Mit Folkwang durch die Vorweihnachtszeit

In diesem Jahr möchten wir Ihnen mit persönlichen Weihnachts-Impressionen unserer internationalen Studierenden, Lehrenden und MitarbeiterInnen die Wartezeit auf Weihnachten verkürzen. Zu jedem Adventswochenende veröffentlichen wir an dieser Stelle drei kleine Folkwang Weihnachtsgeschichten – erzählt von unseren FolkwänglerInnen aus aller Welt.
 

_4. Advent

Heidi Luosujärvi  | Finnland

Ich bin in Rovaniemi, Finnland, aufgewachsen; das ist der Ort, aus dem der Weihnachtsmann kommt. Sein Haus ist zehn Minuten von meinem Elternhaus entfernt.
Bei uns kommt der Weihnachtsmann am 24. Dezember. Er weiß immer ganz genau, welches Kind artig war oder auch nicht. Denn er hat Unterstützung durch kleine Wichtel in roten Hosen und Westen, die das ganze Jahr über beobachten, wie sich die Kinder betragen und dem Weihnachtsmann Bericht erstatten.
Früher haben wir den Tannenbaum immer erst am 24. direkt aus dem Wald geholt. Das stammt noch aus den Zeiten, wo die Menschen nicht so schnell zur nächsten Stadt gekommen sind.
Der Weihnachtstag beginnt für uns in jedem Fall mit einem Besuch in der Sauna. Danach ziehen wir uns alle schön an, essen gemeinsam und warten auf den Weihnachtsmann.

Heidi Luosujärvi | Instrumentalausbildung | Akkordeon
 

Mercè Mayor | Spanien

In Spanien steht traditionell die Krippe im Vordergrund, nicht so sehr ein Tannenbaum. Das Aufbauen der Krippe wird in den Familien ähnlich festlich zelebriert, wie das Zeremoniell des Baumschmückens in Deutschland. Der Karton mit der Krippe wird vorsichtig ausgepackt, der Boden wird mit Moos, Sand und Sägespänen ausgelegt, der Stall mit Maria, Josef und der Krippe, Ochse und Esel – alles wird nach und nach aufgebaut. Wichtig ist, dass die Heiligen Drei Könige mit etwas Abstand von der Krippe aufgestellt werden. Sie rücken vom Heiligen Abend an jeden Tag ein Stück weiter zur Krippe heran, bis sie am 06. Januar wirklich angekommen sind.

Mercè Mayor | Institut für Lebenslanges Lernen

Paulo de Queiroz dos Santos | Brasilien

Weil Brasilien so groß ist, gibt es viele verschiedene Sitten und Bräuche. Da wo ich herkomme, ist Weihnachten auf jeden Fall bunt und fröhlich. Egal ob die Leute arm oder reich sind – es gibt immer richtig viel zu Essen und zu Trinken. Weihnachtsschmuck, elektrische Kerzen und Feuerwerk sind uns auch enorm wichtig. Leider ist es gerade in den Favelas dabei immer wieder zu schlimmen Unglücken gekommen. Mittlerweile ist das aber besser geworden.
Wenn ich an die Weihnachtszeit in Brasilien denke, denke ich auch immer an Musik! Wir singen, tanzen und musizieren unglaublich viel. Weihnachten ist bei uns nie leise! Wir spielen brasilianische Lieder, aber auch klassische Weihnachtslieder. Und die dann immer auf südamerikanischen Instrumenten. Das Bandoneon und die „Cavaquinho“, eine kleine Gitarre, kann man in der ganzen Adventszeit überall hören.

Paulo de Queiroz dos Santos | Physical Theatre Artist Diploma, 2. Fachsemester

 
_3. Advent

Prof. Rachel Robins | Großbritannien

Bei uns in Großbritannien bringt der Weihnachtsmann die Geschenke für die Kinder immer in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Weil er durch den Schornstein kommt, haben wir daher abends immer einen „mince pie“ und ein Glas Sherry vor den Kamin gestellt. Wie von Zauberhand waren dann morgens, wenn unsere Kinder wach geworden sind, nur noch die Krümmel vom Pie und ein leeres Glas übrig...
Leider sind unsere Kinder heute zu groß für diese Geschichte, aber die britische Weihnachtstradition wird von Familie zu Familie weitergegeben.

