Folkwang

Christian Jäger - Folkwang Preisträger 2015

Sparte Gestaltung (Kommunikationsdesign)

Am kommenden Sonntag, 12. Juli 2015, werden die diesjährigen Folkwang Preise verliehen. Die Folkwang StudiScouts haben die PreisträgerInnen interviewt und stellen sie im Laufe dieser Woche vor. Tillmann Betz hat sich mit Christian Jäger unterhalten, der mit dem Folkwang Preis in der Sparte Gestaltung (Studiengang Kommunikationsdesign) ausgezeichnet wird.

Christian Jäger

Christian Jäger

 

Studienfach | Semester:

Kommunikationsdesign / 8. Semester

Art des Abschlusses:

Bachelor of Arts

Name der ausgezeichneten Arbeit:

„Weit unter Schrittgeschwindigkeit“

Was inspiriert Dich?

„Das ist eine ziemlich schwere Frage. Ich beschäftige mich viel mit Theater, weswegen ich häufig nach Narrationen suche. Die finde ich natürlich nicht nur in dramatischen Texten, aber generell ziehe ich viel Inspiration aus erzählender Literatur. Das bedeutet nicht, dass ich immer eine stringente Erzählung erarbeite. Ich vermeide sie im Bild sogar oft, weil mir die Form des Theaters oder Textes ja auch offen stünde.“

Wie bist Du mit den Momenten des Scheiterns im Studium umgegangen?

„In unserem Studium haben wir die Möglichkeit, uns so individuell in Themen zu vertiefen, dass ich nach all der Recherche eigentlich nie ein Gefühl von Scheitern hatte. Auf der formalen Ebene, zum Beispiel bei der Bildfindung, dem Rhythmus einen Buches oder Ähnlichem, hilft mir meist, so abgedroschen es klingt, dranzubleiben.“

Was sind Deine zukünftigen Arbeitsziele?

„Eine Mischung aus selbstständigem Erzählen in Bildern aber auch Texten, wobei es dafür am Anfang aber sicher einen guten Job braucht, um die freie Arbeit zu ermöglichen. Den finde ich wahrscheinlich im Theater.“

Mit welchem Thema hast Du Dich bei deiner mit dem Folkwang Preis ausgezeichneten Arbeit auseinandergesetzt?

„Mit mehreren. Ausgangspunkt war die Dokumentarzeichnung, eine Langzeitbeobachtung. Es ging besonders um das Sichtbarmachen vergehender Zeit.“

Wie bist Du an das Thema herangegangen?

„Ich habe ein Semester lang aus einem Fenster geschaut, auf eine typische Ruhrgebietsnachkriegshäuserzeile. Durch die lange Dauer fielen mir immer kleinere Details auf, Grundformen in der Architektur, aber auch kleine Abläufe, die wir im städtischen Alltag nur noch als Hintergrundrauschen wahrnehmen, aber nicht mehr beachten. Das können Jalousien sein, die jedes Mal, wenn man hinschaut, auf einer anderen Höhe hängen, Türen oder Garagentore.“

Wie sieht die Umsetzung aus?

„Für die Darstellung dieser kleinen Abläufe habe ich in meiner Arbeit eine Mischung erforscht aus sequenzieller Gestaltung, um die Dauer festhalten zu können, und einer hohen Abstraktion der Motive, um den beobachteten Feinheiten nahe zu kommen. Daraus wurde eine sehr freie Form des Comicrasters, in der die anlassarme Beobachtung zerfasern kann, sich wiederholen, dehnen oder beschleunigen.“

Was bedeutet der Folkwang Preis für Dich?

„Der Preis ist eine schöne Anerkennung meiner Arbeit und Herangehensweise. Und so ein Preisgeld ist natürlich auch nie zu verachten.“

Ein Beitrag im Rahmen des Projekts „Folkwang StudiScouts“.

 

Tillmann Betz / 09. July 2015