Die Geschichte des Folkwang Tanzstudios

Das Folkwang Tanzstudio kann auf eine über 80jährige, wechselvolle Geschichte zurückblicken. Sein Vorläufer, das „Folkwang-Tanztheater-Experimentalstudio“, wurde 1928 von Kurt Jooss gegründet. In den 30er Jahren galt es als „Wiege“ des deutschen Ausdruckstanzes und Wegbereiter des „German Dance“ in aller Welt.

Im September 1930 wird Kurt Jooss Ballettdirektor am Essener Opernhaus. Das „Folkwang-Tanztheater-Studio“ wird zum ständigen Ensemble des Opernhauses. Unter dem Namen „Folkwang-Tanzbühne“ geht es auf Gastspielreisen.
1932 gewinnt Kurt Jooss mit seiner legendären Choreographie „Der Grüne Tisch“ den ersten Preis beim internationalen „Concours de Chorégraphie“ in Paris und begründet damit seinen Weltruhm. Im Herbst des gleichen Jahres löst sich die Kompanie vom Essener Opernhaus und wird unter dem Namen „Ballets Jooss“ weitergeführt. 1933 endet die Arbeit in Deutschland jäh – Jooss weigert sich, sich von seinen jüdischen Mitarbeitern zu trennen und muss schnellst möglich das Land verlassen. Während der nächsten Jahre lebt und arbeitet Jooss mit seinen Mitarbeitern in Dartington Hall in England. Die „Ballets Jooss“ gastieren mit großem Erfolg auf der ganzen Welt, mit Ausnahme von Deutschland.

1949 kehrt Jooss nach Essen zurück. 1951 finden die ersten Vorstellungen des neugegründeten „Folkwang-Tanztheaters“ statt. Schon zwei Jahre später muss die Kompanie ihre Arbeit wieder aufgeben – fehlende Subventionen machen sie unmöglich. 1961 ermöglichen öffentliche Zuschüsse - unter anderem vom Westdeutschen Rundfunk - die Einrichtung von Meisterklassen für Tanz. Aus diesen Meisterklassen geht das „Folkwangballett“ hervor. Auf Einladung von Jooss kommt der Tänzer und Choreograph Jean Cebrón nach Essen. Seine Duette, die er für sich und Pina Bausch choreographiert, aber auch seine Gruppenarbeiten, bilden ein experimentelles Profil für die Kompanie. Gastchoreographen wie Antony Tudor, Lucas Hoving und Gigi Caciuleanu arbeiten mit den Meisterschülern. Auch Mitglieder der Meisterklassen versuchen sich in der Choreographie.

Nach dem altersbedingten Ausscheiden von Kurt Jooss aus der Folkwangschule im Jahr 1968 übernimmt Pina Bausch die Leitung des „Folkwangballett“. Sie lenkt die Geschicke der Kompanie bis 1973, als man ihr die Ballettleitung in Wuppertal anbietet.

Von 1975 bis 1977 leiten Reinhild Hoffmann und Susanne Linke gemeinsam die Gruppe, die von jetzt an „Folkwang Tanzstudio“ heißt. Mit dem Weggang von Reinhild Hoffmann zum Bremer Ballett im Jahr 1978 ist Susanne Linke allein für die Kompanie verantwortlich. Als sie sich entschließt, sich ihrer Solokarriere zu widmen, übernimmt Pina Bausch im Jahr 1983 wieder die künstlerische Leitung.
 
Diese drei Choreographinnen haben mit ihrer Arbeit entscheidend das Profil des Folkwang Tanzstudios geprägt und darüber hinaus zur Renaissance des Modernen Tanzes in Deutschland beigetragen. Aber auch andere Choreographenpersönlichkeiten haben zur Profilbildung der Kompanie beigetragen: so haben u.a. Mitsuru Sasaki, Carolyn Carlsson, Urs Dietrich, Mark Sieczkarek, Raffaella Giordano und Daniel Goldin mit dem Folkwang Tanzstudio gearbeitet.

Von April 1999 bis September 2008 steht das Folkwang Tanzstudio unter der gemeinsamen künstlerischen Leitung von Pina Bausch und Henrietta Horn. Die choreographischen Werke von Henrietta Horn stehen im Mittelpunkt der Arbeit der Kompanie. Die Kooperation mit internationalen Gastchoreographen kommt ergänzend hinzu, um die künstlerischen Erfahrungen und Entwicklungen der Kompanie zu bereichern. Zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland fördern zudem den Austausch.

Im Oktober 2008 übernimmt Rodolpho Leoni, Professor für zeitgenössischen Tanz an der Folkwang Universität, zusammen mit Pina Bausch die künstlerische Leitung des FTS. Seit Juli 2009, nach dem Tod von Pina Bausch im Juni 2009 , steht das Ensemble unter der gemeinsamen künstlerischen Leitung von Lutz Förster und Rodolpho Leoni.