Konflikt" versteckt. Genauso sollte auch meine Geschichte erzählt werden, die so anders ist als seine. In unseren Videogesprächen wird deutlich, dass Fares nicht etwa den ganzen Tag weint, weil er in Palästina lebt und ich nicht den ganzen Tag fröhlich durchs Paradies hüpfe. Unser Projekt bearbeitet Themen wie Krieg, Glauben, Medien und Völkerverständigung, aber nur durch unsere persönliche Geschichte. Und das ist, glaube ich, auch der Weg ein Publikum mit einem politischen Thema zu berühren: indem man eine persönliche Geschichte erzählt."

Wie bist Du an das Thema herangegangen?

„Fares und ich haben über Skype Ideen besprochen, dann im ersten 6-wöchigen Probenblock in Deutschland sehr viel ausprobiert. Die Sprache und der Mangel an gemeinsamem künstlerischen Erfahrungsschatz, auf den wir uns beziehen konnten, hat die Arbeit sehr erschwert. Beim Zwischenzeigen haben wir ein Maskenspiel und den Film "Revolution der Schuhe" vorgespielt und danach festgestellt, dass wir uns darin verstrickt hatten, erklären zu wollen, wer diese "Shoeman Beings" sind. Danach haben wir entschieden, intuitiver zu arbeiten und auch nicht alles erklären zu müssen. Wir hatten angefangen unsere Skype-Gespräche aufzunehmen, ursprünglich, um unsere Ideen zu speichern und später ein Making-Off-Video zu machen. Aber beim Sichten des Videomaterials ist mir aufgefallen, dass die Momente, in denen wir über unsere Leben sprechen, man etwas vom Alltag und von uns selbst mitbekommt, viel interessanter sind, als die Gespräche über das Projekt. So haben wir angefangen, Momente in unseren Gesprächen aufzunehmen, die wir spannend fanden. Später hatten wir ca. 200 Videos an Material, das wir über ein Jahr hinweg aufgenommen hatten und haben es zusammen geschnitten. Durch den Schnitt konnten wir im Nachhinein stark beeinflussen auf welche Themen wir den Fokus legen, in welche Reihenfolge wir Bilder setzten, damit der Zuschauer gewünschte Bezüge herstellt. Wir konnten entscheiden welche Momente wir mit dem Publikum teilen wollen und welche nicht. Die Choreographie, die auf der Bühne stattfand, ist aus Kontaktimprovisationen entstanden.“

Wie sieht die Umsetzung aus?

„Am Anfang des Stücks komme ich mit einem Koffer auf die Bühne, mache ihn auf und heraus kommt Fares. Wir setzten uns und sehen uns gemeinsam mit dem Publikum den Film an. Der Film besteht aus Ausschnitten aus Skypegesprächen, die über das Jahr hinweg entstanden sind und zwischengeschnittenen absurden Handyvideos, in denen wir uns als "Shoeman Beings", kafkaeske Wesen, die Schuhe an Händen und Füßen tragen, inszeniert haben. Der Film geht über in einen Kontakttanz auf der Bühne, an dessen Ende ich Fares wieder in den Koffer packe und aus dem Raum rolle.“

Was bedeutet der Folkwang Preis für Dich?

„Wir haben uns sehr über diesen Preis gefreut. Wenn man so viel in etwas hineinsteckt, ist es schön, wenn das am Ende auch gesehen wird.“

Vervollständige bitte diesen Satz: Folkwang ist für mich…

„...Gemeinschaft und Persönlichkeiten.“

 

Emily Dilewski / 17. June 2016