Wissenschaft

Dissertationen in Theorie und Geschichte der Fotografie

Erstbetreuungen

Franziska Kunze
Opak

Die Sichtbarmachung fotografischer Materialität als künstlerische Strategie

Bearbeitungsbeginn: 2013

Ziel des Dissertationsprojekts ist die Erforschung der Sichtbarmachung fotografischer Materialität als künstlerische Strategie. Hierbei handelt es sich um Fotografien, die mit der ihnen unterstellten Transparenz brechen und sich durch eine gewisse Opazität auszeichnen. Ausgehend von materialspezifischen Debatten, geführt in fotografischen Fachzeitschriften sowie theoretisierenden Abhandlungen zum Medium, sollen Bedingungen, Umsetzung und Möglichkeiten der Zurschaustellung des Materialen im Kunstkontext analysiert werden. Die Fotografie wird dabei nicht als „Flachware“, sondern als dreidimensionales Objekt begriffen, woraus sich Fragen nach praktikablen Ausstellungs- und Publikationsmethoden dieser Fotografien ergeben. Es gilt herauszufinden, inwieweit eine solch materialbezogene Analyse zum Verstehen und zur Deutung der Werke beitragen kann.

Zweitbetreuerin: Dr. Kelley Wilder (De Montfort University Leicester, Großbritannien)

Projektbezogene Publikationen:

_Franziska Kunze: On Trembling Membranes and Inevitable Light-Traps – the Photographs of Dorota Walentynowicz. Drgające membrany i świetlne pułapki – o fotografiach Doroty Walentynowicz. In: Dorota Walentynowicz. Recording Theatre / Teatr Zapisu (Ausstellungskatalog State Gallery of Art), Sopot 2015, S. 28–37.

Kontakt: franziska.kunze@folkwang-uni.de

Matthias Gründig
Fotografische Porträts als Ware und Währung

Bearbeitungsbeginn: 2015

Mit der ersten Veröffentlichung fotografischer Techniken im Jahr 1839 ging deren sofortige Einbindung in kapitalistische Verwertungslogiken einher. Durch technischen Neuerungen avancierte in der Folgezeit speziell das menschliche Porträt zu einer Ware, um die sich ein ganzer Markt fotografischer Studios, Zulieferer und Abnehmer bildete. Der moderne, fotografierte Mensch markiert damit als Bild seit Anbeginn der Fotogeschichte ein prekäres Verhältnis von Individualität und Dinghaftigkeit, von (Selbst-)Produktion und (Selbst-)Konsumtion. Das Dissertationsprojekt versucht, dieses schwerwiegende Verhältnis aus heutiger Sicht genealogisch zu befragen und dem Waren- und Währungscharakter nachzugehen, der durch spezifische dispositive Ordnungen, beispielsweise das Portraitstudio im 19. Jahrhundert oder die digital-apparative Umgebung sozialer Netzwerke heute, gleichermaßen, wenn auch auf unterschiedliche Weise geprägt ist.

Kontakt: matthias.gruendig@folkwang-uni.de

Roland Tacke
Ordnungen von Schärfe und Unschärfe
Zu einem Begriffspaar bei László Moholy-Nagy

Bearbeitungsbeginn: 2015

Die Arbeit versucht Schärfegradationen im Werk László Moholy-Nagys herauszuarbeiten, auch und besonders solche, die der Künstler selbst nicht thematisiert hat. Als Quellen dienen seine in unterschiedlichen Medien erschienenen Schriften, in denen er sich differenziert zum Thema Schärfe äußerte. Ein weiterer Quellenfundus sind seine auf fototechnischer Basis erzeugten Bilder, die schnell erkennen lassen, dass Fotografie nicht gleich Fotografie ist und dass auch Trennlinien, die zwischen fotografischen Gattungen wie Fotografie, Skiagrafie, Fotogramm, Chemigramm, Luminogramm, Lichtmalerei und anderen gezogen werden, zuweilen so unscharf werden, dass sie sich auflösen.