Prof. Rachel Robins | Gesang|Musiktheater | Oper, Operette, Oratorium
 

Susanne Skipiol | Polen

Weihnachten in Polen ist mit schönen geselligen Traditionen verbunden. Für das Fest besorgen wir Oblaten, die mit weihnachtlichen Motiven verziert sind. An Heiligabend bekommen dann alle eine Oblate und gehen mit dieser zueinander, um sich jeweils persönliche Wünsche für das nächste Jahr auszusprechen. Die beglückwünschte Person bricht sich anschließend ein Stück der Oblate ab und isst diese. Dieses Ritual machen alle gegenseitig. Ob die Glückwünsche vor oder nach dem Abendessen ausgesprochen werden, ist unterschiedlich. Wir machen das immer nach dem Abendessen.
Das Abendessen ist bei uns übrigens die erste Mahlzeit des Tages, weil wir den Tag über fasten. Gegessen wird traditionell erst, wenn der erste Stern am Himmel steht. Dafür stehen dann aber auch 12 verschiedene Speisen – alle fleischlos – auf dem Tisch. Sie symbolisieren, dass es im folgenden Jahr immer genug zu essen gibt.

Susanne Skipiol | Geschäftsstelle des Rektorats

Emily Dilewski | Großbritannien

Die ersten Vorbereitungen für Weihnachten beginnen bei uns Briten schon im Oktober. Dann machen wir nämlich den traditionellen „christmas pudding“, ein Pudding mit Trockenfrüchten, der bis zum Weihnachtsessen immer wieder mit Brandy getränkt wird und lange durchziehen muss.
Am 25.12. kommt er dann als Nachtisch auf die Festtafel – und wird noch einmal mit Brandy flambiert. Der Pudding enthält auch immer Münzen. Wer die auf seinem Teller findet, wird im folgenden Jahr Glück und keine Geldsorgen haben.
Der wichtigste Weihnachtstag ist für uns der 25. Dezember. Dann sitzen wir alle um 15 Uhr vor dem Fernseher und schauen die Weihnachtsansprache der Queen. Danach gibt es Essen, „turkey“ mit „bread sauce“, und wir lassen „christmas crackers“ knallen - Knallbonbons, die mit Witzen, Puzzeln oder Spielzeug gefüllt sind.

Emily Dilewski | Gesang|Musiktheater B.Mus, 3. Fachsemester

 
_2. Advent

Danilo Valpassos Cardoso | Brasilien

Weihnachten findet bei uns in Brasilien immer am 24. und 25. Dezember statt. Dann ist die ganze Familie da, Freunde und Nachbarn kommen zu Besuch – das ist immer ein großes Fest. Mit jeder Menge Essen!
Unsere Tannenbäume sind „pinheiros“ – Pinienbäume. Wir schmücken den Baum nicht nur mit vielen Sternen und Kerzen, sondern - weil wir uns vorstellen, dass zu einem richtigen Weihnachtsbaum auch Schnee gehört - auch mit Wattebäuschen.

Danilo Valpassos Cardoso | Tanz B.A., 5. Fachsemester
 
 

Prof. Michael Mills | New Mexico (USA)

Mit Weihnachten in New Mexiko verbinde ich immer die „Luminarias“. Das sind braune Papiertüten, in die wir etwas Sand füllen und eine Kerze hineinstellen.
Mit diesen Lichtertüten schmücken wir dann unsere Häuser, stellen sie auf die Dächer und in den Garten, platzieren sie auf Mauern und dem Gehweg. In den Tagen vor Weihnachten und am Heiligen Abend selbst leuchtet dann die ganze Umgebung in dem warmen Licht der Luminarias.

