Folkwang

Campus Duisburg

Hier werden Alte Musik, Kammermusik und Klavier unterrichtet

Mitten in Duisburg, im Herzen der Stadt, da lebt die Kultur. Dort, wo täglich Tausende von Menschen hin und her eilen beim Einkaufen und auf den Wegen, die der Alltag so bestimmt, da starten junge Musiker aus der ganzen Welt ihre künstlerische Karriere. Es ist die Düsseldorfer Straße 19, eine schöne, eher unauffällige Fassade im Stil des Historismus (1904), hinter der probiert, studiert und konzertiert wird. Früher war hier das große Geld – eine Bank – vielleicht erklärt sich dadurch der diskrete Charme des denkmalgeschützten Gebäudes. Heute ist dies der Campus Duisburg. Eine Einrichtung, deren Ruf weit über die Region hinaus große Beachtung findet, ein Ort für hochqualifizierte musikalische Ausbildung.

Folkwang in Duisburg, das bedeutet Kammermusik, Alte Musik und Klavier. Lebendiges Lehren, Lernen und Produzieren, hochkarätige SolistInnen, außergewöhnliche Konzertreihen, Meisterkurse und regelmäßige musikalische Veranstaltungen das ganze Jahr. Seit Oktober 2003 gibt es einen eigenen Kleinen Konzertsaal, der in der ehemaligen Schalterhalle der Bank aufwendig restauriert und, ausgestattet mit exzellenter Akustik, begeistert vom Publikum aufgenommen wurde. Dabei spielen sicherlich die liebevollen baulichen Erhaltungs- und Umbaumaßnahmen eine ebenso große Rolle, wie die lange und gute Tradition der Duisburger Musikausbildung.

 

Geschichte des Campus Duisburg

Bereits im Herbst 1900 wurde in Duisburg ein Konservatorium als privates Unternehmen gegründet, das ab 1912 den Namen „Städtisches Konservatorium“ führen durfte. Trotz dieses Titels handelte es sich zunächst um eine Privatmusikschule, die allerdings von Anfang an eng mit dem Musikleben der Stadt verbunden war. Die Staatliche Anerkennung des Musikseminars als der „ersten Anstalt in Preußen“ folgte einige Jahre später, 1925, und lässt auf breit gefächerte Ausbildung und hohes Niveau rückschließen. Immerhin hatte das Konservatorium im Jahre 1927 (Gründung der damaligen Folkwangschule in Essen) schon 27 Lehrer und 269 Schüler. 1937 wurde die Stadt Duisburg Träger, und es gab neue Räume und einen neuen Namen in der Düsseldorfer Straße 210: „Konservatorium und Musikseminar der Stadt Duisburg“.

Bereits zu diesem Zeitpunkt waren bedeutende Lehrende beschäftigt. So Helmut Degen für Komposition (gleichzeitig Organist an der Salvatorkirche) und etliche MusikerInnen des städtischen Kammerorchesters. Nach kriegsbedingter Zwangspause konnte das Konservatorium unter der Leitung des damaligen Generalmusikdirektors der Stadt Duisburg Georg Ludwig Jochum (1909-1970) den Unterricht wieder aufnehmen; zunächst in provisorischen Räumen des Stadttheaters, ab 1964 dann im heutigen Gebäude Düsseldorfer Straße 19. In dieser Zeit (ab 1957 unter dem Direktor Prof. Dr. K.-O. Schauerte, 1916-1983) wurde ein Lehrbetrieb geleistet, der mit hohem Qualitätsbewusstsein stets auf neue gesellschaftlich-kulturelle Entwicklungen eingestellt war, das Fächerangebot inhaltlich reformierte und um neue Fachrichtungen erweiterte. So gestaltete sich die musikpädagogische Ausbildung richtungweisend, beispielsweise durch das Seminar für PrivatmusiklehrerInnen oder die Verbindung mit der Deutschen Oper am Rhein in Bezug auf Opern- und Opernchorschule.

