Folkwang Student entwirft Stadtmöbel für Duisburg

Berufspraxis im Studium

Folkwang Student Daniel Wilkens (9. Semester Industrial Design) hat mit seinem Stadtmöbel-Entwurf einen von der Stadt Duisburg ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen. Ab 2017 sollen die von ihm entworfenen Stühle auf dem Portsmouthplatz in Duisburg stehen. StudiScout Nora Prinz hat sich mit ihm getroffen und über den Wettbewerb gesprochen.

Der Portsmouthplatz vor dem Duisburger Hauptbahnhof hat durch die Überdeckelung der A59 an Fläche gewonnen und misst nun 23000 Quadratmeter. Geplant wurde der Platz von der Stadt Duisburg im Rahmen eines Charrette-Verfahrens. Das heißt, dass die Verhandlungen und Entscheidungen unter Einbezug der Öffentlichkeit stattgefunden haben. Ergebnis des Verfahrens war, dass neben einem Brunnen, einer Treppe, einer Stahlplatte als rotem Teppich und einer Skateanlage auch ein Redesign des Mercatorstuhls und eine 90 Meter lange Bank für den Platz entworfen werden sollten. Der Mercatorstuhl ist ein altbewährtes Duisburger Stadtmöbel, an dem die Bewohner sehr hängen, und der auf dem alten König-Heinrich-Platz aufgestellt war. Heute findet man die originalen Stühle noch im Botanischen Garten.
Die Gestaltung der langen Bank und des neu interpretierten Mercatorstuhls wurde im Wintersemester 2013/14 als studentischer Wettbewerb im Studiengang Industrial Design ausgeschrieben. Die Entwürfe von Daniel Rauch und Niklas Markloff erhielten eine Anerkennung, der Entwurf von Anne Karrenbrock und Sabeth Regnery belegte den zweiten Platz.
Hier das Interview mit Wettbewerbsgewinner Daniel Wilkens:

Wie bist du vorgegangen?

Da ja ein Redesign des Mercatorstuhls gewünscht war, habe ich mir den alten Mercatorstuhl zuerst genau angesehen und mich grundsätzlich mit den Theorien von Mercator* beschäftigt. Ansonsten habe ich den Charakter des Stuhls weitestgehend erhalten, weil ich den Eindruck hatte, dass der Stuhl den Duisburgern sehr am Herzen liegt und identitätsstiftend für sie ist. Es war relativ viel vorgegeben und da ich vorher noch nie ein Stadtmöbel oder einen Platz gestaltet habe, war ich froh, dass ich ein paar Fixpunkte hatte, an denen ich mich entlanghangeln konnte. Bei der Bank war zum Beispiel gewünscht, dass es einen Betonsockel und eine Holzbelattung gibt, die quer zur Bank verläuft.

Du sollst deinen Entwurf abändern, wie und wozu?

Die Jury hat eine sehr konkrete Beurteilung geschrieben. Dann wurde ich von den Ingenieuren der Stadt Duisburg, die mit dem Projekt betraut sind, eingeladen, um mit mir die Veränderungen durchzusprechen. Im Wesentlichen wird der Entwurf so bleiben. Es ging lediglich um ein paar Anpassungen, die die Proportionen und die Sicherheit angehen; damit sich Kinder zum Beispiel nicht den Kopf einklemmen oder irgendwo hängen bleiben. Da gibt es ein paar Anforderungen für öffentliches Mobiliar, die erfüllt sein müssen. Im Entwurf gab es im vorderen Bereich eine Stelle, wo zwei Stahlrohre relativ nah aneinander sind. Dort musste der Abstand angepasst werden.

Du hast aber nicht das Gefühl, dass dein Entwurf dadurch verfälscht wird?

Nein. Ich kämpfe zwar noch ein bisschen mit der Holzauflage, für die ich gerne ein helles Holz hätte, um einen möglichst hohen Kontrast zum dunklen Stahlgestell zu haben. Die Vertreter der Stadt Duisburg hätten lieber ein dunkles, rötliches Holz. Aber da ist die Entscheidung noch nicht getroffen. Ich arbeite jetzt eng mit dem Architekturbüro zusammen, das die sonstige Platzgestaltung macht. Wir werden uns das zusammen mit der Stadt Duisburg vor Ort anschauen und dann entscheiden, welches Holz genommen wird. Ich werde generell bei Entscheidungen gefragt und  habe den Eindruck, dass man es sehr ernst nimmt, dass meine Meinung eingeholt wird.

