Music

Folkwang trauert um Professor Heinz Werner Höhnen

Die Tatsache, daß eine ständig größer werdende Hochschule zunehmend von funktionalen Gesetzmäßigkeiten bestimmt wird, verstellt vielleicht gelegentlich den Blick für etwas Wesentliches: Es sind die Menschen, die eine Institution wie unsere nachhaltig prägen. Eine solchermaßen prägende Persönlichkeit war Professor Heinz Werner Höhnen.

 

1929 in Alf/Mosel geboren, studierte er in Trossingen und Mainz Schulmusik. Musikwissenschaft, Pädagogik und Englisch und schlug nach seinem zweiten Staatsexamen 1954 die Laufbahn als Musiklehrer ein. Schnell wurde er Fachleiter für Musik und 1966 Studiendirektor am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier. Bereits in dieser Funktion interessierte ihn besonders die Weiterentwicklung des curricularen Musikunterrichts; ihn reizten Überlegungen zu neuen Formen der Studienprogramme.

Als zum Wintersemester 1970/71 an der damaligen Folkwang Musikhochschule der Studiengang „Schulmusik für Gymnasien und Realschulen“ neu eingerichtet wurde, suchte man eine erfahrene und zugleich dynamische künstlerisch wie pädagogisch ausgewiesene Persönlichkeit für die Leitung des neuen „Schulmusik-Instituts“. Man fand sie in Heinz Werner Höhnen, der ab dem 1.8. 1970 zu Folkwang „abgeordnet“ wurde und mit Beginn des Sommersemesters 1971 als Professor für Musikpädagogik/Musikdidaktik die Studiengänge „Lehramt für Musik an höheren Schulen und Realschulen“ aufbaute. Höhnen schuf in den Folgejahren ein einzigartiges Konstrukt – den sogenannten „Modellversuch“, durch den die beiden Unterrichtsfächer einer künftigen Lehrerin/eines künftigen Lehrers parallel studiert werden konnten. Zudem bedingte dieses Modell die Verankerung des erziehungswissenschaftlichen Studienanteils an Folkwang, was in der Einrichtung einer Professur für Erziehungswisse  nschaft seinen sichtbaren Ausdruck fand. Ab 1973  engagierte sich Höhnen zudem in der Hochschulpolitik: Er wurde stellvertretender Direktor und hatte dieses Amt bis zur Wahl eines Prorektors nach Inkrafttreten des Kunsthochschulgesetzes 1987 inne. Seinen besonderen fachlichen Interessen (z. B. an Leben und Werk von Alban Berg) ging er in einem Forschungsfreijahr 1989/90 nach, bevor er sich 1991 in den Ruhestand versetzen ließ.

Als ehemaliger Folkwangstudent habe ich Heinz Werner Höhnen in sehr lebendiger Erinnerung: von immensem Fleiß und beeindruckendem Engagement für „seine“ Schulmusikabteilung an „seiner“ Hochschule, immer auf dem Sprung – dabei stets offen für ein Gespräch und einen guten fachlichen Rat. Und manches Mal einige Minuten hinter der Zeit her (wie er selber einmal lächelnd bekannte, was dies ein Mitbringsel aus seiner Lehrerzeit), konnte man ihn mit offener Aktentasche zwischen seinem Büro in der Wesselswerth und dem Hauptgebäude hin- und hereilen sehen.

Am 29. November d. J. ist Heinz Werner Höhnen gestorben. Die Folkwang Universität der Künste, deren Studienbetrieb er in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat, verdankt ihm sehr viel.

Professor Dr. Stefan Klöckner / 24.12.2013

 

06. January 2014