Music

Erst am Schreibtisch, dann im Neuen Saal – Intonation der neuen Orgel

Zurzeit wird im Neuen Saal der Folkwang Universität der Künste die neue Orgel intoniert. Die Veränderung der Tonhöhen ist hier bei den etwa 2000 Pfeifen ein eher geringer Anteil der Arbeit.

 

Matthias Wirth, Orgelintonateur der Firma Rieger und studierter Kirchenmusiker, beschreibt die Intonation als eine Mixtur von Erfahrung und stilistischer Ausrichtung. Die erste Etappe finde immer am Schreibtisch statt, so Wirth. „Zunächst müssen die Pfeifen untereinander stimmen und klanglich zueinander passen. Bei der Vorintonierung stellt sich dann die Frage, wie es im Raum, in dem die Orgel stehen wird, klingen soll und könnte. Da gibt es natürlich jede Menge Unterschiede, auch alleine für einen Raum.“. Im Orgelsaal werde dann hauptsächlich an der Klangfarbe gearbeitet. Jede Pfeife werde auf die raumakustischen Gegebenheiten und entsprechend an die anderen Pfeifen angepasst, der Anteil der Tonhöhenänderung läge hier nur noch bei etwa 20 Prozent. „Für die Klangfarbengestaltung ist die eben erwähnte Erfahrung nötig. Erst einmal muss ich genau wissen welchen Klang ich erzielen möchte und vor allem, was ich wie ändern muss, um diesen zu erreichen. Das ist natürlich von Stilistik zu Stilistik unterschiedlich.“, so Wirth.

Die Orgel im Neuen Saal soll ja gerade möglichst viele Epochen und Stilistiken erfüllen können: Etwa 500 Jahre Orgelmusikgeschichte soll hier im Unterricht gespielt werden. Wirth beschreibt dies weiterhin als einen der schwierigeren Prozesse. „So etwas wie eine ahistorische Orgel gibt es nicht, allein durch unsere Klangvorstellung formen wir die Intonation. Trotzdem soll hier nahezu alles möglichst authentisch gespielt werden, Erinnerungsmotive, die an eine Epoche und Stilistik erinnern, sollen geliefert werden. Wichtig bei dieser Orgel ist, dass sie genau das tut was sie soll, und das ist möglichst alles.“
Das Besondere an dieser Orgel, so Wirth, sei weiterhin die klangliche Vielfalt, die Möglichkeit die eben erwähnten knapp 500 Jahre Orgelmusik wiederzugeben. Die Verschmelzungsfähigkeit sei der zweite Aspekt, der diese Orgel zu etwas Besonderem macht. Außerdem seien die Streicherfarben, also die Register, die Streichinstrumente darstellen, ein echter Trumpf.

Matthias Wirth studierte Kirchenmusik und lernte danach mit dem Ziel ‚Intonation‘ Orgelbau. Allerdings, so beschreibt er, gibt es nicht einen typischen Lebenslauf für Orgelintonateure: „Ich habe einen Kollegen, der Physik studiert hat und nun Orgelintonateur ist. Es gibt hierfür keinen festen Ausbildungsweg, da es ja eher eine Spezialisierung ist. Es ist ja so, dass zum Beispiel Streicher immer ihre eigenen Instrumente in der Hand haben, selber pflegen und zum Beispiel Saiten aufziehen. Ein Pianist oder Organist ist da eher hilfloser. Da ist der Beruf des Orgelintonateurs recht spannend.“

Im Januar wird die Orgel fertig intoniert sein. Ein spannender Prozess, der neben der erwähnten Erfahrung auch viel Zeit, insgesamt gute drei Monate, benötigt.

Ein Beitrag im Rahmen des Projekts "Folkwang StudiScouts".

 

Viktor Seedorf / 18. December 2013