Kontakt: roland.tacke@folkwang-uni.de

Sophia Greiff
Perspektivenwechsel: Alternative Erzähl- und Darstellungsformen im aktuellen Fotojournalismus

Bearbeitungsbeginn: 2016

Angesichts der zunehmenden Informationsflut und Komplexität in einer schnelllebigen und medialisierten Welt lässt sich im Fotojournalismus eine Tendenz zu alternativen Strategien des Erzählens beobachten, die die Grenzen des journalistischen Berichterstattens hinterfragen, reflektieren und herausfordern. Das Dissertationsprojekt untersucht anhand von Fotobüchern und multimedialen Webformaten, inwiefern durch die Verschränkung unterschiedlicher Perspektiven und paralleler Erzählungen, durch bewusste Subjektivität und Betonung oder Erweiterung der Autorschaft, durch Kollaborationen oder die Einbeziehung fiktionaler Elemente vielschichtigere Zugänge und Möglichkeiten der Rezeption geschaffen werden können. Dabei soll insbesondere der Frage nachgegangen werden, ob und wie sich der Fotojournalismus konzeptionelle Methoden aus dem Bereich der Kunst und Literatur nutzbar machen kann, um einer Vielfalt der Betrachtungsmöglichkeiten gerecht zu werden und eine tiefere Ebenen des Wissens und Verständnisses zu erlangen, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Zweitbetreuerin: Prof. Dr. Karen Fromm (Hochschule Hannover)

Kontakt: mail@sophiagreiff.de

Anna Chiesorin
Von der Fläche zum Raum und zurück. Interdependenzen von Architektur und Fotografie

Bearbeitungsbeginn: 2017

Wie vermittelt man Architektur im Bild? Dass Architektur ortsfest ist, liegt auf der Hand. Dennoch suchen auch Architekten ein größtmögliches Publikum für ihre Arbeiten. Ganz wie bei der Skulptur erfordert die Reproduktion von Architektur eine angemessene Übersetzung von der Drei- in die Zweidimensionalität. In den klassischen Bildmedien der Zeichnung, der Druckgrafik und sogar im Gemälde wurden hierfür vielfältige Strategien ausgebildet; seit ihren historischen Anfängen hat diese Aufgabe aber auch die Fotografie übernommen. Vor allem in jüngerer Zeit haben sogenannte Renderings eine besondere Bedeutung für Entwurf wie Dokumentation von Architektur erlangt. Ihre Bildsprache ist eine fotografische, ohne dass es sich im strengen Sinn um Fotografien handelt. Das Dissertationsprojekt soll die sich hierbei ergebenden Interdependenzen in den Blick nehmen und kritisch befragen.

Kontakt: anna.chiesorin@folkwang-uni.de

Christopher Haaf
Selbstbild versus Fremdbild?
Zur Sichtbarkeit der Hochschule für Gestaltung Ulm

Bearbeitungsbeginn: 2017

Die Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG) bestand nur von 1953 bis 1968, das Berufsbild des Industriedesigners und die Designausbildung prägte die Hochschule aber maßgeblich. Das in Ulm entwickelte pädagogische Konzept, das sogenannte „ulmer modell“, ist bis heute national wie international einflussreich geblieben. Ein wesentliches Medium zur Vermittlung der Ulmer Designpraxis und -theorie stellten die Ausstellungen der HfG dar: Sie ließen die Hochschule und ihre Ideen öffentlich sichtbar und erfahrbar werden. Das Promotionsvorhaben setzt es sich zum Ziel, sowohl die Bedeutung der Ausstellungen für Selbstverständnis wie Selbstdarstellung der HfG im nationalen wie internationalen Rahmen als auch deren Rezeption zu untersuchen. Die Ausstellungen werden hierbei als ein kommunikatives Ereignis und als Teil der Öffentlichkeitsarbeit verstanden. Weitere Instrumente der Selbstreflexion und Selbstinszenierung – etwa die von der Hochschule herausgegebene Zeitschrift „ulm“ – sollen ebenfalls in den Blick genommen werden. Die Einbindung der HfG in die internationale Designlandschaft sowie die Wechselbeziehungen zwischen Politik, Wirtschaft und Design werden dabei mitgedacht.

