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Heidi Bayer - Folkwang Preis 2018

Am Sonntag, dem 1. Juli 2018, werden wieder im Rahmen der Folkwang Preis Gala exzellenten Studierenden der Folkwang Universität der Künste Preise in verschiedenen Sparten verliehen. Die Folkwang StudiScouts haben sich mit einigen PreisträgerInnen über ihre Arbeiten unterhalten.
StudiScout Lisa Koenig hat sich mit der Preisträgerin in der Sparte Jazz, Heidi Bayer, unterhalten, die für ihr Duo-Projekt den Folkwang Preis erhalten hat.

Foto: Franka Hils

Foto: Franka Hils

 

Lisa: Heidi, du bist Folkwangpreisträgerin 2018! Wie fühlt sich das an?

 

Heidi: Das fühlt sich sehr gut an, besonders, weil ich gar nicht damit gerechnet hatte. Ich dachte einfach nicht, dass wir im Duo überhaupt eine Chance hätten. Vielleicht, weil ich annahm, dass eine Duo-Besetzung für den Wettbewerb doch etwas ungewöhnlich ist. Zudem spielen Sebastian und ich ja auch noch gar nicht so lange zusammen.


Lisa: Welche Bedeutung hat der Preis für dich?


Heidi: Es ist einfach ein tolles Gefühl und eine Ehre, den Preis erhalten zu haben. Und es motiviert uns natürlich sehr als Duo weiter zusammenzuarbeiten. Sicher hätten wir auch in dieser Besetzung weitergespielt, wenn wir nicht gewonnen hätten, aber so ein Preis ist eben doch noch einmal eine gute Bestätigung, dass unsere Arbeit es wert ist weitergeführt zu werden.


Lisa: Den Preis hast du für dein Duo-Projekt mit Sebastian Scobel bekommen. Wie gestaltet sich das Projekt?


Heidi: Sebastian und ich haben ja schon in verschiedenen Konstellationen miteinander gespielt und hatten Ende letzten Jahres unseren ersten Duo-Auftritt. Uns war direkt klar, dass wir unbedingt im Duo weiterarbeiten müssen, allerdings wussten wir damals noch nicht, in welche Richtung das gehen soll. Schließlich bekam ich die Anfrage für den Folkwang Preis in der Sparte Jazz und ich sagte sofort zu, zusammen mit Sebastian teilzunehmen. Allerdings mussten wir uns dann erst einmal Gedanken machen, wie wir unser Programm gestalten wollen.


Lisa: Wie hast du dich auf dein Auswahlspiel vorbereitet?


Heidi: In erster Linie nahmen wir beide unsere ganzen selbst komponierten Stücke, setzten uns eine Weile zusammen und probierten aus. Es funktioniert natürlich nicht alles für eine Duo-Besetzung. Letztendlich landeten wir bei Stücken, die uns beiden sehr gut liegen und eher in eine klassische lyrische Richtung gehen. Zudem haben wir dann noch Standards wie beispielsweise „Upper Manhattan Medical Group“ von Billy Strayhorn ins Programm aufgenommen, die wir auf unsere Art und Weise versucht haben zu interpretieren und die dieser lyrischen Schiene auch nicht allzu fremd waren.

Wir haben ganz bewusst Standards ausgesucht, die nicht so oft gespielt werden und damit versucht einen Kontrast zu unseren eigenen Stücken zu bilden. Unter anderem haben wir zum Beispiel auch die Taktart eines Stückes geändert oder das ursprüngliche Genre aufgebrochen. Dem eher lyrischen Stil sind wir aber stets treu geblieben, haben also nicht unerwartet unsere Richtung geändert und ein Stück als Bossa, Salsa oder ähnliches interpretiert. Unsere Strategie war also unseren eigenen Stücken ähnliche Stücke auszuwählen, diese aber so zu arrangieren, dass sie sich von unseren eigenen abhoben und das Programm am Ende nicht langweilig wurde.  


Lisa: Was inspiriert dich an der Musik, genauer am Jazz?