Wie gefällt Dir der Platz? Bist Du dort öfter?

Noch finde ich den Platz recht trist, denn da ist jetzt noch nicht wirklich viel. Generell finde ich aber sehr gut, dass der Platz entstanden ist. Vorher war das ja praktisch Autobahn. Oft bin ich dort jedoch nicht. Meine Besuche in Duisburg beschränken sich auf die, die ich bei der Stadt oder gelegentlich in der Uni mache.

Aber wenn deine Stühle da sind, wirst Du sie bestimmt manchmal besuchen.

Na klar! Wenn die da sind, werde ich hinfahren und mal schauen, wie die so ankommen. Das ist  natürlich eine schöne Sache, als Student etwas gestaltet zu haben, das dann in Kleinserie hergestellt wird und für 30 Jahre in Duisburg vor dem Bahnhof steht.

Meinst Du, dass das ein Ort zum Verweilen wird oder, wie in einigen Internetforen beklagt wurde, eher ein Aufenthaltsort für Trinker und Junkies?

Natürlich hoffe ich, dass das ein Ort wird, an dem man gerne ist. Aber das kann man im Vorhinein natürlich nicht wissen. Letztenendes soll der Platz ja auch für alle da sein. Und das finde ich gut. In Essen ist das ein bisschen schade, dass man sich vehement dagegen wehrt, auf dem Willy-Brandt-Platz Sitzgelegenheiten aufzustellen, um so die sogenannte Trinkerszene auszuklammern. Die müssen dann da auf einer Betonkante sitzen. Meiner Meinung nach setzt man am falschen Ende an. Ich hoffe natürlich, dass der Platz belebt sein wird und dass man dort gerne verweilt.

Hast Du schon mal ein ähnliches Projekt gemacht?

Einen Wettbewerb bei dem am Ende etwas produziert wird und generell ein Stadtmöbel habe ich vorher noch nicht gemacht. Aber Möbel schon. Das ist so »mein Thema«.

Das heißt Du machst im Studium hauptsächlich Möbel?

Nein, das kann man so auch nicht sagen. Ich mache gerne Möbel, aber ich mache nicht nur Möbel. Zum Beispiel habe ich einen 3D-Drucker entwickelt, der Kuchenteig druckt. Das war tendenziell schon fast Kommunikationsdesign. »Der Kuchen als Kommunikationsmedium«. An dem Gerät ist ja nichts im Sinne von klassischem Industriedesign gestaltet. Ein anderes Beispiel ist eine Mikropipette für Labore, die ich gestaltet habe. Denn ich bin ja auch Biologe und konnte da aus meinen Erfahrungen im Labor schöpfen.

Hast du das Biologie Studium auch abgeschlossen?

Ja, ich habe ein Diplom in Biologie gemacht und habe sogar angefangen zu promovieren. Da habe ich dann zehn Stunden am Tag im dunklen Kämmerlein gesessen und durch ein Mikroskop auf fluoreszenzmarkierte, also bunte, Viruspartikel geschaut. Dabei muss man unheimlich viel Zeit in Experimente investieren und das, was dann dabei rumkommt, ist verschwindend gering. Und wenn man dann nicht mit Herzblut dabei ist, macht es keinen Sinn. Wahrscheinlich hat das im Laufe des Studiums nachgelassen. Mir wurde dann klar, dass ich, statt existierende Naturgesetzmäßigkeiten zu erforschen, lieber selbst etwas erschaffen möchte. Design hat schon immer eine große Rolle für mich gespielt und deswegen war die Entscheidung, was ich statt Biologie mache eigentlich kein riesen Thema mehr. Nur das “Ob” war natürlich eine harte Entscheidung.

Vielen Dank, Daniel, für das nette Interview und herzlichen Glückwunsch zum gewonnenen Wettbewerb.


Danke.

*Gerhard Mercator , Geograph, Theologe, Philosoph, Kartograph, 1512-1594

Ein Beitrag im Rahmen des Projekts "Folkwang StudiScouts".

Nora Prinz / 07. Januar 2015

Auf der Bank sind Rückenlehnen, die man im Prinzip frei anordnen kann. In der Benutzung sollen sie nicht beweglich sein, sondern fest montiert, aber theoretisch ist dieses Rückenmodul überall einsetzbar.

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