Als im Jahre 1972 eine Neustrukturierung der außerschulischen Musikerziehung in NRW erfolgte, bringt das für Duisburg große Veränderungen: Die vorberufliche Fachausbildung des städtischen Konservatoriums wird per Ratsbeschluss der Stadt mit anderen Einrichtungen zur „Niederrheinischen Musikschule“ zusammengefasst. Und der berufsbildende Teil des Konservatoriums wird mit der Essener Folkwang Hochschule (Träger: Land NRW) in einer nominellen Zwischenlösung als „Staatliche Hochschule für Musik Ruhr“ verbunden. Nach dem Kunsthochschulgesetz 1988 wird das Duisburger Institut (mittlerweile unter dem Dekan Prof. Alfred Fackert) zum Fachbereich 4 der Folkwang Hochschule und nach umfangreichem Reformprozess Anfang des neuen Jahrtausends, im Jahre 2002 zum heutigen Standort Duisburg der Folkwang Hochschule.

Dieser Weg beschreibt nicht nur viele verschiedene Namen für eine Ausbildungsstätte, sondern auch einen langen und intensiven Prozess der Weiterentwicklung und Profilierung unserer Künstlerausbildung. Es wird immer wichtiger, den Studienbetrieb im Hinblick auf heutige Realitäten von Bühnen- und Musikerberufen lebendig zu halten. Die gesamte (Kunst)Hochschullandschaft steht im Vergleich, im Wettbewerb und unterliegt so gewissermaßen den Prinzipien des freien Marktes. In Duisburg war es daher nahe liegend, die in der Tradition gegründeten Schwerpunkte zu stützen und damit ein eigenständiges Profil für diesen Standort auszubauen.

Kammermusik, Alte Musik und Klavier der Folkwang Hochschule werden seit 2003 exklusiv in Duisburg unterrichtet. Alle Studiengänge sind in projektbezogene Arbeiten integriert.

Kleiner Konzertsaal

Von der Bank zum Konzertsaal: Im Oktober 2003 wurde der KLEINE KONZERTSAAL am Campus Duisburg eröffnet - in der Schalterhalle des ehemaligen Bankgebäudes. Bereits das Foyer empfängt die Gäste mit einer einladenden Atmosphäre. Der Saal selber wurde unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes umgestaltet und um zwei Seitenflügel erweitert. Zwei Trennwände, die je nach Orchestergröße geöffnet werden können, wurden in ansprechendem hellen Holz neu eingebaut. Die erweiterbare Bühne bietet so Platz für bis zu vierzig Musiker, also für die klassische Kammermusik-Besetzung.
Das Haus befindet sich im Besitz der Stadt Duisburg. Der Umbau für rund 1,5 Millionen Euro wurde vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Duisburg geplant und durchgeführt.

199 weinrot gepolsterte Stühle, eine edle Wandvertäfelung in hellem Ahorn, die wunderschön restaurierte historische Stuckdecke – bereits optisch präsentiert sich der KLEINE KONZERTSAAL als kulturelles Schmuckstück. Die zwei Seitenflügel neben der Bühne und die Glasdecke über dem Auditorium verleihen dem Raum Weite und Freiheit. Aber seine wahre Größe offenbart der Saal, wenn die ersten Töne erklingen: in einer einzigartigen Akustik. Die Nachhallzeit entspricht der renommierter internationaler Häuser.

Der Konzertsaal überzeugt durch sein ausgewogenes, transparentes Klangbild und vermittelt einen Raumeindruck, bei dem sich die Zuhörer akustisch in das Geschehen einbezogen fühlen. Hier hört man mit Genuss zu. Dies ist vor allem der Mitarbeit von Prof. Dr. Jens Blauert von der Ruhr-Universität Bochum zu verdanken. Der weltweit mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftler mit dem Spezialgebiet „Räumliches Hören“ wendet seine Erkenntnisse bereits seit vielen Jahren als raumakustischer Berater an.