Prof. Michael Mills | Musical | Partienstudium

Emilia Hussmann | Bulgarien

Weihnachten bedeutet für uns in Bulgarien, dass es „Baniza“ gibt. Das ist ein Blätterteiggebäck mit einer Füllung aus Käse, Eiern und Zucker, der überall nach dem gleichen Rezept gebacken wird. Die Baniza ist eigentlich ein Wunschkuchen, weil mit jedem Stück ein bestimmter Wunsch für das neue Jahr auf dem Teller liegt.
Und das funktioniert so: In den Teig werden vor dem Backen verschiedene Symbole gelegt: eine Münze für Reichtum, ein Herzchen für Liebe, ein Blatt vom Hartriegelstrauch für Gesundheit… Wer das entsprechende Symbol bekommt, kann im folgenden Jahr darauf hoffen, dass der Wunsch in Erfüllung geht.
Heutzutage lassen wir die Symbole aber meist aus dem Teig heraus und stecken stattdessen kleine gerollte Zettelchen mit den entsprechenden Wünschen in den fertigen Kuchen.

Emilia Hussmann | Geschäftsführerin Folkwang AGENTUR GmbH

 
_1. Advent

Achim Lenz | Schweiz

In meinem Heimatkanton, in Graubünden, feiert man die Vorweihnachtszeit mit einem großen Adventskalender im winterlich verschneiten Bergdorf. Der Adventskalender ist im ganzen Dorf verteilt und die „Türchen" sind die Fenster von ganz bestimmten Häusern. Jede Familie kann mitmachen und so kommen 24 Fenster zusammen. Wenn es dunkel wird, treffen sich alle vor dem Haus der Familie, an dem das Fenster, das dann geöffnet wird, schon geschmückt ist. Dann öffnet die Familie das Fenster, man singt zusammen Weihnachtslieder und gemeinsam mit den Gästen stimmt man sich auf die Festzeit ein. Meist offeriert die Familie dann Glühwein und Gebäck, bei manchen gibt’s auch ein feines Schweizer Raclette, direkt vom auf offenem Feuer geschmolzenen Käse abgestrichen. So rückt das ganze Dorf enger zusammen, man trifft die alten Schulkameraden und verbringt so ein paar ruhige gemeinsame Stunden.

Achim Lenz | Lehrender im Studiengang Schauspiel
 

Iris Pairet Garcia | Katalonien

Die Adventszeit schmeckt für mich nach „Panellets“. Die Panellets gibt es traditionell zum Kastanienfest, "la castanyada“, ein katalanisches Volksfest, das an Allerheiligen gefeiert wird. Da das Gebäck aber so köstlich ist, wird es auch in der ganzen Adventszeit gebacken. Zu den Zutaten gehören: Süßkartoffeln, gemahlene Mandeln, Zucker, Zitrone, Eier und jede Menge Pinienkerne.
Das Rezept zum Nachbacken können Sie gleich hier downloaden.

Iris Pairet Garcia | Dezernat 3: Kommunikation & Medien

Peter Alexander van Dijk | Südafrika

Mein Weihnachten in Südafrika ist eigentlich ziemlich europäisch, weil ich eine niederländische und eine schweizerische Großmutter habe. Der Schmuck an unserem Tannenbaum kommt auch immer noch aus den alten Kisten – das einzige was modern ist: Wir haben seit Jahren einen Tannenbaum aus Plastik. Das ist gut für die entspannte Atmosphäre an Weihnachten und hat natürlich für uns auf der südlichen Halbkugel ganz praktische Gründe: Während hier in Deutschland zu Weihnachten die Leute eher frieren, feiern wir die Heilige Nacht in kurzer Hose und am Grill. Die Weihnachtstage sind immer eine große Party mit der ganzen Familie und vielen Freunden, die alle Zeit haben, weil Sommerferien sind.

Peter Alexander van Dijk | Instrumentalausbildung M.A. Barockbratsche,
1. Fachsemester



Idee & Umsetzung:

Dezernat 3 | Kommunikation & Medien, Leitung: Maiken-Ilke Groß
Redaktion: Wiebke Büsch
Gestaltung:
Clara Pörtner
Lektorat: Iris Pairet Garcia
Umsetzung im Web: Michael Zechlin

Wir danken allen Beteiligten für die persönlichen Geschichten, die sie beigetragen haben.