Heidi: Ich finde es toll, dass man sich ausdrücken kann, wie man möchte. Ich kann jede meiner Stimmungen vertonen - und zwar aus dem Moment heraus. Diese Möglichkeit zu haben, nicht etwas eins zu eins wiedergeben zu müssen, was schon tausendmal gesagt wurde, ist schön. Die Spannbreite, seine eigenen Emotionen zum Ausdruck zu bringen, ist dann viel größer und das macht es spannend und abwechslungsreich. Das fasziniert mich schon seit ich angefangen habe Jazz zu machen.


Lisa: Was sind deine zukünftigen Arbeitsziele?


Heidi: Was das Duo betrifft, möchten wir natürlich gerne eine erste Platte machen. Dafür haben wir auch schon verschiedene Ideen. Was am Ende aber tatsächlich dabei rauskommt, wird sich noch herausstellen. Zum einen kann man bei dieser Besetzung natürlich viel mit Gästen arbeiten, sich also Leute einladen, mit denen man Lust hat zu spielen. Eine andere Idee wäre, sich einen bestimmten Komponisten, eine bestimmte Komponistin, auszusuchen, dessen Stücke wir vorrangig arrangieren und daraus ein Programm zu schreiben, das auf die Duo-Besetzung gemünzt ist. 


Außerdem bin ich gerade dabei noch ein weiteres Projekt aufzubauen, für das ich dann selbst schreiben möchte. Das steht allerdings noch nicht ganz fest und ist gerade erst in den Startlöchern. Wahrscheinlich wird es aber ohne Harmonieinstrument, also nur mit Bass, Schlagzeug, Trompete und Altsaxophon, sein. Für diese Art der Besetzung habe ich im Laufe des letzten Jahres durch das neu gegründete Quartett meines Kollegen Sven Decker, in dem ich mitspiele, meine Begeisterung entdeckt. Ich werde voraussichtlich jetzt im Sommer beginnen dafür zu schreiben und dann schauen, auf wen es am Ende musikalisch hinausläuft.


Lisa: Während deines Studiums gab es bestimmt auch Höhen und Tiefen. Gab es Momente, in denen du an dir gezweifelt hast? Wie bist du mit diesen Momenten umgegangen?


Heidi: Wirkliche Tiefen hatte ich eigentlich nur zu Beginn meines Studiums, weil ich da noch etwas unsicher war und oft auch gemerkt habe, dass ich gewisse Punkte noch nicht knacken kann, egal, wie viel ich übe. Das war ein Tief, das ich auf jeden Fall in meinem Bachelor-Studium hatte. Aber das löst sich dann alles irgendwie von selbst, wenn man dran bleibt und sich auch Input von verschiedenen Leuten holt, die einen weiterbringen können. Sonst kann ich wirklich nicht sagen, dass ich Tiefs habe, in denen ich am großen Ganzen zweifle, also daran, dass Musik das Richtige für mich ist. Das hatte ich immer nur dann, wenn ich auf meinem Instrument nicht weiterkam.

Natürlich habe ich noch immer Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass ich keine Fortschritte mache, aber einer dieser Momente war zum Beispiel auch der Auslöser dafür, dass ich mich doch noch für ein Masterstudium entschieden habe. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich auf der Stelle trete, dann suche ich mir Unterricht bei jemandem, der mich weiterbringen kann. Man muss einfach fragen und sich von verschiedenen Lehrenden das zusammensuchen, was einem hilft. Seit Mitte meines Bachelor-Studiums habe ich mich aber nie wieder grundlegend als Musikerin in Frage gestellt.


Lisa: Was bedeutet Folkwang für dich?


Heidi: Folkwang ist für mich ein Ort, an dem ich ganz tolle neue Leute – Studierende und auch DozentInnen – kennengelernt habe. Hierher zu kommen, hat mir viele neue Türen geöffnet. Es ist ein Ort, an dem ich musikalisch noch einmal wachsen konnte.

 

 

Ein Beitrag im Rahmen des Projekts „Folkwang StudiScouts“.

 

Lisa Koenig / 22. June 2018