Folkwang

Alexander Reuber: „Ich bewege mich gern zwischen verschiedenen musikalischen Welten“

Der Komponist der beliebten Folkwang Fanfare im Interview

Alexander Reuber studierte Trompete und Integrative Komposition an Folkwang. Während seines Studiums komponierte er die Folkwang Fanfare, die seit 2013 bei allen großen Veranstaltungen gespielt wird. Im Gespräch mit StudiScoutin Zara Krauss spricht Alexander über seine Zeit an Folkwang, die Entstehung der Fanfare und sein Musikerleben zwischen Musikkorps der Bundeswehr und Produktionen für Film und Medien. 

Alexander Reuber Interview Folkwang StudiScouts 2025

Foto: Andreas Bachmann

 

Zara: Alexander, du befindest dich momentan auf Konzertreise in Südkorea. Mit was für einem Programm bist du unterwegs?

Alexander: Ich bin derzeit mit dem Blechbläserensemble des Musikkorps der Bundeswehr in Südkorea unterwegs. Unser Programm ist bewusst sehr abwechslungsreich gestaltet, von klassischer Literatur über Bearbeitungen großer sinfonischer Werke bis hin zu moderner, mitreißender Unterhaltungsmusik. Diese Mischung funktioniert hier hervorragend. Das Publikum reagiert unglaublich herzlich und mit einer Begeisterung, die uns selbst immer wieder überrascht und ansteckt.

 

Wie kam es dazu, dass du Trompete und Integrative Komposition an Folkwang studiert hast? Warum diese Kombination?

Schon als Kind wusste ich, dass ich Trompeter werden möchte. Ich komme aus einer Musikerfamilie und war von klein auf von Musik umgeben. Das Trompetenstudium war daher der logische Schritt. Die Integrative Komposition kam etwas später dazu, weil mich das Erschaffen von Musik schon immer fasziniert hat. Für mich war es reizvoll, nicht nur zu interpretieren, sondern auch selbst neue Klangwelten zu erschaffen und beides hat sich ideal ergänzt.

 

Wie war es für dich, zwei Studiengänge gleichzeitig zu studieren?

Die beiden Studiengänge haben sich zeitlich teilweise überschnitten. Vor allem das Kompositionsstudium habe ich gar nicht als reines Studium empfunden. Ich habe alles, was ich dort lernen konnte, regelrecht aufgesogen und oft direkt in eigene Projekte einfließen lassen.

 

Was hat dich in deiner Zeit an Folkwang geprägt?

Da gibt es viele prägende Einflüsse. Folkwang war für mich ein Ort, an dem künstlerische Vielfalt ganz selbstverständlich gelebt wurde, man konnte sich ständig inspirieren lassen. Die ‚studentische Wuselei‘, der Austausch mit anderen Disziplinen und das unmittelbare Arbeiten mit großartigen Lehrenden– all das hat mich nachhaltig geprägt. Mit meinem ehemaligen Hauptfachlehrer Dietrich Hahne verbindet mich bis heute ein enger Kontakt.

    

Wie würdest du deine Verbindung zu deinem Hauptinstrument, die Trompete, beschreiben?

Die Trompete ist für mich wie eine Stimme, manchmal kraftvoll und heroisch, manchmal zart und verletzlich. Sie hat eine enorme emotionale Bandbreite. Dieses Instrument fordert einen täglich aufs Neue heraus, aber genau das hält die Beziehung frisch. Man kann sich nicht ‚ausruhen‘, sondern bleibt immer im Dialog mit dem Instrument.
    

Anlässlich des traditionellen Semesterauftakts „Willkommen!“ im Jahr 2013 hast du die „Folkwang Fanfare“ komponiert. Was hat dich für die Komposition inspiriert?

Die Idee kam tatsächlich sehr spontan. Damals begann Laura Vukobratović ihre Professur für Trompete an Folkwang. Am Vorabend der Auftaktveranstaltung saßen wir gemeinsam mit ihrer Trompetenklasse zusammen. Irgendwann hatte Laura die Idee, eine Fanfare als Eröffnung zu spielen und noch am selben Abend habe ich diese dann zu Papier gebracht.

 

Und wie war es für dich, als du das erste Mal die Fanfare live gehört hast?