Promotionsvorhaben innerhalb des durch die VolkswagenStiftung geförderten und gemeinsam von Museum Ulm, der Hochschule Pforzheim und der Folkwang Universität der Künste getragenen Forschungsprojekts „Gestaltung ausstellen. Die Sichtbarkeit der HfG Ulm: Von Ulm nach Montréal“.

Zweitbetreuer: Prof. Dr. Thomas Hensel (Hochschule Pforzheim)

Kontakt: hfg.ulm@gmail.de

Linus Rapp
Gestaltung ausstellen
Zur Ausstellungsgestaltung an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm 1953–1968

Bearbeitungsbeginn: 2017

Das Licht, das von dem Ulmer „Designkloster“ auf dem Kuhberg in die Welt ausging, hat auch bald fünfzig Jahre nach der Schließung der Hochschule für Gestaltung (HfG) wenig von seiner Strahlkraft eingebüßt. Im Prisma der Ausstellungen, mit denen sich die HfG und ihre Kunden vertrat, bricht sich ein buntes Spektrum von praktischen und theoretischen Grundlagen moderner Gestaltung. Im Brennpunkt der Forschung stehen die Ausstellungstafeln der Hochschule, die unter anderem mit ihrer Architektur, Fotografie und Typografie als Kommunikationsmedium verstanden werden. Ziel des Projekts ist es, das Ausstellungs- und Designwesen in seinen kulturell-historischen Kontexten zu beleuchten und Methoden der Imagebildung im Sinne einer von der HfG angestrebten Corporate Identity sichtbar zu machen. Schließlich sollen Einblicke in die veränderte visuelle Kultur der fünfziger und sechziger Jahre auch Rückschlüsse auf die Gegenwart erlauben.

Promotionsvorhaben innerhalb des durch die VolkswagenStiftung geförderten und gemeinsam von Museum Ulm, der Hochschule Pforzheim und der Folkwang Universität der Künste getragenen Forschungsprojekts „Gestaltung ausstellen. Die Sichtbarkeit der HfG Ulm: Von Ulm nach Montréal“.

Zweitbetreuer: Prof. Dr. Thomas Hensel (Hochschule Pforzheim)

Kontakt: hfg.ulm@gmail.de

Zweitbetreuungen

  • Heide Barrenechea (Universität der Künste Berlin): Praktiken der Reaktivierung. Die Arab Image Foundation zwischen dokumentarischer Archivierung, diskursiver Verhandlung und künstlerischer Produktion

  • Stefanie Dufhues (Ludwig-Maximilians-Universität München): Bildpraxis der Mikrofotografie zwischen 1880 und 1920
  • Kristina Lemke (Philipps-Universität Marburg): Dr. Paul Wolff: Eine Fotografenkarriere im Nationalsozialismus
  • Kerstin Meincke (Universität Duisburg-Essen): Politik am Objekt. Mediale Verhandlungen von Kulturerbe im Prozess der Dekolonisation

  • Michael Ponstingl (Photoinstitut Bonartes Wien/Bauhaus-Universität Weimar): „Das bekannt gute Wiener Actmaterial …“. Zur Akt- und Nacktfotografie-Kultur des „Photographischen Kunstverlags Otto Schmidt“, Wien, 1874 – ca. 1930

  • Katharina Täschner (Johannes Gutenberg-Universität Mainz): Die Metropole im Print. Fotografie und Bildpublizistik im Paris der Zwischenkriegsjahre

Abgeschlossene Dissertationen

  • Verena Titze: Der Einfluss bio-medizinischer Bilder auf die zeitgenössische Porträtkunst (2014)
  • Christian Haring: Wir machen kein Theater! Passagen der Performance Art der 60er Jahre bis heute, mit Hinblick auf die Einschreibung, Aufzeichnung und Neubewertung von ephemerer Kunst (2016)