Das erste Hören eines eigenen Stückes ist für mich immer ein Wechselbad aus Vorfreude, Spannung und einer kleinen Portion Nervosität. Bei der Fanfare war das nicht anders. Als wir sie dann zum ersten Mal gespielt haben und ich merkte, wie viel Freude die Mitwirkenden daran hatten, war das ein Moment, der mich sehr glücklich gemacht hat.

 

Wie würdest du allgemein den Prozess des Komponierens beschreiben?

Das hängt stark vom Projekt ab. Da ich fast ausschließlich Auftragsarbeiten mache, orientiere ich mich immer an klaren Rahmenbedingungen: Anlass, Besetzung, Zeitplan, manchmal auch ein konkretes Thema oder Bild. Innerhalb dieser Vorgaben versuche ich, mir künstlerische Freiheit zu bewahren. Meist beginne ich mit einer klaren Vorstellung der Form und arbeite mich dann Schritt für Schritt in die Details.

 

Was war dein erstes Stück, das du als Komponist aufs Papier gebracht hast?

Das war „Intrada“ für Hornquartett. Ein kurzes, festliches Stück, das mittlerweile im Verlag Martin Schmid Blechbläsernoten erschienen ist. Für mich war es der erste Schritt, Musik nicht nur zu interpretieren, sondern selbst Neues zu erschaffen.

 

Du hattest im Jahr 2010 die Möglichkeit, den Komponisten Hans Zimmer in Los Angeles zu besuchen. Wie kam es zu dem Treffen und hat diese Begegnung eine Bedeutung für dich und dein Schaffen hinterlassen?

Hans Zimmer war für mich der Held meiner Kindheit. Ich habe lange versucht, ein Treffen zu arrangieren und 2010 hat es schließlich geklappt. Er hat mir nicht nur musikalische Impulse gegeben, sondern auch verdeutlicht, wie wichtig es ist, authentisch zu bleiben und seinen eigenen Weg zu gehen, unabhängig von der Größe der Bühne. Diese Haltung prägt mich bis heute.

 

Du hast nach deinem erfolgreichen Folkwang Abschluss 2013 eine Stelle beim Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg erhalten. Wie können wir uns deinen Alltag als Musiker dort vorstellen

Einen klassischen Alltag gibt es bei uns nicht. Wir spielen Konzerte im In- und Ausland, begleiten Staatsakte im protokollarischen Ehrendienst, produzieren CDs und Videos und treten in unterschiedlichsten Besetzungen auf – vom großen Orchester bis hin zu kleinen Kammerensembles. Jede Woche bringt neue Herausforderungen und Abwechslung.

   

Mit der Zeit hast du auch dein zweites Standbein mit Komposition und Musikproduktion aufgebaut. Wie schaffst du es, mit beiden Tätigkeiten deine Balance zu halten?

Das erfordert Disziplin, gute Organisation und manchmal auch die Bereitschaft, Abende oder Wochenenden zu opfern. Wichtig ist mir, dass beide Bereiche voneinander profitieren. Als Interpret weiß ich, was Musiker brauchen, und als Komponist bringe ich frische Impulse in meine Arbeit als Trompeter. Beide Disziplinen befruchten sich gegenseitig.

 

Ich habe gelesen, dass Gustav Mahler dein Lieblingskomponist ist. Stimmt das? Was fasziniert dich an Mahler?

Mahler ist einer meiner großen Favoriten – neben vielen anderen. Dennoch resoniert seine Musik auf einer emotionalen Ebene sehr stark mit mir. Von daher fühle ich mich ihr einfach besonders verbunden.

 

Gustav Mahler und Filmkomposition, selbständiger Produzent und tätig in einem Musikkorps, Trompete und Integrative Komposition: würdest du sagen, dass du viele Musikwelten in dir vereinst?

Ja, und genau das macht für mich den Reiz aus. Ich bewege mich gern zwischen verschiedenen musikalischen Welten – Klassik, zeitgenössische Musik, Filmmusik sowie der Klangwelt sinfonischer Bläserensembles und noch vielen weiteren. Jede hat ihre eigene Sprache, und je mehr Sprachen man beherrscht, desto reicher wird das eigene musikalische Vokabular.

 

 

Ein Beitrag im Rahmen des Projekts „Folkwang StudiScouts“.

 

Zara Krauss / 05. September 2025